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Mit guten Argumenten nach Berlin

Vier Schülerinnen und Schüler qualifizieren sich beim Landesfinale in Rheinland-Pfalz erfolgreich für die Bundesebene des Wettbewerbs Jugend debattiert

Foto: Landtag Rheinland-Pfalz / Andreas Linsenmann
Foto: Landtag Rheinland-Pfalz / Andreas Linsenmann
04.04.2019 - Richtiges Debattieren will gelernt sein – das haben auf eindrucksvolle Weise die Gewinnerinnen und Gewinner des Landesfinales Jugend debattiert in Rheinland-Pfalz bestätigt, die sich heute im Interimsplenarsaal des Landtags im Landesmuseum einen Wettstreit der Argumente und der Rhetorik lieferten.

Im Rahmen dieses seit vielen Jahren erfolgreich durchgeführten großen Schulprojektes widmeten sich im diesjährigen Finale vier Jugendliche der Jahrgangsstufen 8 bis 10 (G8: 8 bis 9) der Frage „sollen außerhalb von Schulabschluss und Schulwechsel Notenzeugnisse durch Berichtszeugnisse ersetzt werden?“. Die vier Finalteilnehmer der Jahrgangsstufen 11 bis 13 (G8: 10 bis 12) debattierten zur Frage „sollen bei Wahlen zum rheinland-pfälzischen Landtag die Parteien verpflichtet werden, auf den Landeslisten gleich viele Frauen und Männer als Kandidaten aufzustellen?“.

Nach Unterrichtsprojekten und Debattierwettbewerben in Schule, auf Regionalebene und einer Landesqualifikation, die am Vormittag in Mainz stattfand, hatten sich insgesamt acht Jugendliche für das Landesfinale im Landtag qualifiziert. Die beiden Erstplatzierten der jeweiligen Altersstufe werden nun am Wettbewerb auf Bundesebene teilnehmen.

Das Finale verlief dabei nach klaren Regeln: pro Debatte vier Schülerinnen und Schüler, eine Streitfrage, 24 Minuten Dauer. „Inhalte und Argumente zum Thema müssen sitzen, denn wer Pro oder Contra vertritt, wird erst kurz vor dem Wettbewerb ausgelost“, sagte Dr. Johannes Hilgart, Landesbeauftragter Jugend debattiert Rheinland-Pfalz, der den Wettbewerb moderierte. Die Jury bewertete Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft der jugendlichen Debattanten.

Der 16-jährige Noah Nebling von der Integrierten Gesamtschule Goetheschule in Kaiserslautern wurde Erstplatzierter der Jahrgangsstufen 8 bis 10. Er überzeugte die Jury durch seine erfrischende Ausdrucksweise. Noah sei die Gratwanderung zwischen Tiefgang und dem Einbringen neuer Argumente hervorragend gelungen. Er argumentierte dagegen, Notenzeugnisse durch Berichtszeugnisse zu ersetzen.

Die 17-jährige Luna Mono vom Kant-Gymnasium Boppard qualifizierte sich als Zweitplatzierte der Jahrgangsstufen 11 bis 13 ebenfalls für die Bundesebene. Sie trat überzeugend dafür ein, dass Parteien bei Wahlen zum rheinland-pfälzischen Landtag verpflichtend gleich viele Frauen und Männer als Kandidaten auf die Landeslisten setzen sollten.

Rund 10.000 Schülerinnen und Schüler in 97 Schulen haben sich im laufenden Schuljahr in Rheinland-Pfalz im Rahmen einer Unterrichtsreihe an Jugend debattiert beteiligt. Die beiden Debattensieger und die jeweils Zweitplatzierten vertreten Rheinland-Pfalz zunächst bei der Qualifikation zur Bundesebene in Berlin. Dort werden sich am 22. Juni 2019 dann die acht besten Debattanten aus ganz Deutschland im Bundesfinale gegenüberstehen.

Noah Nebling, Landessieger der Altersgruppe 1, freute sich über seinen Sieg: „Was ich hier gelernt habe, kann ich nicht nur bei Diskussionen in der Schule gut einsetzen, sondern auch in privaten Situationen – bestimmt auch später mal im Beruf“.

