Im Rausch der Kunst

Mit der Ausstellung „Rausch – Unter Einfluss von kUNSt“ der Absolventen des Alzeyer Landeskunstgymnasiums ist die Reihe Kunst im Landtag in diesem Jahr eröffnet worden. Die Beiträge der Abiturienten umfassen Malereien und Grafiken, aber auch Video-Performances und Animationsfilme. Es handelt sich um die erste von insgesamt fünf Kunstausstellungen, die zum Auftakt der neuen 20-er Jahre im Abgeordnetenhaus gezeigt werden.

Im Sommer feiert das Landeskunstgymnasium Rheinland-Pfalz in Alzey sein 10-jähriges Bestehen. Zum Auftakt des Jubiläumsjahres zeigen die Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs Ausschnitte ihrer kreativen Entwicklung der vergangenen drei Jahre. Der Titel „Rausch – Unter Einfluss von kUNSt“ beschreibt dabei auf satirische Art und Weise die Beziehung zur Kunst, das berauschende Gefühl, welches die jungen Künstlerinnen und Künstler bei der eigenen Gestaltung ihrer Werke empfunden haben. Der Betrachter selbst soll nun diesen „Rausch“ durch die Kunstschaffenden erfahren.


Landtagsvizepräsident Hans-Josef Bracht knüpfte in seinem Grußwort zur Ausstellungseröffnung an die 20-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts an. „Die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren geprägt vom Aufbruch zu neuen künstlerischen Ausdrucksformen“. Man denke dabei an die „Neue Sachlichkeit“ oder das „Bauhaus“. Die Ausstellung zeige, dass es auch in den 20er-Jahren dieses Jahrhunderts viele gute Ideen und neue Motive gebe, die geprägt sind vom „jugendlichen Schwung“ der Künstlerinnen und Künstler, lobte Hans-Josef Bracht.  
 

Erst bejubelt, dann „entartet“


Neben der Kunst habe auch in der Politik der 1920er-Jahre etwas Neues begonnen. Mit der Weimarer Republik sei die erste parlamentarische Demokratie in Deutschland entstanden. „Doch Weimar war nicht von langer Dauer, es war eine Demokratie ohne Demokraten“, sagte der Landtagsvizepräsident. Die Nationalsozialisten führten Weimar, Deutschland und die Welt in den Abgrund von Vernichtung und Krieg. Auch Künstlerinnen und Künstler, die dem Regime nicht genehm waren, seien von Verfolgung betroffen gewesen. „Was in den goldenen 20er-Jahren noch bejubelt wurde, galt in der NS-Diktatur als ‚entartet’, Bilder und Skulpturen wurden zerstört, Künstler enteignet“, erklärte der Landtagsvizepräsident.


Heute sei es wieder möglich, Kunst vielfältig und in Freiheit zu schaffen. Aus den Arbeiten der Abiturienten werde deutlich, dass Freiheit etwas ist, das jeder Einzelne sehr schätze. „Dass wir seit fast 75 Jahren in Freiheit und Frieden leben, ist keine Selbstverständlichkeit“, betonte Hans-Josef Bracht. Diese Freiheit beruhe darauf, dass es Menschen gebe, die sich für die parlamentarische Demokratie begeisterten und an ihr mitwirkten. „Deshalb möchte ich Sie gerade hier im Foyer des Abgeordnetenhauses ermutigen: Bringen Sie sich auch nach dem Abitur weiter ein für ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft und nutzen Sie die Freiheit, die Sie bald haben werden“, rief Hans-Josef Bracht die jungen Künstlerinnen und Künstler auf.
 
Die Ausstellung ist vom 13. Februar bis 4. März 2020 täglich außer an Wochenenden, Rosenmontag und Fastnachtsdienstag von 8 Uhr bis 17 Uhr im Foyer des Abgeordnetenhauses, Kaiser-Friedrich-Straße 3, 55116 Mainz zu sehen.