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Mertes: „Langer Weg bis zur Inklusion“

Ausstellung im Abgeordnetenhaus beleuchtet NS-Psychiatrie in der Pfalz

Eröffnung der Ausstellung "NS-Psychiatrie in der Pfalz". Foto: Andreas Linsenmann
Eröffnung der Ausstellung "NS-Psychiatrie in der Pfalz". Foto: Andreas Linsenmann
„An Patienten wurde nicht zu rechtfertigende Forschung betrieben, Forschung, die die Patienten schädigte oder gar tötete. Dieses Personal, diese Ärzte, Psychiater, Krankenschwestern und Pfleger setzten ihre Karrieren nach 1945 fort“, verurteilte Landtagspräsident Joachim Mertes das Geschehene. „Es ist kein Zufall, dass es in Artikel 1 unseres Grundgesetzes heißt: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schätzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Zwangssterilisationen von psychisch Kranken, Deportationen von sogenannten „unerwünschten“ Patientengruppen, staatlich organisierter Krankenmord. Diesen abscheulichen Gräueltaten nationalsozialistischer Herrschaft widmet sich eine Wanderausstellung im Abgeordnetenhaus des rheinland-pfälzischen Landtags.

Sie fügt sich ein in das Gedenken, das auch am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, fortgesetzt wird. Zu diesem Gedenktag für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft tagt der rheinland-pfälzische Landtag in diesem Jahr in der Rheinhessen-Fachklinik in Alzey.

Am Beispiel der pfälzischen Psychiatrie mit dem Schwerpunkt auf der damaligen „Heil- und Pflegeanstalt“ Klingenmünster in der Nähe von Landau beleuchtet die Ausstellung die furchtbaren Vorgänge. „Wir sind einen langen Weg gegangen bis hin zur Inklusion und dieser Weg ist noch nicht zu Ende“, betonte der Präsident. Noch heute seien Familien gebrandmarkt, wenn Familienangehörige als minderwertiges Leben tituliert diesen Gräueltaten zum Opfer fielen. Noch heute treffe man auf Familien, die sich schämten für das, was auch vor ihrer Familie nicht Halt gemacht hatte und die dies nicht in die Öffentlichkeit tragen wollen.

Paul Bomke, Geschäftsführer des Pfalzklinikums, berichtete von einer Gruppe junger Menschen mit Beeinträchtigungen, die sich die Wanderausstellung intensiv angeschaut hatte. Am Ende stand die Frage: „Wären wir heute auch von dieser Maßnahme betroffen?“ Die Ausstellung löst Betroffenheit aus und macht auch deutlich, was in Zukunft nie wieder Wirklichkeit werden darf.

„Wir sind vielleicht heute so verführbar wie damals“, sagte Dr. Michael Brünger, Chefarzt des Pfalzinstitutes und Geschäftsführendes Mitglied des Gedenkausschusses, als er die damaligen Umstände verdeutlichte. Umso wichtiger sei: „Wir müssen auch heute unser ethisches Handeln im Auge behalten.“

Die Ausstellung des Landtags Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit dem Pfalzklinikum Klingenmünster ist bis 26. Februar 2016 werktags, außer an Fastnacht, von 8 bis 17 Uhr im Foyer des Abgeordnetenhauses, Kaiser-Friedrich-Straße 3, in Mainz zu sehen. Anmeldungen für Führungen und für Schulklassen und andere Gruppen sind nach Voranmeldung bei Karin Eifler, Telefon (06131) 208 2496 oder Email an Karin.Eifler@landtag.rlp.de, möglich. - 21.01.2016

 
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