Homosexualität: Verschwiegen, Verurteilt, Verfolgt

Die jetzt im Mainzer Abgeordnetenhaus eröffnete Wanderausstellung „Verschweigen – Verurteilen“ des rheinland-pfälzischen Familienministeriums stellt multimedial die Verfolgung von Homosexualität in Rheinland-Pfalz von der Nachkriegszeit bis 1973 dar. Landtagspräsident Hendrik Hering und Familien-Staatssekretärin Christiane Rohleder erinnerten bei der Eröffnung eindringlich an das Unrecht, das Homosexuelle über viele Jahrzehnte hinweg in Rheinland-Pfalz erleiden mussten.

Auch wenn mit dem Ende der NS-Diktatur 1945 die intensivste Verfolgung homosexueller Menschen endete, so blieb männliche Homosexualität in der Bundesrepublik Deutschland bis 1969 grundsätzlich verboten. Landtagspräsident Hendrik Hering betonte, dass die Ausstellung Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie sei, die der Landtag im Dezember 2012 einstimmig beschlossen hatte. „Damals hat das Parlament sich für die strafrechtliche Verfolgung homosexueller Menschen in Rheinland-Pfalz entschuldigt“, sagte Hendrik Hering. Auch am Tag des Gedenkens für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar werden Landtag und Landesregierung in diesem Jahr an die Verfolgung der Homosexuellen erinnern.

Hendrik Hering verwies auf den berüchtigten Paragrafen 175 des Straf- und Gesetzbuches, der Homosexualität unter Strafe stellte. Dieser sei bereits 1872 in Kraft getreten und unter den Nazis im Dritten Reich verschärft worden. Dieser Paragraf sei anschließend in der Bundesrepublik übernommen worden und bis 1969 unverändert in Kraft geblieben. Erst 1994 endete die Verfolgung von Homosexualität und der zugrunde liegende Paragraf 175 wurde ersatzlos gestrichen. „Bis 1969 verurteilte die Justiz in der Bundesrepublik auf dieser Rechtsgrundlage über 50.000 Männer“, erklärte Hendrik Hering. Die Demokratie sei inzwischen jedoch stark genug, um aus Fehlern zu lernen. „Durchschauen wir die Mechanismen von Ausgrenzung und setzen wir uns ein für ein mitmenschliches und respektvolles Miteinander“, forderte der Landtagspräsident.

Würdigung der Opfer und Mahnung vor Homophobie

Staatssekretärin Christiane Rohleder, gleichzeitig Landesbeauftragte für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Geschlechtsidentität, betonte: „In dieser Ausstellung wird deutlich, wie die von den Nationalsozialisten verschärften Gesetze Betroffene persönlich und strukturell diskriminierten, was bis zur Selbsttötung führen konnte. Mit der Ausstellung würdigen wir auch die Opfer der damaligen Verfolgung und mahnen zugleich vor einer neuen homo- und transfeindlichen Stimmung, die sich in unserer Gesellschaft wieder verbreitet. Es ist immer noch ein unerträglicher Gedanke, dass dieses Gesetz aus der Nazizeit in die Gesetzbücher der Bundesrepublik übernommen wurde“. Die Ausstellung im Abgeordnetenhaus erreiche nun den Ort, von dem der parlamentarische Auftrag für die Aufarbeitung dieses traurigen Teils unserer bundesdeutschen Geschichte ausging.

Die Ausstellung informiert auf über 30 Paneelen über die damalige Lebenssituation homosexueller Menschen und folgt bewusst einem Konzept, das die Alltäglichkeit und die konkreten Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen darstellt. Bilder, Briefe, Fotos, Statistiken, Bücher und audiovisuelle Elemente zu den drei Themenbereichen der Ausstellung `Strafverfolgung und Gebote`, `Moral und Gebote` und `Bewegungsräume` machen das Schicksal der Menschen sichtbar, begehbar, begreifbar und damit auf eine sehr intensive Weise erlebbar. Die Ausstellung ist daher auch besonders für die pädagogische Arbeit in Schulen und Erwachsenenbildung geeignet und kann beim Institut für Medien und Pädagogik e.V. kostenfrei ausgeliehen werden.

Die Ausstellung ist noch bis zum 7. Februar 2020 täglich – außer an Wochenenden und Feiertagen – von 8 Uhr bis 17 Uhr im Foyer des Abgeordnetenhauses in der Kaiser-Friedrich-Straße 3 in Mainz zu sehen.