Als Preis für ihren heutigen Erfolg erhalten alle vier Siegerinnen und Sieger ein fünftägiges intensives Rhetorik-Training, das sie gemeinsam mit den Siegerinnen und Siegern der anderen Länder auf die Bundesebene des Wettbewerbs vorbereitet.

Hendrik Hering, Landtagspräsident und Schirmherr des Landeswettbewerbs, ist überzeugt, dass Jugend debattiert junge Menschen für Demokratie begeistern kann: „Hier lernen junge Menschen zuzuhören, andere mit ihren Argumenten ernst zu nehmen und den eigenen Standpunkt fundiert und mit Herzblut zu vertreten. Gegenseitiger Respekt ist hierzu der Schlüssel. Heute haben junge Menschen eindrucksvoll gezeigt, dass es eben nicht um die schnellen und oftmals verkürzten Antworten geht. Der sachliche und respektvolle Austausch von Argumenten und Standpunkten ist oft mühsam. Dennoch lohnt es sich, auch gegensätzliche Positionen auszutauschen. Das ist auch ein Wesen von Demokratie. Auch sie fällt nicht vom Himmel, wir müssen uns immer wieder neu um sie bemühen. Ich bin froh, dass wir in Zeiten leben, in denen Jugendliche nicht nur Zuschauer sein wollen, sondern für ihre Interessen eintreten und auch dafür auf die Straße gehen.“

„Demokratie ist nicht selbstverständlich. Wir müssen sie leben und für sie eintreten. Deshalb werden wir in Rheinland-Pfalz den Sozialkundeunterricht ausbauen und die Demokratiebildung von der Kita bis zum Schulabschluss stärken“, sagte Bernhard Bremm, Abteilungsleiter im Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz, und betonte: „Ein Grundpfeiler unserer Demokratie ist der Austausch von Argumenten. Dabei gilt es für eigene Überzeugungen einzutreten und gleichzeitig andere Meinungen zu hören und zu akzeptieren. Bei Jugend debattiert haben die Schülerinnen und Schüler heute eindrucksvoll bewiesen, dass sie dies schon meisterhaft beherrschen. Ich gratuliere allen Preisträgerinnen und Preisträgern und bedanke mich bei den für die Organisation Verantwortlichen sowie bei den Lehrkräften, die den Schülerinnen und Schülern zur Seite gestanden haben.“

Mit Jugend debattiert wollen die beteiligten Stiftungen Schülerinnen und Schüler aller Schularten ab Klasse 5 ermutigen, durch Debattentraining ihre sprachliche, politische und persönliche Bildung zu verbessern.

Jugend debattiert ist eine Initiative des Bundespräsidenten und steht unter seiner Schirmherrschaft. Partner sind die Hertie-Stiftung, die Robert Bosch Stiftung, die Stiftung Mercator und die Heinz Nixdorf Stiftung sowie die Kultusministerkonferenz, die Kultusministerien und die Parlamente der Länder.

Veranstalter des Landeswettbewerbs Rheinland-Pfalz sind das Ministerium für Bildung sowie der Landtag Rheinland-Pfalz.

Die Finalisten im Landeswettbewerb Jugend debattiert in Rheinland-Pfalz 2019:

Debatte Altersgruppe 1 – Jahrgangsstufen 8 bis 10 (G8: 8 bis 9):

1. Platz: Noah Nebling, 16 Jahre, IGS Goetheschule Kaiserslautern

2. Platz: Amelie Hugo, 16 Jahre, Gymnasium Nieder-Olm

3. Platz: Justin Bernard-Wassili, 16 Jahre, Görres-Gymnasium Koblenz

4. Platz: Moritz Mayeh, 14 Jahre, Kant-Gymnasium Boppard

Debatte Altersgruppe 2 – Jahrgangsstufen 11 bis 13 (G8: 10 bis 12):

1. Platz: Philipp Bergner, 19 Jahre, Leibniz-Gymnasium Pirmasens

2. Platz: Luna Mono, 17 Jahre, Kant-Gymnasium Boppard

3. Platz: Johanna Schnick, 17 Jahre, Bertha-von-Suttner-Gymnasium Andernach

4. Platz: Johannes Burg, 18 Jahre, Albert-Schweitzer-Gymnasium Kaiserslautern

 
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