Architektenwettbewerb 2013/14

Die Entscheidung ist gefallen: Der rheinland-pfälzische Landtag soll saniert werden. Nun steht der Auslobungstext für den anstehenden Architekenwettbewerb fest. Hier stellen wir Ihnen die wichtigsten Passagen und Punkte vor.
Warum muss das Deutschhaus saniert werden?

Das Landtagsgebäude wird seit 1951 vom rheinland-pfälzischen Parlament genutzt.

Das einfache Interieur der frühen Fünfziger Jahre musste im Lauf der Jahre immer wieder ertüchtigt und teilweise umgebaut werden, denn die jahrzehntelange Beanspruchung als Parlaments-, Veranstaltungs- und Verwaltungsgebäude hinterließ ihre Spuren. Die Innenräume wurden in den vergangenen sechzig Jahren aber weder umfassend saniert, noch restrukturiert.

Zudem stiegen in den letzten Jahren die  gesetzlichen Anforderungen an Brandschutz, Elektro- und Versorgungstechnik, Energieeffizienz sowie Barrierefreiheit erheblich.

Es veränderten sich mit dem Computer und dem Internet auch die Arbeits- und Kommunikationsweisen in einem Maße, dem die Bausubstanz weder technisch, noch funktional standhalten kann.

Die Fraktionen des Landtags Rheinland-Pfalz haben deswegen am 23. Januar 2013 einstimmig die Sanierung des Landtagsgebäudes in Mainz beschlossen.

Worauf kommt es bei der Sanierung an?

Für die Grundsanierung des Landtagsgebäudes soll ein funktional hervorragendes und technisch nachhaltiges neues Gebäudekonzept für das rheinland-pfälzische Landtagsgebäude entwickelt werden.

Dabei müssen nicht nur technische und funktionale Mängel behoben werden.

Gesucht ist zugleich ein zeitgemäßes, durchgängiges Gestaltungskonzept, das ein adäquates Umfeld für die parlamentarische Arbeit schafft. Das Gebäude soll offen und einladend auf Besucher und Gäste wirken und das Land Rheinland-Pfalz angemessen repräsentieren.

Die Wettbewerbsteilnehmer müssen die Sanierung und Modernisierung des Gebäudes damit verbinden, vorhandene Qualitäten zu bewahren. Die persönliche und freundliche Atmosphäre des jetzigen Gebäudes soll erhalten bleiben.

Gewünscht ist eine schlüssige Gestaltung des Innenraumes, die den repräsentativen Zweck des Gebäudes auf leichte, unprätentiöse Art ausdrückt. Die Spuren der wechselvollen Geschichte sollen aufgenommen, neu interpretiert und fortgeführt werden.

Die Erweiterung soll sich an das bestehende Gebäude anfügen und dennoch unserer Zeit zuordnen lassen. Sie soll dem Bestandsgebäude seine Würde lassen und dem bedeutsamen Standort im Gegenüber des Schlosses auf zurückhaltende Art Rechnung tragen.

Die Gesamtwirkung des Gebäudeensembles am Rheinufer soll erfasst und mit der Erweiterung behutsam ergänzt werden.

Die „Lebenszykluskosten“ des Landtagsgebäudes sind ebenso zu beachten wie sein Ressourcenverbrauch und sein künftiger Energiebedarf.

Das neue, innovative Wettbewerbsverfahren

Die Sanierung des Landtagsgebäudes Rheinland-Pfalz ist eine sehr komplexe Planungsaufgabe, bei der unterschiedliche Funktionsbereiche in einem räumlich begrenzten, denkmalgeschützten Bestandsgebäude unterzubringen sind. Bei der Vorbereitung und Planung dieser Aufgabe wurde besonderer Wert auf die Transparenz des Verfahrens und die Beteiligung der Nutzer gelegt.

Um dafür geeignete Voraussetzungen zu schaffen, ist das Verfahren als zweistufiger Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren gemäß VOF und RPW 2008 in die Wege geleitet worden.

Aus dem Kreis der Bewerber wurden 35 Teilnehmer für die 1. Wettbewerbsstufe ausgewählt. Der Planungswettbewerb wird in zwei Stufen, das heißt in Form von zwei separaten, zeitlich aufeinander folgenden Wettbewerbsverfahren organisiert. Die Entwurfsaufgabe bleibt im Kern in beiden Stufen gleich, die Aufgabenstellung kann aber nach der jetzt abgeschlossenen 1. Stufe ergänzt, konkretisiert oder weiterentwickelt werden.

Denn der Bauherr möchte auf die Ideen der 1. Wettbewerbsstufe und die Diskussionen mit den Nutzern und der Bevölkerung reagieren können. Die Zusammensetzung des Preisgerichts bleibt über beide Stufen gleich, die Anonymität der Teilnehmer am Wettbewerb wird bis zum Abschluss der 2. Stufe gewahrt.

 Als Ergebnis der 1. Wettbewerbsstufe wird eine gleichrangige Preisgruppe aus mindestens 6 Teilnehmern gebildet, die sich als ausschließliche Teilnehmer der 2. Stufe qualifizieren. Der Schwerpunkt der Bearbeitung in dieser 1. Stufe lag auf der funktionalen Qualität (Umsetzung des Raumprogramms, Erschließung, Rettungswege, Barrierefreiheit) und der gestalterischen Qualität (gestalterische Leitidee, Berücksichtigung der historischen Bausubstanz, städtebauliche Qualität der Erweiterung). Zusätzlich werden in dieser Stufe grundlegende und konzeptionelle Angaben zur technischen Funktionalität und zu Nachhaltigkeit, Lebenszykluskosten und Energieeffizienz der Wettbewerbsbeiträge erwartet.

Die Auswahl nach der 1. Stufe wird mit dieser Ausstellung und der Informations- und Diskussionswoche – unter Wahrung der Anonymität der Teilnehmer – öffentlich vorgestellt. Anregungen hieraus sowie zusätzliche Anforderungen und Erkenntnisse des Auslobers aus diesem Ergebnis werden in der Aufgabenstellung der 2. Stufe berücksichtigt.

Wettbewerbsteilnehmer der 2. Stufe sind die in dieser Ausstellung präsentierten Mitglieder der 1. Stufe.

Nun sollen in der 2. Stufe die gestalterische Leitidee vertieft und die Funktionalität differenziert werden. Die technische Konzeption soll ebenfalls vertieft bearbeitet und mit Berechnungen hinterlegt werden. Es ist vorgesehen, in der 2. Stufe 3 Preise zu vergeben.

Auch diese Entwürfe sollen der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Einblicke in das bisherige Wettbewerbsverfahren
Filmbeitrag von tvschoenfilm, Frankfurt am Main