Trauer um die Zeitzeugin Ruta Wermuth-Burak

Der rheinland-pfälzische Landtag, das Maximilian-Kolbe-Werk und das Team der Zeitzeugenbesuche im Bistum Mainz trauern um Ruta Wermuth-Burak. Die Holocaust-Überlebende starb am 24. April 2021 im Alter von 93 Jahren in Lubawka/Polen.

Am 27. Januar 2015 hielt Ruta Wermuth-Burak im rheinland-pfälzischen Landtag zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus eine eindringliche und bewegende Rede.

Im Alter von 13 Jahren wurde das jüdische Mädchen auf dem Weg in das Vernichtungslager Belzec von ihren Eltern aus dem rollenden Todeszug geworfen und überlebte. Mit dem Mut der Verzweiflung gelang es der Jugendlichen zu überleben: Sie gab sich als katholische Christin aus, meldete sich freiwillig bei den deutschen Behörden und verrichtete als sogenannte „Ostarbeiterin“ unter anderem in einer Schuhfabrik der Rovo AG im pfälzischen Rülzheim Zwangsarbeit. Das Bistum Mainz und das Maximilian-Kolbe-Werk teilten zum Tode von Ruta Wermuth-Barak mit: „Viele Jahre engagierte sich Ruta Wermuth-Burak als Zeitzeugin für das Maximilian-Kolbe-Werk und das Bistum Mainz und legte unermüdlich ihr Zeugnis ab. Tausenden jungen Menschen in Deutschland hat sie ihre berührende Geschichte erzählt und sie dazu ermutigt, aus der Vergangenheit zu lernen. Die Lebensgeschichte von Ruta Wermuth-Burak ist eine bewegende Dokumentation jüdischen Leidens in der Zeit des Dritten Reiches. In ihr verdichten sich zahlreiche Aspekte des nationalsozialistischen Terrors: Ghetto, Deportation, Flucht, Zwangsarbeit in Deutschland und schließlich die jahrzehntelange Suche nach dem totgeglaubten Bruder Salek.“ Mehr Informationen sind zu finden unter: https://www.maximilian-kolbe-werk.de/unsere-arbeit/erinnern/nachruf-ruta-wermuth-burak/

Landtagspräsident Hendrik Hering kondolierte der Familie der Zeitzeugin und würdigte ihren Lebensweg sowie ihr herausragendes Engagement gegen das Vergessen und für das Lernen aus der Vergangenheit. Die Berichte der Zeitzeug*innen am 27. Januar im Landtag seien immer ein ganz besonders bewegender, nachhaltiger und eindringlicher Moment. Da es immer weniger Zeitzeug*innen gibt, hat der rheinland-pfälzische Landtag bundesweit bereits im vergangenen Jahr eine Initiative gestartet, um das parlamentarische Erinnern an die dunkelste Zeit in der deutschen Geschichte in zeitgemäßer Form fortzuentwickeln und der Verantwortung für die Verbrechen der Nationalsozialisten in besonderem Maße gerecht zu werden. Daher trägt der Landtag dazu bei, die Erinnerung und das Gedenken zu bewahren. Dies geschieht insbesondere durch Veranstaltungen, bei denen der Dialog im Mittelpunkt steht.