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Blinden Fleck in Landesgeschichte beseitigen

Ausstellung über amerikanische Besatzung von 1918 bis 1923 in Rheinland-Pfalz

Foto: Landschaftsmuseum Westerwald
Foto: Landschaftsmuseum Westerwald
17.12.2018 - Wann begann eigentlich die amerikanische Militärpräsenz in Deutschland? Entgegen der Vermutung, dass diese 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs begann, gab es jedoch bereits von 1918 bis 1923 eine Phase der amerikanischen Besatzung in Deutschland. Hieran erinnert die Ausstellung „A Piece of the Rhine – Amerikanische Besatzung im Brückenkopf Koblenz 1918-1923“.

Landtagspräsident Hendrik Hering freute sich, Ende der vergangenen Woche die Ausstellung in seiner Heimatstadt Hachenburg, im Landschaftsmuseum Westerwald, zu eröffnen.Mit dem Fotobestand des Zeitzeugen und Niederelberter Fotografen Valentin Altmann habe der Museumsleiter Manfrid Ehrenwerth zusammen mit dem Kurator der Ausstellung, Paul Dahms, einen Schatz aufgetan. „Es ist wichtig, dass wir heute an verschiedenen Stellen im Land daran arbeiten, diesen blinden Fleck zwischen 1918 und 1923 auf dem Zeitstrahl der rheinland-pfälzischen Geschichte zu beseitigen“, betonte der Landtagspräsident. Daher habe sich die beim Landtag angedockte Kommission für die Geschichte des Landes dazu entschlossen, das Ausstellungsprojekt im Westerwald zu unterstützen. Die Kommission honoriere damit die großen Bemühungen vom Westerwaldkreis, von „Museen im Westerwald GmbH“ sowie vom Freundeskreis des Museums.

Aufarbeitung als Beitrag zur Identität 

„Geschichte ereignet sich nicht nur an den großen zentralen Orten in unserem Land, sondern überall da, wo Menschen zusammenleben, also auch und gerade hier vor Ort“, verdeutlichte Hendrik Hering. Die Aufarbeitung dieser Geschichte leiste einen großen Beitrag zur historischen Identität. Dieses Ringen um Identität in der Begegnung mit einem fremden kulturellen Horizont finde sich auch in den Bildern von Valentin Altmann wieder. In den kommenden Monaten erinnerten viele Veranstaltungen an den Beginn der amerikanischen Militärpräsenz vor 100 Jahren und beleuchteten das deutsch-amerikanische Verhältnis. „Der Landtag und die Landesregierung begrüßen diesen Einsatz für die deutsch-amerikanische Partnerschaft ausdrücklich“, betonte der Landtagspräsident. Unter Federführung des Innenministeriums sei eine Arbeitsgruppe gebildet worden, um die Aktivitäten rund um das Jubiläum „100 Jahre Amerikaner in Rheinland-Pfalz“ zu bündeln.

250.000 Besatzungssoldaten an Rhein und Mosel

Es sei eine ganz neue Lebenswirklichkeit gewesen, die den Menschen damals an Rhein und Mosel in Gestalt von rund 250.000 Besatzungssoldaten gegenübergetreten war. Doch auch für die Soldaten aus der neuen Welt dürfte die Begegnung mit dem ehemaligen Feind nicht einfach gewesen sein. Dennoch sei das Zusammenleben von Besatzern und Besetzten nach anfänglichen Schwierigkeiten vergleichsweise reibungslos gewesen, sagte Hendrik Hering. So habe es auch viele persönliche Verbindungen zwischen den „smarten Amerikanern“ und den „rheinländischen Fräuleins“ gegeben – das Ergebnis: fast 2.000 Kinder und die ein oder andere deutsch-amerikanische Eheschließung. Das erkläre auch, warum das Geburtshaus des amerikanischen Schriftstellers Charles Bukowski in Andernach am Rhein steht, sagte der Landtagspräsident.

 
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