Psychosoziale Notfallversorgung und Risikokommunikation

Wie kann vor und während Katastrophen besser informiert und gewarnt werden? Und wie kann die psychosoziale Notfallversorgung verbessert werden? Mit diesen Fragen befasste sich die Enquete-Kommission „Zukunftsstrategien zur Katastrophenvorsorge“ des Landtags in ihrer Sitzung Mitte Januar.

Die EK hörte hierzu mehrere Experten zu den drei Themenblöcken „Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen“, „Psychosoziale Notfallversorgung“ und „Risikokommunikation und Sensibilisierung“ an.

Innenstaatssekretär Randolf Stich betonte die gestiegene Bedeutung der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV). Die Flutkatastrophe im Ahrtal habe im Zusammenhang mit der Anzahl an Betroffenen, Einsatzkräften und der Dauer des Einsatzes den größten PSNV-Einsatz in Rheinland-Pfalz seit dem 2. Weltkrieg nach sich gezogen. Es müsse nun insbesondere darum gehen, die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern zu optimieren beispielsweise durch ein gemeinsames Kompetenzzentrum Bevölkerungsschutz. Auch müssten auf Ebene der Kommunen die Fähigkeiten zum Selbstschutz und zur Selbsthilfe gestärkt werden.

Wie kann die Psychosoziale Notfallversorgung verbessert werden?

Anke Sattler von der Psychosozialen Notfallversorgung, Malteser Hilfsdienst e.V. erläuterte, dass die PSNV zwar im Brand- und Katastrophenschutzgesetz des Landes vorgesehen, die konkrete Ausgestaltung aber den Kommunen überlassen sei. Dies führe bei größeren Katastrophen jedoch zu unterschiedlichsten fachlichen Strukturen vor Ort. Notfallhilfe werde neben Hilfsorganisationen, Kirchen, Vereinen und auch von losen Zusammenschlüssen geleistet.

Aus Sicht von Jürgen Larisch, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur im Eifelkreis Bitburg-Prüm, sei es wichtig, Rahmenempfehlungen oder auch eine genaue Definition der Aufgaben zu entwickeln. Es brauche unter anderem auch gemeinsame Alarmierungsmöglichkeiten, einheitliche Ausbildung, Qualifizierung und Kleidung der PSNV-Kräfte.

Peter Schüßler von der Feuerwehr- und Katastrophenschutzakademie Rheinland-Pfalz forderte, dass der Landesbeirat PSNV wieder ins Leben gerufen werden müsse. Dieser solle unter anderem Konzepte zur PSNV bei Großschadenslagen erstellen und Organisationen und Schulungen zertifizieren. Man brauche bei Großschadenslagen insbesondere auch eine einheitliche Hotline-Rufnummer für die Bevölkerung.

Wie besser kommunizieren in der Krise?

Professor Hermann Schröder, Abteilungsleiter Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement im Innenministerium von Baden-Württemberg, wies darauf hin, dass sich die Einsatzlagen durch Klimawandel, Pandemie, neue globale Sicherheitslagen und technologischen Entwicklungen stark verändert hätten. Er betonte, dass Bevölkerungsschutz eine Gemeinschaftsaufgabe von Bürgern, Wirtschaft und Politik sei. Er regte an, das vorbeugende Risiko-Management stärker in den Blick zu nehmen und „Risiko-Manager“ in Behörden zu etablieren. Diese könnten Vorhaben und Initiativen bereits im Vorfeld auf mögliche Risiken analysieren, beispielsweise bei der Ausweisung von Neubaugebieten.

Aus Niederösterreich zugeschaltet waren bei der Sitzung Christoph Kainz, Präsident des Niederösterreichischen Zivilschutzverbandes sowie Stefan Kreuzer, Abteilungsleiter Feuerwehr und Zivilschutz bei der Niederösterreichischen Landesregierung. Dort würden regelmäßige Sirenen-Testungen und Katastrophenschutz-Schulungen der Bevölkerung stattfinden.

Professor Ortwin Renn, Direktor des Institute for Advanced Sustainability Studies e.V. (IASS), verwies auf die neuen Herausforderungen in der Krisenkommunikation. So konkurriere die behördliche Kommunikation mit anderen Quellen wie Social-Media-Kanälen, und es komme zu verschiedenen Wahrnehmungs-Verzerrungen wodurch Botschaften falsch verstanden werden können. Krisenkommunikation müsse für alle zugänglich, lokal fokussiert, verständlich und eindeutig sein. Und es müsste klar und konkret kommuniziert werden, wie sich die Bevölkerung im Krisenfall verhalten solle.

Marc Jan Eumann, Direktor der Medienanstalt Rheinland-Pfalz, ergänzte, dass ein crossmedialer Ansatz verfolgt werden müsse. Hierzu gehöre die Einbindung von Sirenen, den Massenmedien, Social Media aber auch das so genannte „Cell Broadcasting“, bei welchem Warnmeldungen direkt per SMS auf alle Handys in einer bestimmten Funkzelle gesendet werden.

In ihrer nächsten Sitzung am 15. Februar 2022 will die EK die gewonnenen Erkenntnisse auswerten.