Mehr Demokratie und Digitalisierung in Schulen

Das Landesgesetz zur Änderung des Schulgesetzes, der Schulwahlordnung und von Schulordnungen war einziger Tagesordnungspunkt einer Anhörung von Bildungsexperten im jüngsten Bildungsausschuss. Insbesondere die Ausweitung der Beteiligungsmöglichkeiten und die Digitalisierung standen im Mittelpunkt der Diskussionen.

Im Hinblick auf die derzeitigen Behelfssituationen, wie sie aktuell an vielen Schulen im Land vorherrschten, sprach sich Carsten René Beul vom Landeselternbeirat dafür aus, gesetzlich sicher zu stellen, dass Schüler Zugang zu Lernmitteln erhielten. Dazu gehörten auch digitale Werke, Endgeräte und Software. Auch dürfe die technische Ausstattung einer Schule nicht von der Finanzstärke des Schulträgers abhängen. Gerade aktuell werde deutlich, dass es beispielsweise wenige Programme zur Durchführung von Videokonferenzen gebe, was derzeit einen Spagat erfordere zwischen Präsenzunterricht und Unterricht für all diejenigen, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen könnten.

Technische Unterstützung für Schulen

Lucas Fomsgaard von der Landesschülervertretung (LSV) zeigte sich erfreut über die Aufnahme der Digitalisierung in den Gesetzentwurf. Allerding müsse sowohl die Qualität des Unterrichts garantiert als auch ein Recht auf ausreichende Fortbildungsmöglichkeiten im Bereich Medienkompetenz für die Lehrkräfte geschaffen werden. Laut Gesetzentwurf werde die Nutzung digitaler Lehr- und Lernsysteme regulärer Bestandteil der Erziehungs- und Unterrichtsarbeit. Hierzu forderte Cornelia Schwartz vom Philologenverband Rheinland-Pfalz die Schaffung der infrastrukturellen Voraussetzungen und technische Unterstützung. Des Weiteren könne es nicht weiterhin so sein, dass man eine Unterrichtsstunde immer doppelt planen müsse: einmal für den Fall, dass die Technik läuft und einmal für den Fall, dass sie nicht läuft. Auch sei es laut Schwartz nicht sinnvoll, alle Schüler aller Altersklassen gleichermaßen vor Computern zu unterrichten. Entwicklungspsychologische und pädiatrische Erkenntnisse müssten hier berücksichtigt werden.

Auch Lars Lamowski vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) warb in seiner Stellungnahme mit Nachdruck für die Bereitstellung der entsprechenden finanziellen Mittel, um digitale Lehr- und Lernsysteme sowie Netzwerke als reguläre Bestandteile im Unterricht vorzuhalten. Auch sprach sich Lamowski in Bezug auf den Digitalpakt für einen Abbau bürokratischer Hemmnisse aus. Breitbandanschluss, ausreichende Kapazitäten und technische IT-Hilfsmittel in jedem Klassenraum seien unbedingt erforderlich.

Paritätisches Schulparlament gefordert

Ein zweiter großer Themenblock beschäftigte sich mit erweiterten Möglichkeiten der Beteiligung und Mitbestimmung. Von der LSV erläuterten Jean Matthias Dilg und Lucas Fomsgaard die Hauptforderung der LSV: das Schulparlament. Die Idee sei, in einer größeren Runde mit Lehrkräften, Eltern und Schülern auf Augenhöhe Anliegen zu debattieren und zu beschließen, die das Schulleben betreffen. Die Augenhöhe werde durch die gedrittelt paritätische Besetzung des Gremiums erreicht. Schulparlamente seien nicht nur ein deutlicher Zugewinn an Demokratie, sondern machten den Schulalltag auch bunter. Eines der Hauptziele der Novelle, die Etablierung von Schülervertretungen an allen Schularten, begrüßten die LSV-Vertreter. Auch Lars Lamowski (VBE) unterstützte dies und berichtete von den durchweg positiven Erfahrungen bei der Beteiligung von Grundschülern an Entscheidungen. Hierfür sollten zeitliche Ressourcen im Stundenplan geschaffen werden. FDP-Fraktionsvorsitzende Cornelia Willius-Senzer hakte nach, inwieweit die Mitwirkung Grundschüler überfordern könnte. Laut Matthias Dilg sei eine pädagogische Aufbereitung und eine Erklärung der Zusammenhänge notwendig.

Demokratie früh trainieren

Klaus-Peter Hammer, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und Hans Berkessel von der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik begrüßten das Vorhaben, mit dem Schulgesetz insbesondere die Schülerrechte zu stärken. Der Gesetzentwurf bedeute hinsichtlich der Demokratisierung einen wirklichen Schritt nach vorne, so Hans Berkessel. Klaus-Peter Hammer machte Mut für mehr Zutrauen in ein Mehr an Demokratie und sagte, es lohne sich, Partizipation früh zu trainieren. Demgegenüber verwies Cornelia Schwartz auf die hochkomplexe Organisationsstruktur des Systems Schule, in dem eine kleine Änderung oft viele Änderungen nach sich ziehe. Es sei der große Überblick notwendig über die Bedingungen für Schüler- und Lehrerstundenpläne, Anzahl der Lehrkräfte, der Klassen, Kurse, Schichtbetrieb in der Mensa, AGs und vieles andere mehr, um kompetent entscheiden zu können. Zudem sei ein höheres Maß an schulischer Demokratie mit höheren Kosten verbunden, beispielsweise durch Entlastungsstunden für Lehrkräfte. Auch aus Sicht von Helga Lerch (fraktionslos) sei Zeit auf jeden Fall ein ganz wichtiges Element. Die Stundentafel dürfe nicht dafür herhalten, irgendwo etwas herauszuquetschen, damit dem zu Recht bestehenden Anspruch auf Partizipation entsprochen werden könne. Bettina Brück (SPD) sagte es gehe vor allem auch darum, besser zu erklären, warum manche Entscheidung zustande gekommen sei.