Europäische Erinnerungskultur ausbauen

Bei einer von der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) Rheinland-Pfalz initiierten Griechenland-Reise hat sich Landtagspräsident Hendrik Hering in Athen für einen Ausbau der griechisch-deutschen Erinnerungskultur ausgesprochen.

Als Schirmherr der unter anderem auch im Mainzer Abgeordnetenhaus präsentierten Wanderausstellung „Renato Mordo: jüdisch, griechisch, deutsch zugleich. Ein Künstlerleben im Zeitalter der Extreme“ eröffnete Hendrik Hering Anfang November in der Deutschen Schule in Athen die griechische Fassung der Ausstellung.

Vor allem in Deutschland sei die deutsche Besatzungszeit in Griechenland weitgehend aus dem Bewusstsein verschwunden, sagte Hendrik Hering. „Doch nur wer um das Unrecht von damals weiß, kann das Griechenland von heute verstehen“, so der Landtagspräsident. Dies gelte auch dann, wenn aktuelle politische Entscheidungen für das Land getroffen würden. Landtagspräsident Hendrik Hering bezeichnete die Lebensgeschichte von Renato Mordo als eine Geschichte, die einerseits geprägt war von Verfolgung, Flucht, Folter und Exil. „Andererseits ist es aber auch eine Geschichte von außergewöhnlicher Kraft, von Durchhaltewillen und künstlerischer Berufung“, sagte Hendrik Hering. Renato Mordo sei gelungen, auch im Exil und unter widrigsten Umständen weiterzumachen und an seine künstlerischen Erfolge anzuknüpfen. Ungeachtet dessen teile dieser große Theaterkünstler heute weitgehend das Schicksal von zigtausenden jüdischen Kunstschaffenden, die von der NS-Diktatur verfolgt wurden: Er sei weitgehend vergessen. Es gehöre zum Selbstverständnis aller Demokraten in Deutschland, sich mit den Abgründen unserer Geschichte auseinanderzusetzen. „Wir dürfen und wir wollen nicht zurückfallen in das alte Verschweigen und Verdrängen“, betonte der Landtagspräsident. Die Idee zur Ausstellung entwickelte die Landeszentrale für Politische Bildung Rheinland-Pfalz. Im Mai 2020 übernahm Landtagspräsident Hering die Schirmherrschaft für die Ausstellung. Die Erinnerungskultur bildet einen Schwerpunkt in der Arbeit des rheinland-pfälzischen Landtags. Vor diesem Hintergrund hatte Hendrik Hering eine bundesweite Arbeitsgruppe „Zukunft der Gedenkarbeit“ der Landesparlamente, des Bundestags und Bundesrats angeregt. Rheinland-Pfalz obliegt hier die Federführung.   

Länderübergreifende Erinnerungskultur fördern 

„Als Landtag wollen wir den Fokus unserer Gedenkarbeit künftig auch auf den Aufbau von internationalen Kooperationen in der Erinnerungskultur legen und länderübergreifende Projekte fördern“, betonte Hendrik Hering. Ziel sei es, mit Partnerschaften in Europa in der gemeinsamen Erinnerung an die dunkelsten Kapitel der Geschichte auf regionaler Ebene das Verständnis füreinander in der Gegenwart zu stärken und die europäische Freundschaft zu festigen. Der Wert von Demokratie, Freiheit und europäischer Freundschaft müsse insbesondere jungen Menschen immer wieder vermittelt werden. „In diesem Prozess werden, wenn die Ära der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu Ende geht, zunehmend künstlerische Ausdrucksformen eine stärkere Rolle spielen, wie beispielsweise Musik, Musiktheater und Theater“, sagte Hendrik Hering. Insofern eigne sich die Ausstellung über den Lebensweg Renato Mordos ganz besonders dafür, weil sie vielfältige Anknüpfungspunkte für den Ausbau der griechisch-deutschen Erinnerungskultur biete. 

Neben der Ausstellungseröffnung besuchte der Landtagspräsident auch die Gestapo-Gedenkstätte Korai IV in Athen, führte Gespräche mit Historikerinnen und Historikern sowie mit Schülerinnen und Schülern der Arbeitsgruppe "DSA erinnert - Schülerinnen und Schüler auf der Spurensuche nach der Geschichte ihrer Schule", die die Ausstellungseröffnung und eine szenische Lesung des Theaterstücks über das KZ "Chaidari" vorbereitet hatten. Der Landtag hatte die deutsche Erstveröffentlichung dieses Textes finanziert. Am Rande der Ausstellung bot sich auch die Möglichkeit eines Austauschs mit dem griechischen Vizekulturminister Nikolaos Yatromanolakis sowie mit dem deutschen Botschafter Ernst Reichel. Und schließlich besuchte Hendrik Hering auch den Thementag an der Deutschen Schule Athen mit der Veranstaltung "Memories of the Occupation in Greece (MOG): Das Zeitzeugenarchiv und die Bildungsplattform - neue Wege zur gemeinsamen Erinnerungskultur.“