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Drei Fahnen und drei Farben für den Landtag

Landtag kürt Wettbewerbsgewinner „Kunst am Bau“/Rekordbeteiligung

Drei Fahnen mit den aufgetrennten drei Farben der deutschen Nationalflagge werden eingebettet in hohe Messingrahmen nach der Sanierung des rheinland-pfälzischen Landtags vor dem Parlamentsgebäude auf dem Platz der Mainzer Republik wehen. Ein hochkarätig und breit besetztes Preisgericht hat am Montag den an die Fahne des Hambacher Fests angelehnten Entwurf des Berliner Künstlers Michael Sailstorfer mit dem Titel „Drei Farben“ mit großer Mehrheit zum Sieger des Wettbewerbs „Kunst am Bau“ gekürt. 

Im Zuge der Generalsanierung des historischen Deutschhauses, dem Sitz des Landesparlamentes, hatte der rheinland-pfälzische Landtag im April dieses Jahres das Bewerberverfahren für den Wettbewerb gestartet. Die Resonanz war überwältigend: 171 Künstlerinnen und Künstler aus ganz Europa hatten sich für die erste Stufe des Verfahrens beworben. „So viele wie noch nie bei einem solchen Wettbewerb in Rheinland-Pfalz“, freute sich Landtagspräsident Hendrik Hering. Zehn davon wurden in einer zweiten Stufe nach Sichtung durch ein Auswahlgremium eingeladen, das Modell eines Kunstwerks zu entwerfen.

Demokratie muss immer wieder erneuert werden

„Mit dem Wettbewerb ‚Kunst am Bau‘ will der Landtag seiner Wertschätzung für die Bildende Kunst im öffentlichen Raum an prominenter Stelle sichtbar Ausdruck verleihen“, sagte Hendrik Hering. Die Aufgabe lautete, den rheinland-pfälzischen Landtag als besondere Stätte der Demokratie künstlerisch darzustellen. Gewünscht war, dass das Kunstwerk Anlaufstelle für die vielen Landtagsbesucher ist und sich sensibel in die städtebauliche Situation einfügt.

Die Jury befand in ihrer Urteilsbegründung, dass der Gewinnerentwurf „in herausragender Weise Bezug auf die inhaltlichen und städtebaulichen Rahmenbedingungen am Platz der Mainzer Republik“ nehme, erläuterte die Vorsitzende des Preisgerichts, Beate Kemfert, Vorstandsvorsitzende der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim. Das Werk leiste eine „künstlerische Transformation“ des Themas der Hambacher Fahne, deren Original nach der Landtagssanierung im Übrigen wieder im Plenarsaal aufgehängt werden wird. Durch die Trennung der drei Farben der deutschen Fahne auf jeweils rund neun Meter hohen Messingrahmen könne die Fahne neu erlebt werden. Der Künstler habe das Verblassen und Verschleißen des Tuches mitbedacht, heißt es weiter in der Begründung. „Wie die Demokratie selbst muss auch diese Fahne immer wieder erneuert werden.“ Und schließlich stehe die Form der drei Elemente für eine „Offenheit“. Der geschichtlich für Mainz und die deutsche Demokratie so bedeutsame Platz erfahre durch das im Wind flatternde Tuch eine neue Leichtigkeit ohne die Historie zu verdrängen. Der Ort bleibe begehbar, nahbar und lade Passanten ein.   

Der Künstler Michael Sailstorfer wolle mit seinem Kunstwerk dazu beitragen, einen Ort zu entwickeln, an dem Demokratie aktiv erlebt und gestaltet wird, heißt es in seiner Bewerbung. Der Besucher solle eingeladen werden, über den Ort und seine Bedeutung zu reflektieren.

Einheit, Freiheit und Demokratie

„Dieser gelungene künstlerische Entwurf erinnert insbesondere auch an den Mut der damaligen Freiheitskämpfer, die ungeachtet aller Gefahren für ihr Leib und Leben die deutsche Einheit, Freiheit und Demokratie forderten, wofür die schwarz-rot-goldene Fahne stand und steht“, sagte Landtagspräsident Hendrik Hering. Für ihn stehe das Kunstwerk auch für eine offene und vielfältige Gesellschaft sowie für eine transparente Demokratie, für deren Erhalt und Weiterentwicklung es sich jeden Tag zu arbeiten lohne. 

Insgesamt ist der Platz, auf welchem das Kunstwerk verwirklicht werden wird, mit rund 800 Quadratmetern etwa so groß wie ein Handballfeld. Der Platz für die „Kunst am Bau“ liegt dabei an der Großen Bleiche vor dem neuen Anbau des Deutschhauses. In diesem Anbau werden das Restaurant und Besprechungsräume untergebracht.

Wenn der Staat baut, ist er verpflichtet, immer auch einen gewissen Anteil der Baukosten in die so genannte „Kunst am Bau“ zu investieren. „Gemäß der Richtlinien des Finanzministeriums für „Kunst am Bau“ stehen insgesamt 228.000 Euro für das Kunstwerk zur Verfügung“, erklärte Hendrik Hering.

Ausstellung aller Entwürfe bis 13. September

Im Rahmen einer Ausstellung in der Lobby der Steinhalle im Mainzer Landesmuseum sind der Gewinnerentwurf sowie alle weiteren neun Finalentwürfe ab diesem Mittwoch bis zum 13. September 2018 öffentlich ausgestellt. Der Eintritt ist frei. 

 
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