Deutsch-französische Ausstellung „Gurs 1940“

Mehr als 6.500 Jüdinnen und Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland wurden im Oktober 1940 nach Südfrankreich deportiert. Es waren die ersten planmäßig organisierten Sammeltransporte von jüdischen Deutschen aus ihrer Heimat. Die Ausstellung „Gurs 1940. Die Deportation und Ermordung der südwestdeutschen Jüdinnen und Juden“ im Abgeordnetenhaus des Landtags Rheinland-Pfalz erinnert an das Schicksal dieser Menschen.

Sie stammten aus Ludwigshafen, Edenkoben, Zweibrücken und 91 weiteren Orten in der Pfalz sowie aus Baden und dem heutigen Saarland. Nach einer drei- bis viertägigen Zugfahrt ohne Verpflegung, Wasser und Toiletten fanden sich im Oktober 1940 tausende Jüdinnen und Juden im südfranzösischen Lager Gurs wieder, am Fuße der Pyrenäen. Die übergroße Mehrheit der Deportierten starb in Gurs oder wurde später in Auschwitz und Sobibor ermordet.

Grenzüberschreitende Erinnerungskultur

Die Ausstellung bildet den Auftakt der Veranstaltungen anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus im Jahr 2022. Landtagspräsident Hendrik Hering betonte bei der Ausstellungseröffnung die Bedeutung einer grenzüberschreitenden Erinnerungskultur: „Die Ausstellung nimmt die deutsche und die französische Perspektive ein und schlägt Brücken zwischen den beiden nationalen Erinnerungskulturen.“ Hering erläuterte, bereits die Entstehung der zweisprachigen Ausstellung sei ein Lehrstück grenzüberschreitender Zusammenarbeit gewesen. Die Relevanz der deutsch-französischen Erinnerungskultur wurde auch durch die Anwesenheit der französischen Generalkonsulin, Dr. Ilde Gorguet, unterstrichen.

Öffentliche Erinnerung erst Jahrzehnte später

Anders als die späteren Deportationen in die Vernichtungslager im Osten wie Auschwitz oder Treblinka waren die frühen Deportationen nach Westen lange weitgehend unbekannt. „Obwohl die Deportation so offen sichtbar stattfand und beispielsweise in Ludwigshafen umfangreich fotografisch dokumentiert wurde, dauerte es Jahrzehnte, bis sich die Öffentlichkeit wieder bewusst und offiziell erinnerte“, erklärte der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Bernhard Kukatzki.

Regionale Erweiterung durch Bezirksverband Pfalz

Die Ausstellung wurde von der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz kuratiert – in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnerinnen und Partner aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, dem Saarland und Frankreich, darunter Ministerien sowie das Auswärtige Amt. Für die regionale Erweiterung der Ausstellung sorgte der Bezirksverband der Pfalz. Die zweite stellvertretende Vorsitzende des Bezirksverbands, Ruth Ratter, dankte dem Archivar Ulrich Burkhart für diese regionale Ergänzung. „Die Erinnerungs- und Gedenkarbeit ist dem Bezirksverband keine lästige Pflichtübung, sondern ein echtes Anliegen und ein wichtiger Auftrag“, so Ratter.

Information zum Ausstellungsbesuch

Die Ausstellung ist bis zum 11. Februar, montags bis freitags, 8 bis 17 Uhr, im Foyer des Abgeordnetenhauses, Kaiser-Friedrich-Straße 3, 55116 Mainz zu sehen. Gruppen ab 15 Personen und Schulklassen werden um Anmeldung gebeten, telefonisch unter 06131-208 2212 oder per Mail an ausstellungen(at)landtag.rlp.de.

Für den Besuch der Ausstellung im Abgeordnetengebäude gelten die Bestimmungen der zu diesem Zeitpunkt gültigen Corona-Bekämpfungsverordnung.