Auf der Suche nach einem besseren Leben

Mit „Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart“ präsentiert der Landtag eine Informationsausstellung über die bewegende Geschichte der Russlanddeutschen. Sie ist noch bis zum 5. Dezember 2019 im Foyer des Abgeordnetenhauses zu sehen. Eine Vielzahl an Gästen aus Politik und Öffentlichkeit begleiteten die Ausstellungseröffnung.

Mit dem Manifest von 1763 der Zarin Katharina der Großen wurde eine große Auswanderungswelle der Deutschen nach Russland ausgelöst. Die deutschstämmige Monarchin versprach deutschen Einwandererinnen und Einwanderern Privilegien, wie eine eigenständige deutsche Verwaltung, Glaubensfreiheit, Befreiung vom Wehrdienst, Steuerbefreiung und bis zu 30 Hektar Land für jede Familie. Von 1764 bis 1862 entstanden deutsche Siedlungen an der Wolga, im Raum St. Petersburg, in der Ukraine, in Wolhynien, auf der Krim, im Kaukasus, im Baltikum und in Bessarabien (dem heutigen Moldawien und der Ukraine).

Hoffnung auf ein besseres Leben

„Mit im Gepäck hatten die Einwanderinnen und Einwanderer die große Hoffnung auf ein besseres und vor allem friedliches Leben“, sagte Landtagspräsident Hendrik Hering in seinem Grußwort zur Ausstellungseröffnung. Hoffnungen, die heute viele Geflüchtete aus den Kriegsgebieten Syriens veranlassten, ihre Heimat zu verlassen und in einem fremden Land mit einer ihnen fremden Kultur ein neues Leben aufzubauen. Die Ausstellung greife daher ein Thema auf, das bis heute an Aktualität nichts eingebüßt habe, erläuterte der Landtagspräsident.

Für die Nachfahren der ausgewanderten Deutschen habe sich gezeigt, dass ihnen nach den beiden Weltkriegen kein gutes und vor allem sicheres Leben mehr beschieden war. Obwohl sie in Russland geboren waren, galten sie aufgrund der Herkunft ihrer Vorfahren als Feinde und litten unter Repressalien und Enteignungen, die gar in Deportationen mündeten.

Alte Heimat oder fremde Kultur?

Ab den 1950iger Jahren habe es daher eine große Rückwanderung nach Deutschland gegeben. Doch wie empfanden die Menschen ihre Rückkehr nach Deutschland? Empfanden sie sich als Rückkehrer oder waren Deutschland und seine Kultur ihnen fremd geworden? Für die Beantwortung dieser Fragen bedankte sich der Landtagspräsident bei der Vorsitzenden der Landesgruppe Rheinland-Pfalz des Vereins Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Valentina Dederer sowie beim Projektleiter der Ausstellung, Jakob Fischer. Es wurde über viele Beispiele von gelungener Integration berichtet. „Insbesondere auch durch das gemeinsame Singen von traditionellen Liedern wurde es zu einem bewegenden Abend“, berichtete Landtagspräsident Hendrik Hering.   

Die Ausstellung ist vom 13. November bis 5. Dezember 2019 täglich – außer an Wochenenden und Feiertagen – von 8 Uhr bis 17 Uhr im Foyer des Abgeordnetenhauses in der Kaiser-Friedrich-Straße 3 in Mainz zu sehen.