Wie entsteht Hochwasser und wie können wir damit umgehen?

Die Enquete-Kommission (EK) „Zukunftsstrategien zur Katastrophenvorsorge“ hat sich in ihrer Sitzung am 13. September 2022 mit der Entstehung von Hochwasser, dem Hochwasserrisikomanagement und Meldesystemen beschäftigt. Hierzu informierte Umwelt-Staatssekretär Erwin Manz. Anschließend hörte die EK eine Reihe an Experten an.

Staatssekretär Erwin Manz erklärte in seinem Bericht für die Landesregierung, Hochwasserrisikomanagement umfasse alle Aktivitäten und Planungen vor, während und nach einem Hochwasser. Hochwasser sei als Teil des natürlichen Wasserkreislaufes ein Naturereignis, das als solches nicht verhindert werden könne. Mit Blick in die Zukunft sei eine Zunahme von Hochwasserereignissen zu erwarten. Jedes Hochwasserereignis offenbare neue Punkte, die angegangen werden müssten. Wichtig sei ein Hochwasserflächenmanagement als gemeinsame Herausforderung für die Landesplanung, Raumordnung, Bauleitplanung und die Wasserwirtschaft. Überschwemmungsgebiete bräuchten zukünftig eine hochwasserangepasste Nutzung und Infrastruktur. Neue Modellierungssysteme, welche die Starkregen- und Hochwassergefährdung visualisieren, sollen weiterentwickelt und ausgebaut werden.

Bei der Expertenanhörung zum Thema „Hochwasserrisikomanagement, Hochwassermeldesysteme, Modellierung und Pegelstandsmessungen, Risikobewusstsein“ sagte Thomas Maurer, Referatsleiter Bundesanstalt für Gewässerkunde, dass technisch nur bedingt ein Schutz vor Hochwasser möglich sei. Hochwasserschutz bestehe aus vielen kleinen Bausteinen und es gebe keine Gesamtlösungen. Wichtig sei immer auch, gegen das Vergessen von Hochwasserereignissen zu arbeiten. 

Jörg Dietrich vom Institut für Hydrologie und Wasserwirtschaft an der Leibniz Universität Hannover ging auf das Hochwasser im Jahr 2002 in Sachsen ein. Modelle müssten an den Klimawandel angepasst und auch undenkbare wie auch außer Kontrolle geratende Ereignisse einbezogen werden. Wichtig seien Katastrophenschutzübungen bei allen operativen und koordinierenden Stellen von Land und Landkreis. Zudem müssten Frühwarnsysteme optimiert und Überschwemmungskarten erstellt werden.  

Undenkbares mitdenken

Professor Kai Schröter von der Technischen Universität Braunschweig betonte, dass es absolute Sicherheit nicht geben könne. Durch den Klimawandel habe man kaum Ahnung, was da noch auf uns zukomme. Er riet, die Datengrundlage für das Hochwasserrisikomanagement immer wieder zu aktualisieren. Besonders wichtig sei, Worst-Case-Szenarien zu durchdenken und Handlungen abzuleiten. Auch die Problematik von Aufstauungen bei Brücken müsse berücksichtigt werden. 

Christian Brauner (Risk Management), sagte, es sei wichtig zu klären, wie Akteure vor Ort Hochwasserrisikokarten und Wetterwarnungen optimal nutzen könnten. Die Alarm- und Einsatzplanung könne auch nicht alleine in einer Kommune erstellt werden. Hochwasserrisikomanagement sei auch keine technische Disziplin, sondern Hauptaufgabe sei, zu leiten und Menschen zu führen. Nicht die Informationsbereitstellung, sondern die Informationsnutzung sei das Entscheidende.

Felix Brühl, Projektmanager Endress+Hauser GmbH & Co. KG, richtete den Blick insbesondere auch auf Kleinst- und Kleingewässer. Diese sollten regelmäßig datenbasiert überwacht werden. Neben Pegel- und Starkregensensoren gebe es auch Bodenfeuchte-Sensoren, die Auskunft über die Sättigung des Bodens geben würden.

Peter Heiland, sachverständiges Mitglied in der Enquete-Kommission, sagte, unter Hochwasserrisikomanagement falle vieles, wie beispielsweise die Abgrenzung und Überprüfung der Hochwasserrisikogebiete, Gefahren und Risikokarten und deren Fortschreibung. Der Hochwasserschutz, die Vor- und Nachsorge erfordere Maßnahmen auf allen Ebenen. Es brauche aus seiner Sicht ein agileres Arbeiten an Maßnahmenkatalogen.

Alois Lieth, ebenfalls sachverständiges Mitglied in der Enquete-Kommission, erklärte, das Hochwasserrisiko entwickle sich immer weiter und verändere sich mit dem voranschreitenden Klimawandel. Unsicherheiten müssten im Mittelpunkt stehen. Hochwasserprobleme würden gerne verdrängt und die Mehrheit der Menschen wüsste oft nicht, dass sie in einem hochwassergefährdeten Gebiet lebten. Eine sehr gute Planung und Modellierung biete eine gute Grundlage für die Simulierung von Worst-Case Szenarien. Er bemängelte, dass viele Kommunen keinen Notfallplan hätten.

Die nächste Sitzung der EK findet am 4. Oktober 2022 um 10 Uhr statt. In dieser Sitzung sollen die Beschlussfassungen für einen Zwischenbericht an den Landtag erfolgen. 

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