100 Jahre US-Präsenz in Rheinland-Pfalz: Unter Freunden

Anlässlich der 100-jährigen Präsenz amerikanischer Soldaten an Rhein und Mosel hat der rheinland-pfälzische Landtag Anfang Januar eine sehr gut besuchte Feierstunde im Plenarsaal in der Steinhalle des Landesmuseums veranstaltet. Dabei war es vor allem die Dankbarkeit für eine über Jahrzehnte gewachsene enge und aufrichtige Freundschaft zwischen Amerikanern und Rheinland-Pfälzern, welche die Reden von beiden Seiten bestimmte.

In der deutschen Öffentlichkeit herrsche weitgehend die Auffassung, dass die Amerikaner erst nach dem Zweiten Weltkrieg als Besatzer ins Land kamen, erklärte Landtagspräsident Hendrik Hering in seiner Begrüßung. Dabei sei dies bereits nach dem Ersten Weltkrieg der Fall gewesen. Rund 250.000 amerikanische Soldaten kamen damals nach Deutschland. „Es war dies der erste Versuch der Amerikaner, ein demokratisches Deutschland zu etablieren“, sagte Hendrik Hering. Erst der zweite Versuch nach dem Zweiten Weltkrieg gelang. „Wir verdanken den Amerikanern Frieden und wir verdanken ihnen, dass wir heute in einem demokratischen Land, in einer wohlhabenden und freien Gesellschaft leben“, betonte der Landtagspräsident. Dies dürfe nie vergessen werden. Selbst nach den Gräueltaten der Nazis hätten die Amerikaner an die Deutschen geglaubt. Aus Besatzern seien Freunde geworden. Und dafür dankte Hendrik Hering stellvertretend den anwesenden amerikanischen Gästen, darunter den Kommandeur der US-Armee im Europa-Hauptquartier in Wiesbaden, General Christopher Cavoli.

Vielfältige persönliche Beziehungen

General Christopher Cavoli gab den Dank gerne zurück und sprach von einer lange gewachsenen vertrauensvollen Partnerschaft. Was Rheinland-Pfalz zur Unterstützung der US-Streitkräfte leiste, sei wesentlich zur Unterstützung der amerikanischen Rolle in der Nato und für die Sicherheit in Europa. Den Erfolg der Partnerschaft sieht er insbesondere in den vielfältigen persönlichen Beziehungen und Begegnungen zwischen Amerikanern und Deutschen auf lokaler Ebene.Eine wichtige Rolle in den deutsch-amerikanischen Beziehungen habe laut Hendrik Hering auch immer das rheinland-pfälzische Innenministerium gespielt, weshalb er Roger Lewentz als auch seinem Vorgänger im Amt des Innenministers, Karl Peter Bruch, ausdrücklich dankte. In seinem Grußwort machte Roger Lewentz deutlich, dass er mit seinen US-Partnern immer auf Augenhöhe diskutieren konnte und zu einer gelebten Partnerschaft auch Kritik dazugehöre. Die Amerikaner hätten wesentlich zur Verankerung der Demokratie in Deutschland beigetragen. Noch heute lebten und arbeiteten rund 50.000 US-Staatsbürger in Rheinland-Pfalz.

Ausstellung zu US-Besatzung in Steinhalle

David Sirakov von der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz e.V. betonte in seinem Festvortrag, dass es insbesondere im Zusammenhang mit solchen Jahrestagen notwendig sei, die transatlantischen Beziehungen neu zu denken und die Bildungsarbeit zu stärken. Gerade die jüngere Generation müsse die Möglichkeit haben, eigene Betrachtungsweisen zu entwickeln. Und dabei seien es die Begegnungen und der direkte Austausch, die zu Frieden und Freundschaft wesentlich beitrügen. Anlass zur Sorge gebe ihm das nachlassende Interesse von deutschen Studenten an einem Studium in den USA.

Rheinland-Pfalz sei laut Sirakov insbesondere ein Beispiel für das freundschaftliche Miteinander von Amerikanern und Deutschen, für einen intensiven kulturellen Austausch und für die Bedeutung des direkten Kontakts zu- und miteinander.Ein lebendiges und beschwingtes Beispiel für die kulturellen Bereicherungen durch die USA gab sogleich die U.S. Air Forces in Europe Band „Wings of Dixie“, welche die Festveranstaltung musikalisch begleitete.Im Umfeld der Veranstaltung werden vom 7. bis zum 20. Januar Teile der für das Jubiläumsjahr erstellten Ausstellung „A Piece of The Rhine. Amerikanische Besatzung im Brückenkopf Koblenz 1918 – 1923“ des Landschaftsmuseums Westerwald in der Steinhalle des Landesmuseums gezeigt.