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Enquete-Kommission Tourismus: „Von Kirchtürmen zu Leuchttürmen“

Experten informieren über Strukturen des Tourismus in Rheinland-Pfalz

23.04.2019 - Die Enquete-Kommission Tourismus des rheinland-pfälzischen Landtags hat sich in ihrer jüngsten Sitzung mit den Strukturen des Tourismus in Rheinland-Pfalz befasst. Hierzu waren Experten aus Tourismus, Marketing und Wissenschaft zu einer Anhörung in der Kommission eingeladen. Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Schmitt betonte eingangs, dass für den Tourismus in Rheinland-Pfalz genügend Mittel im aktuellen Doppelhaushalt des Landes vorhanden seien. Die Gelder müssten jedoch zielgerichteter und die Ressourcen effizienter eingesetzt werden. Demgegenüber forderte Alexander Licht von der CDU-Fraktion, dass mehr Gelder bereitgestellt werden müssten und legte dar, dass Rheinland-Pfalz bei den touristischen Investitionen im Vergleich mit den anderen Bundesländern weit hinterher hinke. Auch bei den Wachstumszahlen rangiere das Bundesland an vorletzter Stelle bundesweit.

Weniger App, mehr Stadtführer

In der Expertenanhörung sprach sich Alexander Schuler von der BTE Tourismus- und Regionalberatung für die Neustrukturierung von Reisegebieten aus, die sich bisher häufig an Kreisgrenzen orientierten. Hierzu stellte er eine Studie vor, die analysierte, wie regionale Einheiten gebildet und gestärkt werden können. Aus Sicht von Professor Adrian Freiherr von Dörnberg, Hochschule Heilbronn, müsse die Attraktivität einiger weniger Sehenswürdigkeiten gesteigert werden. „Wir müssen von Kirchtürmen zu Leuchttürmen kommen“, so von Dörnberg. Entscheidend sei dabei die jeweilige Wahrnehmung von Touristen. So habe beispielsweise eine Studie ergeben, dass Tagestouristen aus zwei maßgeblichen Gründen nach Worms kommen: wegen Martin Luther und den Nibelungen, obwohl letztgenannte ein Mythos sind. Als „Weinstadt“ werde Worms von Touristen nicht wahrgenommen, obwohl sie es ist. Beim Kunden müsse ein Bild im Kopf aus wenigen Punkten entstehen. Eine Handvoll Leuchttürme landesweit seien dann schon ausreichend, es dürfe nicht zu kleinteilig gedacht und gehandelt werden. Nicht der Mittelrhein sei deshalb das Thema, sondern der „Mythos Loreley“. Und bei aller Digitalisierung ist nach Auffassung von Dörnberg der „menschliche Faktor“ wesentlich, denn durch ihn werde das Land „erlebt“, also weniger die App als vielmehr der Stadtführer. 

Auch Ulf Hangert, der Vorsitzende des Arbeitskreises Tourismus des Gemeinde- und Städtebundes, bemängelte die noch immer zu kleinteiligen Strukturen. Diese müssten mutig größer gedacht und an den vorhandenen Aufgaben orientiert werden. Ebenso notwendig sei eine gründliche Analyse der aktuellen finanziellen Lage.

Erfolgreiche Zusammenschlüsse von Orten und Regionen

Wie es gelingen kann, dass sich einzelne Orte touristisch erfolgreich zusammenschließen, berichtete die Geschäftsführerin Ostsee- Holstein- Tourismus e. V., Katja Lauritzen. Der Veränderungsprozess, der sich teilweise über zehn Jahre erstreckte, brachte jedoch Akzeptanz und eine wirtschaftliche Steigerung der Erträge mit sich. Auch im Bereich der Mobilität seien Kooperationen entstanden, welche eine günstige Nutzung des Nahverkehrs ermöglichten. „Wandel ist ein fortlaufender Prozess“, bekannte auch Jörg Lautwein, Geschäftsführer der Wein- und Ferienregion Bernkastel-Kues GmbH. Auch hier sei es gelungen mit der Ferienland-GmbH und einem Marketing-Beirat eine neue Regionen übergreifende Struktur zu schaffen.

Die Auswertung dieser Expertenanhörung findet am 30. August 2019 statt. In dieser Sitzung wird zudem eine weitere Anhörung zum Thema „EU-Fördermittel/Tourismus für alle“ stattfinden.

 
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