Ahrtal: Wie ist die Situation der Schulen und Kitas?

Bei einer auswärtigen Sitzung im Ahrtal haben sich die Abgeordneten des rheinland-pfälzischen Bildungsausschusses Mitte November über die aktuelle Situation der Schulen und Kitas in der von der Flutkatastrophe betroffenen Region informiert.

Bei einer Anhörung im Winzerverein Lantershofen kamen Schulleitungen, Lehrpersonal, Schülerinnen und Schüler sowie weitere Betroffene aus dem Schul- und Kitabereich zu Wort.

Die Ausschussvorsitzende Giorgina Kazungu-Haß (SPD) betonte, dass es dem Ausschuss insbesondere darum gehe, Betroffenen vor Ort zuzuhören und hieraus Erkenntnisse für die eigene politische Arbeit und für den Wiederaufbau im Ahrtal zu gewinnen. Vor der eigentlichen Ausschusssitzung hatten sich die Abgeordneten vor Ort in der Philipp Freiherr von Boeselager Realschule über die Schäden und Folgen der Flut informiert. Bildungsministerin Stefanie Hubig gab einen Überblick über das Ausmaß der Schäden an und in Bildungseinrichtungen insgesamt sowie zu den bereits durchgeführten Wiederaufbaumaßnahmen. Schule und Kita seien Heimat für Kinder. Sie sei dankbar, wie viele Helferinnen und Helfer bei der Entkernung beschädigter Schulgebäude mit angepackt hätten, darunter auch Menschen außerhalb des Schulbetriebs.   

Der Realschulrektor der Philipp Freiherr von Boeselager Realschule, Timo Lichtenthäler, dankte für die parteiübergreifende Hilfe und das Miteinander. Er wünschte sich, dass die besonderen Belastungen der Bildungseinrichtungen im Blick behalten würden und dass gewisse Freiheiten weiterhin blieben wie beispielsweise die Anpassung der Stundentafel. Gebraucht werde eine Runde der Verantwortlichen vor Ort mit Schulträger, Schulaufsicht, Ministerium und Praktikern.   

Starke psychische Belastung

Sehr eindringlich und bewegend schilderten der Schüler Adem Prebeza und die Schülerin Bleona Syleimani ihre persönlichen Erfahrungen mit der Flutkatastrophe. Beide berichteten von den anhaltenden starken psychischen Belastungen durch die Erlebnisse in der Flutnacht. Hier wünschten sich beide längerfristige Unterstützung, um die Ereignisse verarbeiten zu können.  Andreas Schmitt, Förderschulrektor der Janusz Korczak-Schule Sinzig, mahnte an, auch die Situation der Förderschulen weiter im Blick zu behalten. Fast nichts sei wie vorher, vieles sei ein Provisorium und man warte noch auf Gutachten. Auch er plädierte für mehr „Runde Tische“, zu denen die Verantwortlichen zusammenkommen sollten.    

Katastrophe als Chance nutzen

Auch Ursula Bell, Grundschulrektorin der Grundschule Bad Neuenahr, schilderte im Ausschuss die Provisorien und Herausforderungen des schulischen Alltags wie beispielsweise die Sanierung während des laufenden Schulbetriebs. Es gelte, die Chance zu nutzen, die Schule jetzt zukunftsfähig und modellhaft zu sanieren. Britta Stahl, die Vorsitzende des Schulelternbeirats der Philipp Freiherr von Boeselager Realschule lenkte den Blick auf den Schulweg, der unmittelbar nach der Flutnacht gefährlich über Brücken führte, keine Bürgersteige vorhanden waren und es Probleme mit Busfahrkarten gab. Siglinde Hornbach-Beckers, Fachbereichsleiterin der Kreisverwaltung Ahrweiler, informierte über die Zerstörungen im Kita-Bereich und die gefundenen Übergangslösungen. So seien Container-Lösungen gefunden worden oder Kinder untergebracht im Gemeindehaus oder in einem ehemaligen Kloster.   

Insgesamt betonten mehrere Mitglieder der Schulgemeinschaft im Ahrtal, die Katastrophe sollte trotz allem auch als Chance genutzt werden, etwa mit innovativem Wiederaufbau von Schulgebäuden und einer engen Verknüpfung von Grundschulen und Kindergärten.