Strukturen im Tourismus auf dem Prüfstand

Die Enquete-Kommission Tourismus des rheinland-pfälzischen Landtags hat sich in ihrer Sitzung Ende August unter anderem mit der Barrierefreiheit im Tourismus befasst. Im Anhörungsverfahren kamen dazu die Stimmen von Experten aus der Praxis zu Wort. Auch das Thema „Strukturen im Tourismus“ stand auf der Tagesordnung. Die SPD-Abgeordnete Nina Klinkel wurde einstimmig zur neuen stellvertretenden Vorsitzenden der Kommission gewählt.

Ein barrierefreier Tourismus, so Staatssekretärin Daniela Schmitt einleitend, müsse eine Selbstverständlichkeit werden. Zugute kämen die Verbesserungen Menschen mit Behinderung, aber auch der Allgemeinheit. Vorkehrungen wie Aufzüge oder Rampen könnten auch aus dem Blickwinkel eines Komfort-Tourismus gesehen werden, der sich wiederrum positiv auf die Tourismuswirtschaft insgesamt auswirken könne.

Rolf Schrader, Vorstand und Geschäftsführer des Deutschen Seminars für Tourismus Berlin e.V., erklärte, dass barrierefreie Angebote im Tourismus in den vergangenen 20 Jahren ein deutlich größeres Thema geworden seien. Rheinland-Pfalz sei wegen seines seit zehn Jahren bestehenden Konzeptes für barrierefreien Tourismus Vorbild für andere Bundesländer.

Matthias Rösch, Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen, sagte, die Praxis habe gezeigt, dass Beteiligungsprojekte mit Behindertenverbänden beim Abbau von Barrieren besonders hilfreich seien. Aktuell sei man auf gutem Weg ein Grundlevel an Barrierefreiheit zu erreichen, etwa bei Reisen mit der Bahn. Um bessere Rahmenbedingungen in Deutschland zu schaffen brauche es aber ein allgemeines Gleichbehandlungsgesetz. Er wies darauf hin, dass barrierefreie Haltestellen derzeit im Land katalogisiert würden. Ziel sei ein barrierefreier ÖPNV bis 2022.
Ein zweiter inhaltlicher Block der Anhörung befasste sich mit dem Thema „EU-Förderprogramme zur Tourismusfinanzierung“ in Rheinland-Pfalz.

Studie analysiert Strukturen

Ebenfalls auf der Tagesordnung stand die Auswertung einer Anhörung vom April dieses Jahres zu den Strukturen des Tourismus. Staatssekretärin Daniela Schmitt sieht im Tourismus insbesondere durch die Digitalisierung besondere Potenziale. Das Land habe in diesem Sommer eine Studie in Auftrag gegeben, welche die Strukturen auf allen drei Ebenen des Tourismus, also auf Landes-, Regions- und Ortsebene, optimieren soll. Auch ein Vergleich mit anderen Ländern soll einbezogen werden. Im ersten Quartal 2020 sollen die Ergebnisse vorliegen, teile Daniela Schmitt den Abgeordneten mit.
Nina Klinkel (SPD) begrüßte die Durchführung einer solchen Studie. Sie nahm aus der Expertenanhörung insbesondere mit, dass touristische Einheiten sich weniger an Kreisgrenzen, sondern an anderen Faktoren orientieren sollten wie beispielsweise an der landschaftlichen Homogenität. Auch Alexander Licht (CDU) unterstützt die Studie, um Lösungen auf einem Wachstumsmarkt zu finden. Für Martin Louis Schmidt (AfD) stehen für den Tourismus in Rheinland-Pfalz deutlich zu wenig Mittel zur Verfügung. Helga Lerch (FDP) betonte, dass es hierzulande im Tourismus festgefahrene und zu kleinteilige Strukturen gebe. Als positives Beispiel nannte sie das 200-jährige Jubiläum Rheinhessens als ein „Label, das funktioniert hat“.

Aus Sicht von Jutta Blatzheim-Roegler (Bündnis 90/Die Grünen) habe die Anhörung deutlich gemacht, dass sich die zentrale Frage auf die Struktur des Tourismus bezieht und es zielführend sei, Kräfte zu bündeln. Der vor kurzem erfolgte Austausch mit einer Delegation aus Südtirol habe ihr gezeigt, dass insbesondere auf die Qualität und die Kapazität im Tourismus geachtet werden sollte. Ein „Overtourism“, also ein regelrechtes Überlaufen von touristischen Zielen, sei zu vermeiden.    
Die nächste Sitzung der Enquete-Kommission wird am 27. September stattfinden. Die Auswertung der aktuellen Anhörung soll in der Sitzung am 29. November 2019 erfolgen. In dieser Sitzung soll eine weitere Anhörung zum Thema „Herausforderungen im Auslandsmarketing“ durchgeführt werden.