Borkenkäfer und Dürre setzen auch Westerwald zu

Dürre und Borkenkäfer machen dem rheinland-pfälzischen Wald zu schaffen. Im Westerwald informierten sich der Umweltausschuss des Landtages sowie Umweltministerin Ulrike Höfken vor Ort über den kritischen Zustand des Waldes. Im Anschluss fand im Forstlichen Bildungszentrum Hachenburg eine Ausschusssitzung zum Thema „Waldumbau in Zeiten des Klimawandels“ statt, an der auch Hendrik Hering als Landtagspräsident und Hachenburger teilnahm.

Bei der Begehung des Klosterwaldes im Forstrevier Obererbach-Rosenheim, informierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Landesforsten über den aktuellen Stand der Schäden. So sei das Waldstück mit einer Größe von etwa 30 Hektar zur Hälfte von Fichten bewachsen, die wegen Dürre sowie des Borkenkäferbefalls vermutlich vollständig absterben werden. Jens Jacob, Leiter der Abteilung Forsten im Umweltministerium erläuterte, dass die anhaltende Dürre die Abwehrkräfte der Bäume schwäche. Der Borkenkäfer habe dann leichtes Spiel. Er unterbreche die Nährstoffversorgung zwischen Baum und Wurzeln mit der Folge, dass der Baum absterbe.

Westerwald als Normalfall?

Landtagspräsident Hendrik Hering warnte bei der anschließenden Ausschusssitzung im Forstlichen Bildungszentrum, es sei nicht auszuschließen, dass die klimawandelbedingte Ausnahmesituation im Westerwald zum Normalfall im ganzen Land werde. Die Rettung des Waldes sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Umweltministerin Ulrike Höfken berichtete, dass zum Erhalt des Waldes die Treibhausgasemissionen massiv gemindert werden müssten. Die Rettung sei aus vielen Gründen wichtig: Waldflächen binden CO2 in erheblichem Maße und seien Wirtschaftsfaktor mit mehr als 50.000 Beschäftigten in Rheinland-Pfalz. Naturnahe Waldbewirtschaftung und behutsamer Nachbau solle den Fortbestand sichern. Dies bedeute auch einen Schutz junger Bäume durch Bejagung.

Maßnahmen zur Waldrettung debattiert

Michael Billen, Abgeordneter der CDU-Fraktion, plädierte trotz der schwierigen Lage dafür, nicht in Panik zu verfallen. Der Wirtschaftswald werde auch weiterhin bestehen. Die Frage, wie man den Wald bestandssicher gestalten könne, müsse erforscht werden. Für die SPD-Fraktion forderte Nico Steinbach konkretes Handeln. Fördergelder von Bund und Land sollten jetzt in die Fläche gebracht werden. Kommunale und private Waldbesitzer bräuchten Unterstützung und die Forstbetriebe müssten gut aufgestellt sein. Jürgen Klein von der AfD betonte, dass die Gefahr von Waldbränden in der aktuellen Debatte nicht vernachlässigt werden dürfe. Auch sei die Wohlfahrtsfunktion des Waldes zu berücksichtigen.

Laut Andreas Hartenfels, Bündnis 90/Die Grünen müsse zum Schutze des Waldes nachgelegt werden, etwa durch den Ausbau von Wind- und Solarenergie. Wenn der Klimawandel faktisch Klimazonen ändere, sei die gesamte Forstwirtschaft bedroht. Marco Weber, Vorsitzender des Umweltausschusses und Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion, forderte bei Waldschäden ein „Verursacherprinzip“. Wer zum schlechten Zustand des Waldes beitrage, habe hierfür zu zahlen. Das Geld solle dem Schutz der Natur zugutekommen.
Der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Forstleute, Jochen Raschdorf, plädierte für eine breite sowie finanzielle Unterstützung seitens der Politik. Denn um den Herausforderungen im Wald gerecht zu werden, brauche es auch ausreichend Personal.

Wald auch Thema in weiteren Ausschüssen

Der Schutz des Waldes beschäftigte auch weitere Ausschusssitzungen des Landtags. In der Septembersitzung des Umweltausschusses informierte Staatssekretär Thomas Griese über die Einsatzmöglichkeiten von Drohnen im Wald. Diese würden seit drei Jahren in Rheinland-Pfalz genutzt. Aufgaben seien das Auffinden klimabedingter Waldschäden durch Borkenkäferbefall, die Lokalisation von Windwurfbäumen, das Sichten von Fruchtanhang oder auch das Kontrollieren von Aufforstungsflächen.
Durch Drohnen könnten frühzeitig Trockenheit und Borkenkäfer erkannt werden. Betroffene Bäume seien so zeitnah zu entfernen, um eine weitere Ausbreitung des Käfers zu unterbinden. Wegen der aktuellen Schadensituation seien drei zusätzliche Drohnen beschafft und den Schwerpunktforstämtern Gerolstein für die Eifel, Lahnstein für den Westerwald und Simmern für den Hunsrück zur Verfügung gestellt worden.
Der Europaausschuss interessierte sich für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zum Schutz des Waldes. Hier erläuterte Georg Josef Wilhelm, Referent im Umweltministerium, dass zur Beseitigung der Borkenkäferbäume die Forstunternehmen grenzüberschreitend zusammenarbeiteten. 2018 und 2019 habe der Transportverkehr über Grenzen hinweg zum besseren Abfluss von Käferholz aus den Brennpunkten beigetragen.