Das Haus Rheinland-Pfalz in Dijon – Gelebte Freundschaft

Aus historischen Erbfeinden wurden historische Freunde: Deutschland und Frankreich gelten heute als „Motoren“ der europäischen Einigung. Und auch Rheinland-Pfalz pflegt seit Jahrzehnten engste Kontakte auf allen Ebenen in das Nachbarland. Eine wichtige Institution ist das Haus Rheinland-Pfalz in Dijon. Seit 1991 bietet das deutsch-französische Zentrum ein breit gefächertes Angebot aus Kultur, Sprachbildung, Mobilitätsprogrammen und interregionaler Vermittlung in Aus- und Weiterbildung.

Was macht das Haus eigentlich genau und wie hat die Corona-Pandemie die alltägliche Arbeit beeinflusst?

Ausgehend von der interregionalen Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Burgund wurde 1991 das Haus Rheinland-Pfalz in Dijon gegründet. Im Jahr 2016 erweiterte sich die Region von Burgund auf die neue Großregion Bourgogne-Franche-Comté. Komplementär zur Arbeit der Partnerschaftsverbände in Land und Region sowie der Partnerschaftskomitees der Städte setzt sich die „Maison de Rhénanie-Palatinat“, wie das Haus auf französisch heißt, für die interregionale Zusammenarbeit zwischen Land und der Region Bourgogne-Franche-Comté mit europäischer Dimension ein. Der damalige Leiter des Hauses Rheinland-Pfalz, Till Meyer, wurde 1994 zum Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland für die Region Bourgogne ernannt. Bernhard Schaupp ist seit Juni 2020 Nachfolger von Till Meyer und leitet als Honorarkonsul das Haus.

Kulturveranstaltungen

Neben großen Projekten wie den Deutsch-Französischen Wochen, den Printemps de l’Europe in Dijon und dem Europäische Sprachentag finden regelmäßig Kulturveranstaltungen im Haus und in der gesamten Region statt. Zusammen mit Partnern aus dem Kulturleben der Stadt Dijon und der Region Bourgogne-Franche-Comté organisiert das Haus Rheinland-Pfalz unter anderem Ausstellungen, Lesungen, Diskussionsrunden, Filmvorstellungen, Konzerte, thematische Veranstaltungsreihen sowie jedes Jahr im Sommer die Rheinland-Pfalz-Tage. Die Kulturtreibenden erfahren dabei auch Förderung in Form von interregionalen Stipendienprogrammen in Kooperation mit dem Conseil régional de Bourgogne-Franche-Comté sowie dem Ministerium für Kultur des Landes Rheinland-Pfalz.

Sprachförderung

Rund 250 Deutschkurs-Einschreibungen pro Jahr verzeichnet das Haus Rheinland-Pfalz für Gruppen-, Spezial- und Einzelsprachkurse. Auf nationaler und bi-nationaler Ebene engagiert sich das Haus beispielsweise mit Projekten wie dem Programm mobiklasse.de zur Förderung der deutschen Sprache an französischen Schulen oder unterstützt Aktionen im Rahmen der Kooperation der Universitäten in Dijon und Mainz. Für Deutschlehrende finden gemeinsam mit den Akademien Dijon und Besançon sowie dem Goethe-Institut Deutschassistenten-Seminare und Deutschlehrer*innen-Tage als Fortbildungen statt. Ergänzt wird das Lehrangebot durch eine deutschsprachige Bibliothek im Haus.

Praktika

Das Büro für Praktika und Mobilität des Hauses, das zusammen mit der entsprechenden Stelle des Hauses Bourgogne-Franche-Comté in Mainz kooperiert, bietet jungen Leuten zwischen 16 und 30 Jahren die Möglichkeit, ein Praktikum in Rheinland-Pfalz und der Region Bourgogne-Franche-Comté zu absolvieren. Im Jahr 2005 wurde die Praktikantenvermittlung im Rahmen des Vierernetzwerks auf die polnische Region Oppeln und die tschechische Region Mittelböhmen erweitert. Weiterhin vermittelt das Haus Rheinland-Pfalz in Kooperation mit dem FÖJ-Kur Rheinland-Pfalz und dem Kulturbüro Rheinland-Pfalz junge Deutsche und Franzosen zu einem einjährigen Freiwilligendienst ins jeweilige Partnerland und zeigt Interessierten Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten auf.

Parlamentarische und mediale Kooperationen

In enger Zusammenarbeit mit dem Landtag Rheinland-Pfalz und dem Conseil régional der Region Bourgogne-Franche-Comté organisiert das Haus Rheinland-Pfalz Begegnungen von Parlamentariern. Weiterhin unterstützt das Haus Medienschaffende bei der Berichterstattung über die Partnerregion und Medienkooperationen, beispielsweise zwischen dem SWR Rheinland-Pfalz und France3 Bourgogne Franche-Comté.

Partnerschaften in Corona-Zeiten

Aufgrund der Corona-Pandemie musste das Haus Rheinland-Pfalz in Dijon vorübergehend seine Türen für die Öffentlichkeit schließen, informierte der Leiter des Hauses Rheinland-Pfalz, Bernhard Schaupp. Dennoch sei es gelungen, sich den besonderen Herausforderungen zu stellen und die Arbeit an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Bei den Teilnehmendenzahlen im Zyklus 2020/21 in den Programmen des Deutsch-Französischen Freiwilligendienstes (Ökologie und Kultur) konnte sogar ein Anstieg verzeichnet werden. Die Informationsveranstaltungen hierzu waren erfolgreich auf Online-Formate umgestellt worden. Auch die Sprachkurse finden inzwischen digital statt. Für den weiteren Verlauf der Pandemie arbeitet das Haus Rheinland-Pfalz an einem anhaltendem digitalen Ersatzprogramm. Ziel ist es, den Interessierten zu ermöglichen, zumindest virtuell an kulturellen Formaten und Austauschen wie Lesungen, Diskussionsrunden, Stammtischen und Konzerten teilnehmen zu können. Je nach Infektionslage und Möglichkeit, werden mit entsprechenden Hygienekonzepten persönliche Begegnungen organisiert und von der Equipe des Hauses umgesetzt. „Es ist sehr wichtig für uns, den Kontakt zu den Menschen zu halten, sei es auch nur über virtuelle Wege“, betonte Bernhard Schaupp. So fand beispielsweise auch das Online-Gespräch mit Landtagspräsident Hendrik Hering, der gleichzeitig auch Präsident des Hauses Rheinland-Pfalz ist, großes Echo und Interesse.