Gastronomie und Hotels öffnen wieder

Die Enquete-Kommission „Tourismus“ des Landtags hat sich in einer Sondersitzung per Videokonferenz am vergangenen Freitag mit Experten über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Tourismus im Land ausgetauscht. Licht und Schatten wechselten sich dabei ab. Staatssekretärin Daniela Schmitt freute sich, dass die Gastronomie unter Einhaltung von Hygienevorschriften am 13. Mai und die Hotellerie ab dem 18. Mai wieder öffnen könnten. Vielfach wurden konkrete Perspektiven für die Betriebe gefordert.

Die Corona-Pandemie habe den Tourismus laut Daniela Schmitt über Nacht nahezu in einen Stillstand versetzt. Durch Soforthilfemaßnahmen von Bund und Land konnte insbesondere auch der Tourismusbranche kurzfristig geholfen werden. Sie hält ziel- und passgenaue Hilfen sowie die Schaffung von mittel- und langfristigen Handlungsspielräumen für geboten anstatt pauschalen Förderungen. Wichtig sei vor allem, Unternehmen wieder arbeiten und ihren eigenen Umsatz erwirtschaften zu lassen. Ungeachtet dessen stehe der Gesundheitsschutz über allem. Trotz der Hygieneregeln sollten Gaststätten und Hotels aber auch wieder Gastlichkeit bieten können. Daniela Schmitt sieht in der Krise auch die Chance, dass die Wertschätzung für regionale Betriebe steige. Und Rheinland-Pfalz biete sehr gute Möglichkeiten für einen Sommerurlaub im eigenen Land.      

Alexander Licht (CDU) forderte mehr Gelder für den Tourismus im Land, da im Haushalt ausreichende Rücklagen vorhanden seien und Rheinland-Pfalz bereits vor der Krise bei den Steigerungsraten im Tourismus im Vergleich der Bundesländer zurückgelegen habe. Man müsse nun einen Strategieplan 2021 und nicht erst 2025 entwickeln und sich auf die Stärken im Inland konzentrieren, beispielsweise durch verstärkte Werbung. Auch den Reisebüros müsse geholfen werden. Nina Klinkel (SPD) findet neben den Soforthilfen auch Steuererleichterungen für die Branche wichtig. Auch sie hält eine verstärkte Werbung für die touristischen Vorzüge im Land für notwendig. Aus Sicht von Martin Louis Schmidt (AfD) erfolgten die Öffnungen etwas spät. Er sieht aber in der kommenden Sommer- und Urlaubszeit Kompensationsmöglichkeiten für die Branche. Gefährdet hingegen sieht er Großveranstaltungen, die Festkultur und die Schausteller. Steven Wink (FDP) lehnt die aus seiner Sicht übertriebenen Forderungen nach weiteren öffentlichen Ausgaben als nicht finanzierbar ab. Man befinde sich jetzt in einer Phase, in der die Tourismusstrategie angepasst werden müsse. Jutta Blatzheim-Roegler (Bündnis 90/Die Grünen) findet die schrittweise Öffnung von Gastronomie und Hotellerie richtig, da sich dies unmittelbar an der Entwicklung des Infektionsgeschehens orientiere. Auch ein Kurzarbeitergeld für Azubis sei überlegenswert.    

Perspektiven für Branche schaffen

Als Vertreter der Sachverständigen wies Tourismusforscher Professor Edgar Kreilkamp darauf hin, dass die kritische Phase für die Wirtschaft gerade erst beginne. Problematisch sei, dass es keine längerfristige Perspektive für Betriebe gebe, sie vor der Herausforderung stünden, die Vorgaben des Hygieneplans umzusetzen und aufgrund reduzierter Belegschaft sich auch die Frage stelle, inwieweit eine Öffnung des Betriebs überhaupt wirtschaftlich sei. Die meisten Prognosen gingen davon aus, dass sich eine Normalisierung im Tourismus erst wieder mit dem Ostergeschäft 2021 ergebe. Bis dahin sei mit permanenten Verlusten und Insolvenzen zu rechnen. Eine Lösung sieht Kreilkamp in einem Rettungsfonds des Bundes. In diesem Jahr würde die Tourismusbranche dennoch gut ausgelastet sein, da die meisten Menschen im Inland Urlaub machen wollten. Wichtig sei nun, Szenarien für den Sommer und Herbst zu entwickeln um der Branche konkrete Perspektiven zu schaffen. 

Guido Orthen, stellvertretender Vorsitzender des Tourismus- und Heilbäderverbands Rheinland-Pfalz e.V., forderte erweiterte finanzielle Spielräume von Städten und Gemeinden bei touristischen Ausgaben, um die Infrastruktur vor Ort aufrecht erhalten zu können. Vor allem die Thermen und Heilbäder wie auch die Reha- und Vorsorgekliniken benötigten eine Wiedereinstiegsperspektive. Ebenfalls brauche es einen Fahrplan für Veranstaltungen, Tagungen und Kongresse.

