Hering: Orte der Demokratie sichtbarer machen

Landtagspräsident Hendrik Hering will sich in seiner neuen Amtszeit insbesondere auch dafür einsetzen, dass Orte der Demokratie würdiger und im Alltag sichtbarer dargestellt werden. Ein besonderes Beispiel hierfür ist das Rittersturz-Denkmal bei Koblenz.

Über den Dächern von Koblenz auf 166 Metern Höhe, befindet sich heute ein relativ unscheinbarer Aussichtspunkt im Koblenzer Stadtwald. Dort befand sich von 1925 bis 1974 das „Rittersturz“-Hotel, wo vom 8. bis 10. Juli 1948 eine für Deutschland historische Konferenz stattfand.Es trafen sich dort die Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder, um über die Zukunft des besiegten Deutschlands zu verhandeln. Besonders die von den Alliierten gewünschte Neubestimmung der Ländergrenzen musste diskutiert werden. Es wurde der Grundstein für das Grundgesetz gelegt“, erläuterte Landtagspräsident Hendrik Hering die herausragende Bedeutung des Ortes. Der deutsche Südwesten und vor allen Dingen das Territorium des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz stand mit seinen einerseits rheinischen und andererseits pfälzischen Gebieten in der Diskussion: Einige Stimmen aus Presse und Politik wollten sie den angrenzenden Ländern zuschlagen. „Durch kluges Taktieren und engagiertes Auftreten gegenüber den Alliierten schufen die Ministerpräsidenten in Koblenz die Voraussetzungen für ein stabiles politisches Gleichgewicht“, so Hendrik Hering.

Was wurde bei der Konferenz entschieden?

Thema der Rittersturz-Konferenz waren die Frankfurter Dokumente, die ihnen von den Militärgouverneuren der westlichen Besatzungszonen vorgelegt worden waren. Diese sahen insbesondere die Gründung eines deutschen Weststaates vor. Die Ministerpräsidenten beschlossen aber einheitlich, dass diese Gründung nur ein Provisorium bis zur Errichtung eines gesamtdeutschen Staates sein sollte. Daher sollte es auch keine verfassunggebende Nationalversammlung, sondern einen Parlamentarischen Rat zur Ausarbeitung eines Grundgesetzes geben. Beratungen zur geforderten Neuregelung der Ländergrenzen wurden vertagt. Dem Entwurf eines Besatzungsstatuts trat man sehr selbstbewusst entgegen und versuchte, mit eigenen Vorschlägen das Zusammenspiel zwischen den deutschen Institutionen und den Alliierten festzuschreiben.

Was befindet sich heute auf dem Rittersturz?

Einige Jahre nach dem Abriss des Hotels entstand 1978 auf der Freifläche eine Gedenkstätte. Auf Initiative des damaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Peter Altmeier wurde am 8. Juli 1979 als Denkmal eine dreigliedrige Stele des Koblenzer Bildhauers Rudi Scheuermann aufgestellt. Sie symbolisiert die drei westlichen Besatzungsmächte. Der Text lautet: HIER AUF DEM RITTERSTURZ TAGTE AM 8, 9.+ 10. JULI 1948 DIE KONFERENZ DER DEUTSCHEN MINISTERPRÄSIDENTEN. AUS IHREN BERATUNGEN FÜHRTE DER WEG ÜBER DEN PARLAMENTARISCHEN RAT ZUR ANNAHME DES GRUNDGESETZES UND ZUR BILDUNG DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND.

Zum 60. Jubiläum, 2008, erfolgte die Erneuerung des gesamten Geländes. Am 9. Juli 2021 wurde am Rittersturz in einer kleinen Feierstunde mit dem Oberbürgermeister der Stadt Koblenz eine Plakette des bundesweiten Netzwerks "Orte der Demokratiegeschichte" angebracht.

Warum ist die Rittersturz-Konferenz so bedeutend?

Landtagspräsident Hendrik Hering: „Auf der Rittersturz-Konferenz wurde das Fundament unseres heutigen Deutschlands gelegt. Neben den Grenzen unseres Landes, der föderalen, freiheitlichen und demokratischen Struktur des Staatswesens, wurden die Grundlagen für die Erarbeitung unseres Grundgesetzes geschaffen. Indem die Ministerpräsidenten den provisorischen Charakter des neuen Staates besonders betonten, wurde letztlich auch die Chance auf eine Wiedervereinigung, wie sie 1990 stattfand, überhaupt erst möglich.“

Vor diesem Hintergrund plädiert Landtagspräsident Hendrik Hering dafür, solche herausragenden Orte der Demokratiegeschichte noch stärker zu fördern und im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. „Jede Schülerin und jeder Schüler sollte einen solchen Ort der Demokratie kennengelernt und sich über seine Geschichte informiert haben“, so Hendrik Hering.

Auch Personen der Demokratiegeschichte stärker würdigen

Des Weiteren will Hendrik Hering auch rheinland-pfälzische Persönlichkeiten der Demokratiegeschichte stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken. „Im Rahmen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz sollen Personen oder Personengruppen porträtiert werden, die einen Beitrag zur demokratischen Entwicklung des Landes Rheinland-Pfalz und seiner Vorgängerterritorien geleistet haben“, erklärte der Landtagspräsident. Als Beispiele nannte er Wilhelm Emmanuel Ketteler (1811-1877): Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung; 1850 Bischof von Mainz; Begründer der katholischen Soziallehre („Arbeiterbischof“) oder Kathinka Zitz-Halein (1801-1877): Schriftstellerin, Mitgründerin des „Humania-Vereins für vaterländische Interessen“ (Frauenhilfsverein).