Landtag gedenkt im Rahmen einer Sondersitzung

Seit über zwei Jahrzehnten erinnert der rheinland-pfälzische Landtag am 27. Januar im Rahmen einer Sondersitzung an die Opfer des Nationalsozialismus. Aufgrund der Corona-Pandemie kann dieses Gedenken leider auch in diesem Jahr nur mit verkleinertem Publikum stattfinden. Die Veranstaltung wird ab 10:30 Uhr über die Website des Landtags unter www.landtag.rlp.de sowie über den Facebook und YouTube-Kanal des Landtags übertragen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht der Bericht der Zeitzeugin der französischen Anthropologin Monique Levi-Strauss.

Landtagspräsident Hendrik Hering und Ministerpräsidentin Malu Dreyer werden Ansprachen halten. Für einen Videobeitrag haben sich Abiturientinnen und Abiturienten des Regino-Gymnasiums in Prüm in der früheren Schule von Monique Levi-Strauss auf Spurensuche nach der ehemaligen Abiturientin begeben und lassen das Publikum teilhaben an ihren Gedanken und Fragen an die Zeitzeugin. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von der israelischen Mezzosopranistin Shai Terry, Stipendiatin der Anni Eisler-Lehmann Stiftung Mainz. Zurzeit studiert sie an der Hochschule für Musik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Sie wird am Klavier begleitet von André Röll.

Zur Person: Monique Levi-Straus
Geboren als Monique Roman 1926 in Belgien, lebt die Witwe des bekannten Soziologen heute in Paris. In ihrem 2021 auf Deutsch erschienenen Buch „Im Rachen des Wolfes“ schildert sie den Wahnsinn des NS-Regimes aus der Perspektive einer jüdischen Jugendlichen, die im Alter von 13 bis 19 Jahren in Nazi-Deutschland lebte. Allen Widrigkeiten zum Trotz konnte sie in Prüm in der Eifel – dem heutigen Regino-Gymnasium, ihr Abitur machen und musste als Praktikantin im Krankenhaus in Weimar erleben, wie hunderten französischen Häftlingen des nahen Konzentrationslagers Buchenwald die lebensrettende medizinische Versorgung verweigert wurde. Währenddessen wartete Moniques Familie, versteckt in den Weinbergen bei Bingen, auf die Befreiung durch die Alliierten. Vom Kriegswahnsinn bis zur Aussöhnung mit den Deutschen: Die Lebensgeschichte von Monique Lévi-Strauss ist zugleich ein ergreifendes Dokument der Geschichte Deutschlands und der Aussöhnung mit der Vergangenheit.

Hintergrund:
Seit über zwei Jahrzehnten erinnert der rheinland-pfälzische Landtag am 27. Januar an die Opfer des Nationalsozialismus. Die erste Sondersitzung des Landtags fand 1998 in der damals neu eingerichteten „Gedenkstätte ehemaliges KZ Osthofen“ statt. Damit gehört der Landtag Rheinland-Pfalz zu den ersten Landesparlamenten in Deutschland, welcher die Anregung des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog von 1996 aufgriffen hatte und den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz als Gedenktag begeht.