Grenzüberschreitende Kooperation im Herzen Europas

Seit fast 35 Jahren sind Abgeordnete des rheinland-pfälzischen Landtags im Interregionalen Parlamentarierrat (IPR) tätig. Das Gremium bringt gewählte politische Vertreter der benachbarten Regionen Rheinland-Pfalz, Saarland, Lothringen und Wallonie zusammen. Seit 2007 gehören auch die französische sowie die deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens dazu. Gemeinsam bilden die Regionen die sogenannte Großregion, mit 11,6 Millionen Menschen.

Gegründet wurde der IPR im Jahr 1986 durch die Präsidenten der Parlamente der einzelnen Teilregionen. Ziel war es, durch eine enge Zusammenarbeit im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereichen die Rolle der Großregion zu stärken. Rheinland-Pfalz ist mit rund vier Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Teilregion.
Vielen ist das Gremium kaum bekannt, obwohl es eine bedeutende Rolle für den Alltag der Menschen, die in der Großregion leben, spielt. In fünf Fachkommissionen, die in regelmäßigen Abständen tagen, werden  Lösungen für die vielfältigen Herausforderungen erarbeitet, die sich in einer Region stellen, die einerseits von nationalen Grenzen durchzogen, andererseits jedoch sehr eng verwoben ist. 

Empfehlungen für EU und nationale Regierungen

Zweimal jährlich finden Vollversammlungen des Gremiums, die sogenannten Plenarsitzungen, statt. Auf diesen Sitzungen werden als Ergebnis der Arbeit der Fachkommissionen Empfehlungen verabschiedet, die sich an die nationalen Regierungen aber auch an die Europäische Ebene richten. Sie betreffen nahezu alle Lebensbereiche: So setzt sich der IPR beispielsweise für gute Bahnverbindungen zwischen den einzelnen Regionen ein, damit die täglich etwa 240.500 Menschen, die beruflich über die Grenzen pendeln, ihren Arbeitsplatz erreichen können. Auch in Bereichen wie Arbeitsmarkt, Spracherwerb der Nachbarregion, Umweltschutz und Tourismus finden sich zahlreiche Themenfelder, in denen eine enge und abgestimmte Zusammenarbeit zwischen den Regionen Vorteile bietet. 

Solidarität – auch während Corona

Wie eng die Regionen nach vielen Jahren der erfolgreichen politischen Zusammenarbeit miteinander verbunden sind, wurde in diesem Frühjahr besonders deutlich als es im Zusammenhang mit der Covid-Pandemie kurzfristig zu Grenzschließungen kam. Die Menschen in der Grenzregion, deren Leben sich normalerweise über die nationalen Grenzen hinweg abspielt, wurden von den Einschränkungen besonders stark getroffen. Der IPR setzte sich in dieser Zeit daher mit Nachdruck für rasche und vertretbare Lösungen zur Rückkehr zu offenen Grenzen ein. 


Auch in Zukunft wird der IPR eine wichtige Rolle dabei spielen, die  Anliegen der Einwohner der Großregion auf die politische Agenda zu setzen und an Lösungen für die vielfältigen Herausforderungen in dieser ganz besonderen Region im Herzen Europas zu arbeiten.