Einblicke in die Erinnerungskultur in Rheinland-Pfalz

Im Jahr 2021 leben Jüdinnen und Juden nachweislich seit über 17 Jahrhunderten auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands.

Aus diesem Anlass koordiniert und organisiert der Verein „321-2021: 1.700 Jahre jüdisches Leben e.V.“ unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier ein bundesweites Festjahr mit rund 1.000 Veranstaltungen in ganz Deutschland.

Die drei Veranstaltungen der Reihe des Landtags „Jüdisches Leben bei uns. Gestern, heute morgen“ finden im Rahmen dieses Festjahres statt. In zwei Ausstellungen und einem parlamentarischen Abend wird die Jahrhunderte lange deutsch-jüdische Geschichte und jüdisches Leben heute in Rheinland-Pfalz sichtbar und erlebbar. Zugleich setzt der Landtag damit ein deutliches Zeichen gegen den erstarkenden Antisemitismus.

Renato Mordo: jüdisch, griechisch, deutsch zugleich. Ein Künstlerleben im Zeitalter der Extreme

Er gehörte zu den produktivsten und vielseitigsten Theaterkünstlern der Weimarer Republik: Renato Mordo, 1894 in Wien geboren, wirkte unter anderem in Darmstadt und Worms als Regisseur und Theaterleiter. Verfolgt und angefeindet durch das NS-Regime floh Renato Mordo ins Exil nach Prag und Athen, wo er die später weltberühmte Sopranistin Maria Callas entdeckte. Im Zuge der deutschen Besatzung Griechenlands wurde er in das berüchtigte KZ Chaidari verschleppt und überlebte. Nach Stationen in Ankara und Tel Aviv kehrte Renato Mordo 1952 nach Deutschland zurück. Er wurde Oberspielleiter der Oper in Mainz, wo er 1955 verstarb.

Die Ausstellung der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz zeichnet anhand von Original-Dokumenten aus dem Nachlass erstmals Mordos Lebensweg nach. Zugleich beleuchtet sie das in Deutschland wie in Griechenland weitgehend unbekannte Kapitel der deutschen Besatzung Griechenlands in der NS-Zeit: Die Zivilbevölkerung wurde verfolgt, die wirtschaftlichen Ressourcen ausgeplündert und ganze Dörfer ausgelöscht. Dies hatte katastrophale Auswirkungen auf das ganze Land.

Die Ausstellung unter der Schirmherrschaft von Landtagspräsident Hendrik Hering leistet einen Beitrag zum Aufbau einer deutsch-griechischen Erinnerungskultur.

Zeit: 23. September bis 29. Oktober 2021
Ort: Foyer des Abgeordnetenhauses, Kaiser-Friedrich-Str. 3, 55116 Mainz
Veranstaltende: Landtag Rheinland-Pfalz in Kooperation mit der Landeszentrale für Politische Bildung Rheinland-Pfalz

Jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz - Parlamentarischer Kulturabend

Bei dem Parlamentarischen Kulturabend besteht die Möglichkeit, den neuen Rabbiner der jüdischen Gemeinde, Rabbiner Jochanan Guggenheim, kennenzulernen und mit dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz, Dr. Peter Waldmann, ins Gespräch zu kommen.

Musikalisch wird der Abend von der Mezzosopranistin Shai Terry gestaltet, Stipendiatin der Anni-Eisler-Lehmann-Stiftung.

Es handelt sich um eine geschlossene Veranstaltung.

Zeit: 10. November 2021, 17.00 Uhr
Ort: Restaurant Landtag Rheinland-Pfalz, Platz der Mainzer Republik 1, 55116 Mainz
Veranstaltende: Jüdische Gemeinde Mainz in Kooperation mit dem Landtag Rheinland-Pfalz

Shared History - 1.700 Jahre jüdisches Leben im deutschsprachigen Raum

Die Ausstellung des Leo Baeck Institutes New York | Berlin beleuchtet die Shared History, eine gemeinsam geteilte Geschichte, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Geschichte von Jüdinnen und Juden war und ist seit Jahrhunderten tief verwoben mit der Geschichte der Mehrheitsbevölkerung in den Regionen und Ländern dieses Raums. Die Bannerausstellung stellt schlaglichtartig die individuellen und kollektiven Erfahrungen vor, die jüdischen Alltag über Jahrhunderte prägten: Diskriminierung, Ausgrenzung und Entrechtung auf der einen Seite, Akzeptanz, Akkulturation und gesellschaftlicher Aufstieg auf der anderen Seite. Jüdisches Leben ist heute in all seiner Vielfalt wieder ein fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft. Doch wie ein Blick auf die Objekte des Shared History Projekts und deren Geschichten zeigt, ist der Weg dorthin alles andere als einfach gewesen. Er war geprägt von Rückschlägen und Brüchen, aber auch von Zeiten des lebendigen Miteinanders und dynamischen Austausches.Zur Eröffnung spricht die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Miriam Bistrovic, die Berliner Repräsentantin des Leo Baeck Instituts.

Zeit: 30. November 2021 bis 5. Januar 2022, Eröffnung: 30. November 2021, 19.00 Uhr
Ort: Foyer des Abgeordnetenhauses, Kaiser-Friedrich-Str. 3, 55116 Mainz
Veranstaltende: Landtag Rheinland-Pfalz in Kooperation mit dem Leo Baeck Institute – New York | Berlin