War es „Billy“, der Wolf?

Mit einem – möglicherweise durch Grauwolf „Billy“ – gerissenen Reh im Kreis Bernkastel-Wittlich haben sich die Abgeordneten in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses befasst. Auf Antrag der FDP-Fraktion sprachen die Abgeordneten über bisherige Erkenntnisse und diskutierten mögliche Schutzmaßnahmen des Landes.

Bereits im Sommer wurden im Landkreis Bitburg-Prüm 20 Tiere, darunter zwei Kälber und 18 Schafe, gerissen, berichtete der Ausschussvorsitzende Marco Weber (FDP). Er interessierte sich dafür, welche Erkenntnisse im aktuellen Fall vorlägen.
 

DNA-Analyse soll Erkenntnisse liefern

Staatssekretär Thomas Griese informierte: Das vorgefundene Reh habe unterschiedlich große Bissspuren aufgewiesen. Möglicherweise gebe es somit unterschiedliche Tierarten, die Verursacher der Verletzungen sein könnten. Man habe drei DNA-Proben zur Analyse an das Senckenberg-Institut in Gelnhausen geschickt. Die Auswertung sei in etwa drei bis vier Wochen zu erwarten. Sobald das Ergebnis vorliege, werde man in Erfahrung bringen können, ob „Billy“ das Reh gerissen hat, so Griese.
Er betonte, dass Wölfe Rehe zur Nahrungsversorgung reißen und dies nicht als auffälliges Verhalten zu werten sei. Erst, wenn sich Wölfe beispielsweise dem Menschen mehr als 30 Meter nähern, wolfssichere Zäune überwinden oder sich an Siedlungen heranpirschten und nicht vertrieben werden können, gelten sie als auffällig. Bei auffälligen Tieren könne es folglich zu einer so genannten „Entnahme“ kommen, das bedeutet, sie könnten getötet werden.
Nico Steinbach (SPD) wies daraufhin, dass der Bund im Dezember vergangenen Jahres die Optionen einer Entnahme bei Auffälligkeiten erweitert habe. Eine Auffälligkeit und damit eine Entnahme werde erst dann möglich, wenn es um „ernste Schäden“ gehe, erklärte Griese. Steinbach machte darauf aufmerksam, wie schwierig es für handelnde Akteure sei, zu definieren, was „ernste Schäden“ bedeute. Dem stimmte Griese zu und verwies auf eine bundeseinheitliche Definition des Begriffes, sodass nicht jedes Bundesland eine eigene heranziehen müsse. Zudem dürften die Länder nicht ohne Weiteres einen Wolf zum Abschuss freigeben. Freigaben müssten begründet sein und einer gerichtlichen Kontrolle standhalten.
 

Der Wolf gilt als geschützt

Jutta Blatzheim-Rögler (Bündnis 90/Die Grünen) wollte wissen, nach welchen Grundlagen der Wolf geschützt sei. Griese verwies auf das Europäische Artenschutzrecht, wonach der Wolf als streng geschützt gelte und nicht dem Jagdrecht unterliege. Eingriffe zulasten des Wolfbestandes seien zu unterlassen. Ausnahmen regele das Bundesnaturschutzgesetz. Griese regte an, dass sich im Rahmen eines Runden Tisches am 6. Oktober 2020 ein Tagesordnungspunkt mit der Ausweitung eines Präventionsgebiets in der Eifel beschäftigen solle. In Präventionsgebieten gebe es finanzielle Fördermittel, welche die Stiftung „Natur und Umwelt“ auszahle. Diese dienten unter anderem der Bezuschussung von wolfsicheren Weidezäunen. In Fällen von Rissen gebe es eine Entschädigung von 100 Prozent. Diese wolle man auf Pferde- und Mutterkuhhalter ausweiten, so Griese. Mit der Ausweisung der Eifel als Präventionsgebiet werde ein wolfssicherer Zaunbau für Tierhalter fällig.