Das System Tourismus neu aufstellen

Die Optimierung des „System Tourismus“ ist eines der zentralen Themenkomplexe im Arbeitsplan der Enquete-Kommission „Tourismus“ und zentrales Element im Rahmen der Umsetzung der Tourismusstrategie Rheinland-Pfalz 2025. In der jüngsten Sitzung der Kommission Ende Mai wurde ein von der Landesregierung hierzu in Auftrag gegebenes Gutachten vorgestellt.

Tourismus-Staatssekretärin Daniela Schmitt hob einleitend hervor, es sei erklärtes Ziel der Landesregierung und der Partner im Tourismus, das „System Tourismus“ im Land neu aufzustellen. Das nun vorliegende Gutachten sei ein zentraler Baustein hierfür. Eine Analyse der Aufgaben, der Strukturen der Zusammenarbeit und Organisation im Drei-Ebenen-System des Tourismus (Land/Regionen/Ortsebene) in Rheinland-Pfalz, auch im Vergleich mit anderen Bundesländern, sei im Rahmen des Gutachtens vorgenommen worden. Es wurde unter anderem eine Online-Befragung der touristischen Akteure durchgeführt und eine Analyse, wo man im Vergleich zu anderen Bundesländern stehe. Staatssekretärin Daniela Schmitt betonte, für grundlegende Veränderungen in bestehenden Strukturen brauche es ein großes Miteinander aller Beteiligten in einem weiterhin breit angelegten Diskussionsprozess. Im aktuellen Meinungsbildungsprozess gelte es, die Ergebnisse und Empfehlungen sorgfältig zu analysieren und mit der Branche gemeinsam in die Diskussion zu gehen.

Zu wenig Geld vor Ort für Marketing

Cornelius Obier und Peter Kowalski von „Project M“ GmbH aus Hamburg und Saint Elmo’s Tourismusmarketing GmbH aus München, die den Auftrag für das Gutachten erhielten, führten aus, dass die durchgeführten Erhebungen eine große Heterogenität ergäben, welche die erforderliche Tourismusentwicklung im ganzen Land nahezu unmöglich mache. Auf lokaler Ebene verfügten Orte lediglich über ein jährliches Gesamtbudget von 7.000 Euro. Mit einem solchen Budget seien die Anforderungen im Marketing und im Management kaum möglich. Demgegenüber stünden finanziell starke Orte wie Trier oder Koblenz. Dies zeige deutlich die große Herausforderung, überhaupt strukturiert Tourismusentwicklung betreiben zu können. Auch für die Marktforschung werde auf lokaler Ebene wenig Geld ausgegeben. Insbesondere auch auf der regionalen Ebene zeige sich die große Herausforderung, diese wettbewerbsfähig aufzustellen. Auch hier schwankten die Budgets und Ressourcen erheblich. Die Analyse zeige, dass nur ein gutes Drittel der regionalen Tourismusorganisationen (DMOs) wettbewerbsfähig aufgestellt seien. Gegenwärtig seien lediglich die Eifel, die Mosel und das Ahrtal als regionale DMOs hinreichend wettbewerbsfähig.

Mehr interkommunale Kooperation

Alle Gutachter seien sich aber einig, dass das drei-Ebenen-Modell weiterhin das richtige touristische System für Rheinland-Pfalz sei, allerdings mit deutlich stärkerer Bündelung und wirkungsvollerer Ausstattung der Strukturen. Es sei eine wesentlich stärkere Einbindung der funktionalen Partner ins System Tourismus erforderlich, verbunden mit der Übernahme wichtiger Management- und Entwicklungsaufgaben. Auf der lokalen Ebene empfehlen die Gutachter eine deutliche Intensivierung des Prozesses zur Bildung von Tourismus-Service-Centern (TSC) als interkommunale touristische Kooperationen: Städte, Verbandsgemeinden und Gemeinden, die alleine nicht über hinreichende Ressourcen verfügten, sollten ihre verfügbaren Ressourcen bündeln und professionalisieren. Für die Strukturen auf der lokalen wie auch regionalen Ebene definiert das Gutachten Mindestanforderungen. Im Hinblick auf zu kleinteilige regionale DMOs werde angeraten, diese über einen mehrjährigen systematischen Weiterentwicklungsprozess zu stärken. Die Zusammenarbeit zwischen den regionalen DMO und der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH (RPT) habe gute Ansätze, insbesondere im Bereich Digitalisierung und Datenmanagement und sollten umfassend gestärkt werden.

Empfehlung: Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH in Landeshand geben

Die Betrachtung der Landesebene zeige gegenwärtig die RPT als Koordinierungs- und Bündelungsorganisation der vielfältigen Interessen und Ansprüche im Land. Die Gesellschafter-Struktur sei aktuell auf das Ausbalancieren der Akteure des Tourismussystems ausgelegt. Weiterhin existierten latente und teils offene Konfliktsituationen auf Gesellschafter- und Entscheidungsebene. Hinsichtlich der strategischen Entwicklung gemäß der Tourismusstrategie 2025 könne die RPT laut Gutachter nicht hinreichend genutzt werden. Eine Veränderung der Aufgaben, internen Strukturen und Gesellschafterstrukturen der RPT sei notwendig. Hier werde die Weiterentwicklung der RPT zur autarken Landesmarketingorganisation als 100-prozentige Tochter des Landes empfohlen. DEHOGA-Präsident Gereon Haumann sagte, dass eine reine Veränderung der Gesellschafterstruktur der RPT nicht zielführend sei. Wie IHK-Geschäftsführer Albrecht Ehses plädierte er für die gemeinsame Erarbeitung eines Konzepts für die RPT, das sowohl eine Landesbeteiligung sicherstelle als auch die Wirtschaft berücksichtige.

Mehr und einheitliche Digitalisierung

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Gutachtens ist das Thema digitale Transformation und die Möglichkeit, auf allen Ebenen überhaupt digital markt- und wettbewerbsfähig agieren zu können. Zwei Aspekte seien laut den Autoren zentral: der Aufbau eines gemeinsamen Systems und eine einheitliche Datenmanagement-Strategie. Die Führung soll laut Gutachten die RPT übernehmen und zur Digitalisierungskompetenz in Rheinland-Pfalz weiterentwickelt werden. Michael Wagner (CDU) zeigte sich erschrocken über die schlechte Note, die das Gutachten im Hinblick auf die digitale Kompetenz vergebe. Sven Teuber (SPD) sagte, es gebe immer noch viele Betriebe in Rheinland-Pfalz, die nicht digital zu erreichen seien. Der Tourismus in Rheinland-Pfalz schwebe derzeit in der Gefahr, aufgrund seiner nicht ausreichend funktionsfähigen digitalen Infrastruktur abgehängt zu werden. Jutta Blatzheim-Roegler (Bündnis 90/Die Grünen) erkundigte sich in diesem Zusammenhang, inwiefern eine flächendeckende Qualifizierung der Betriebe möglich sei oder ob alternativ durch Vorgaben die erforderliche digitale Sichtbarkeit im touristischen Markt erreicht werden könne. Steven Wink (FDP) sagte, die Studie belege, dass Synergien geschaffen werden müssten, um personelle und finanzielle Ressourcen besser zu nutzen.