Verstärkte Werbung für Inlandstourismus

Stefan Zindler, Geschäftsführer der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, wie darauf hin, dass man auch in der Krise weiter Werbung für Rheinland-Pfalz gemacht habe. Man wolle jetzt verstärkt und bundesweit wie auch international auf Rheinland-Pfalz als Reiseland mit touristischem Spitzenangebote hinweisen. Dies gelte nicht nur mit Blick auf die Sommerzeit, sondern die Saison solle auch in den Herbst verlängert werden. Auch das durch die Pandemie veränderte Reiseverhalten werde erforscht.

Rettungsfonds für touristische Betriebe und Kommunen

Gereon Haumann, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) in Rheinland-Pfalz, wies darauf hin, dass eine baldige Öffnung von Thermen und Wellnessbereichen insbesondere auch im Wettbewerb mit anderen Destinationen wie Österreich wichtig sei. Je nach Betrieb würde es mal mehr, mal weniger Probleme mit der Umsetzung der Hygieneregeln geben. Ein großes Problem seien die Liquiditätsengpässe vieler Betriebe, die jetzt zwei Monate keinerlei Einnahmen hatten. Rund zwei Milliarden Euro betrage der Umsatzausfall der Branche seit Mitte März. Ein sehr hilfreiches Instrument sei die Kurzarbeit, von der fast alle touristischen Betriebe Gebrauch machten. Aber auch nach der jetzigen Öffnung der Betriebe würden aufgrund der Hygienevorgaben weiter Verluste gemacht. Haumann regte einen Rettungsfonds nach dem Vorbild von Baden-Württemberg an, in dessen Rahmen jeder Betrieb, der aufgrund der Coronakrise vor einer Schließung stehe, 3.000 Euro Zuschuss erhalte plus 2.000 Euro für jede volle Stelle. Zudem forderte er temporär flexible Arbeitszeitmöglichkeiten und steuerliche Erleichterungen.    

Albrecht Ehses, tourismuspolitischer Sprecher der IHK Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz, kritisierte, dass mittelgroße Betriebe im Vergleich zu Kleinbetrieben schlechter finanziell gefördert würden. Auch er forderte konkrete Perspektiven und einen Rettungsfonds von Bund und Land. Man stelle mit Sorge fest, dass Betriebe auch beim Abschluss von neuen Ausbildungsverträgen zurückhaltend seien. Der Ausbildungsstart müsse deshalb in den Herbst verschoben werden, regte Ehses an. Die Krise sei von vielen Betrieben auch für eine verstärkte Digitalisierung genutzt worden.    

Grenzen wieder öffnen

Michael Mätzig, geschäftsführender Direktor des Städtetags Rheinland-Pfalz, berichtete, dass der Tourismus in den Städten in allen Bereichen zum Erliegen gekommen sei. So seien Stadtführungen storniert und Theater geschlossen worden, die Tourismus GmbHs vor Ort machten Kurzarbeit, es gebe keinen Kongress- und Geschäftstourismus mehr, die Kunst- und Kulturszene leide. Dadurch würden in die ohnehin verschuldeten kommunalen Haushalte weitere Löcher gerissen. Er sieht den Städtetourismus auch in Zukunft stark betroffen, da dort normalerweise viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen. Aus seiner Sicht sei es illusorisch, dass die Tourismusumsätze in dieser Saison noch gerettet werden könnten. Er forderte einen kommunalen Rettungsschirm. Wichtig wären jetzt insbesondere verstärkte Marketingmaßnahmen für den Tourismus in den größeren Städten.     

Aus Sicht von Manfred Schnur, Landrat des Landkreises Cochem-Zell und Vertreter des Landkreistages, könne der Deutschland- und Rheinland-Pfalz-Tourismus zum Gewinner werden. Er registrierte eine überraschend gute Stimmung vor Ort, die froh sei, dass es wieder losgehe. Bei der Hygiene dürfe man die Betriebe nicht überfordern. Man brauche nun vor allem auch wieder offene Grenzen und einen freien Reiseverkehr in und von den Nachbarländern. Auch die Jugendherbergen bräuchten Unterstützung.   

Auch Sven Teuber (SPD) und sein CDU Kollege-Alexander Licht plädierten nachdrücklich für eine Öffnung der Grenzen durch den Bund wie auch für ein Bundesprogramm zur Unterstützung des Tourismus. Giorgina Kazungu-Haß sieht bei Veranstaltungen einen Lösungsansatz in der Kombination aus digitalen und Präsenzangeboten. Michael Wagner (CDU) hob die Wichtigkeit der Kultur hervor.