Hebammenzentralen sollen ausgebaut werden

Im September-Plenum hat der rheinland-pfälzische Landtag in der Aussprache zu einer Großen Anfrage der SPD-Fraktion die aktuelle Situation der Geburtshilfe und der Hebammenwissenschaft in Rheinland-Pfalz diskutiert. Die Hebammenzentralen sollen ausgebaut werden.

Gesundheitsminister Clemens Hoch sagte, Rheinland-Pfalz wolle das Netz von bislang drei Hebammenzentralen weiter ausbauen. Dafür stelle das Land erhebliche Fördermittel bereit und werde weitere Zentralen unterstützen. In der Antwort des Ministeriums auf die Große Anfrage der SPD heißt es, dass seit 2017 in Rheinland-Pfalz in sechs Kliniken die Abteilungen für Geburtshilfe geschlossen wurden. Trotz der Konzentration der Geburtshilfe sei aber „die Erreichbarkeit der Geburtshilfen in vertretbarer Fahrzeit auch in ländlichen Regionen weiterhin sichergestellt“. Eine Geburtshilfestation mit 400 Geburten im Jahr sei nach den gegenwärtigen Vergütungsmaßstäben des Bundes nicht profitabel zu betreiben, erläuterte Hoch. Dies sei nur über die Quersubventionierung mit anderen klinischen Bereichen möglich.

Torsten Welling (CDU) zeigte sich weniger optimistisch. Der Fortbestand geburtshilflicher Stationen sei weiter gefährdet, nachdem seit 1990 die Hälfte davon im Land geschlossen worden seien. Jetzt dürfe es keine weitere Aushöhlung der Versorgung in Rheinland-Pfalz – und hier ganz besonders im ländlichen Raum – geben. Unterstützung seiner Fraktion signalisierte Welling für das Vorhaben, das Netz von Hebammenzentralen zu erweitern. Eine Steigerung der Studienplatzzahlen kommt für die Fraktion der CDU fünf Jahre zu spät. Oliver Kusch (SPD) sagte, dass seit 1968 die Geburtskosten von den Krankenkassen gezahlt würden, was mit dazu geführt habe, dass seither die Zahl der Hausgeburten massiv abgenommen habe. Demgegenüber hätten die Kaiserschnittgeburten deutlich zugenommen und machten mittlerweile ein Drittel der Geburten aus. Aus diesem Grund beschränkten sich Hebammen zunehmend auf Geburtsvorbereitung und Wochenbettbetreuung. Untersuchungen hätten zudem gezeigt, dass eine gute Hebammenbetreuung zu weniger Fehlgeburten, weniger medizinischen Eingriffen während der Geburt und damit zu kürzeren Krankenhausaufenthalten führen würden.

Bessere Ausbildungsmöglichkeiten und Bezahlung für Hebammen

Eine bessere Vergütung natürlicher Geburten forderte Lisett Stuppy (Bündnis 90/Die Grünen). Es sei nicht hinnehmbar, dass die Betreuung werdender Mütter ohne die Notwendigkeit eines medizinischen Eingriffs von den Kliniken nicht ausreichend vergütet würde. Hebammen benötigten umfassendes Wissen über medizinische und hochkomplexe Vorgänge, weshalb die Ausweitung der Studienmöglichkeiten wie auch die Erhöhung der Studienplätze ausdrücklich zu begrüßen seien. Weitere Schließungen von Geburtshilfestationen müssten unbedingt vermieden werden. Dass nach 2018 in Rheinland-Pfalz lediglich eine Geburtshilfestation in Trier-Ehrang – und das aufgrund von Hochwasserschäden im Sommer 2021 – geschlossen habe, begrüßt Martin Louis Schmitt (AfD) ausdrücklich. Allerdings habe es seit dem Jahr 2012 insgesamt 13 Schließungen gegeben. Der Trend, Geburtshilfestationen zu schließen, scheine sich für den Moment zumindest nicht fortzusetzen. Die Ausweitung von Hebammenzentralen werde begrüßt, jedoch ersetzten sie keine Geburtshilfestationen.

Steven Wink (FDP) betonte die Notwendigkeit einer 1:1-Betreuung während der Geburt. Die Frage der Finanzierung von Hebammen, aber auch die Rechtssicherheit der Haftpflichtversicherung stellten Schwierigkeiten dar, denen begegnet werden müssten, um die Geburtshilfeversorgung in Rheinland-Pfalz und besonders im ländlichen Raum zu stärken. Patrick Kuhn (FREIE WÄHLER) kritisierte, dass man Hebammen trotz umfassender beruflicher Kompetenz offenbar nicht zutraue, eine Geburtsstation zu leiten, und gleichzeitig vonseiten der Kliniken keine Bestrebungen bestünden, hebammengeleitete Geburtshilfestationen zu eröffnen. Rheinland-Pfalz könne seine Verantwortung bei der Geburtshilfe auch nicht nur auf die Krankenhäuser abwälzen. Zu begrüßen sei die Erhöhung der Anzahl an Studienplätzen in den kommenden Jahren.

Hintergrund:

Nach Angabe des Ministeriums gibt es zurzeit drei Hebammenzentralen in Rheinland-Pfalz, die unter anderem Hebammen vermitteln, ambulante Dienste bereitstellen, Familien beraten und Kurse zur Geburtsvorbereitung anbieten. Standorte sind Daun, Trier und seit diesem Jahr auch Mainz. Die Landesregierung unterstütze die Hebammenzentralen mit originären Landesmitteln von derzeit mindestens 30.000 Euro pro Kalenderjahr. Aus dem Norden des Landes liege nach Angaben des Ministeriums bereits eine Anfrage für die Gründung einer weiteren Hebammenzentrale vor.

Mit dem vor einem Jahr eingerichteten Studiengang Hebammenwissenschaften an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen habe das Land die Umsetzung des Hebammengesetzes eingeleitet, das ein duales Hochschulstudium vorsieht. Die Zahl der Studienplätze solle in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden, kündigte das Gesundheitsministerium in seiner Antwort an. Zum Wintersemester 2023/24 sei auch ein Studiengang an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz geplant.