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Beim Wählen sicherer geworden

Laura Peters blickt auf ihr Freiwilliges Soziales Jahr bei der Landtagsverwaltung zurück

Laura Peters zieht Résumé über ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Landtag Rheinland-Pfalz - Foto: Landtag Rheinland-Pfalz
Laura Peters zieht Résumé über ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Landtag Rheinland-Pfalz - Foto: Landtag Rheinland-Pfalz
31.08.2018 - Das FSJ kann man nur in den Bereichen Soziales und Gesundheit machen? Ein weitverbreiteter Irrglaube, wie Laura Peters beweist. Sie absolvierte im Zeitraum von September 2017 bis Ende August 2018 ihr Freiwilliges Soziales Jahr in der Kommunikationsabteilung der Landtagsverwaltung. Unsere beiden Praktikanten, Raphael Mizzi und Lea Sonek, haben sie getroffen und mit ihr über ihre Erfahrungen und Erlebnisse im Landtag gesprochen.


Liebe Laura, stell Dich doch mal kurz vor!

Peters: Ich heiße Laura Peters, bin 20 Jahre alt und komme aus Waldalgesheim, einem kleinen Ort in der Nähe von Bingen. Mein Abitur habe ich 2017 in Bingen gemacht. In meiner Freizeit tanze ich Garde im Karnevalsverein.

Warum hast du dich für ein FSJ beim Landtag entschieden?

Peters: Das war ein ziemlich großer Zufall. Ich habe im Internet recherchiert, was meine Möglichkeiten sind. Dabei bin ich auf den Landtag aufmerksam geworden. Da ist mir auch klar geworden, dass man das Freie Soziale Jahr eben nicht nur in Schulen und Kindergärten machen kann, sondern auch in anderen Einrichtungen, zum Beispiel im politischen Bereich. Ich habe mich dann einfach beworben und das hat auch geklappt. Darüber bin ich sehr froh.

Was waren deine Erwartungen vor dem FSJ?

Peters: Ich wusste gar nicht so genau, was man hier so macht. Ursprünglich wollte ich etwas im Bereich Veranstaltungsmanagement machen. Das habe ich letztendlich ja auch hier gemacht. Außerdem hatte ich gehofft, Selbstständigkeit zu lernen und einen Einblick in das Berufsleben zu bekommen. Ich wollte auch einfach mal eine Lernpause haben und etwas Praktisches machen.

Was waren deine Aufgaben hier in der Landtagsverwaltung?

Peters: Ich habe zum Beispiel viel bei der Vorbereitung von Grußworten und bei der Organisation diverser Veranstaltungen geholfen. Insgesamt waren es ganz unterschiedliche Sachen. Zum Beispiel habe ich auch an einem Workshop teilgenommen, bei dem erklärt wurde, wie die neue Internetseite aufgebaut wird. Jeder FSJ’ler hat auch ein eigenes Projekt. Meins war die Organisation eines Theaterstücks.

Worum ging es bei dem Theaterstück genau?

Peters: Das Theaterstück heißt „Maria hilf!“ und wird vom Chawwerusch Theater aufgeführt. Eigentlich kommt das Theater aus Herxheim bei Landau. Das Stück thematisiert die Pflegesituation in Deutschland. Also, dass viele Pflegekräfte aus Polen kommen müssen, um den Pflegebedarf in Deutschland zu decken. Wir wollen die Leute mit solchen Aktionen auf politische Probleme aufmerksam machen.

Warst du manchmal mit Situationen überfordert? Wenn ja, wie hast du schwierige Situationen gemeistert?

Peters: Am Anfang kommt man hier an und kennt das Haus nicht. Ich habe mich hier auch öfter verlaufen. Immerhin sieht hier alles gleich aus. Außerdem kennt man hier keine Leute und alle sind älter als man selbst. Ich wusste zum Beispiel auch gar nicht, worüber ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen sprechen sollte. Diese sind eher die Generation meiner Eltern. Aber daran gewöhnt man sich doch recht schnell. Man muss sich einfach überwinden mit den Leute zu sprechen und zu fragen: Was kann ich denn noch machen? Braucht ihr noch Hilfe? Kommunikation ist sehr wichtig.

Was war denn dein „Landtags-Moment“? Etwas, das dir immer im Hinterkopf bleiben wird.

Peters: Das ist wirklich schwer. Ich habe sehr viel gesehen. Ich habe zum Beispiel den Bundespräsidenten kennengelernt. Na gut, er ist an mir vorbeigelaufen. Beim eigenen Theater war es auch toll, dass alles funktioniert hat und dass mich alle Leute gelobt haben. Da ist man wirklich stolz, so etwas allein geschafft zu haben. Aber jetzt einen Moment herauszugreifen ist wirklich enorm schwierig.

Dann gib uns doch einfach ein Feedback. Was war besonders gut und was war schlecht?

Peters: Am besten hat mir gefallen, so viele unterschiedliche Menschen kennenzulernen. Hier arbeiten so viele unterschiedliche Charaktere. Man hat hier außerdem mit Schülern und Lehrern zu tun, die den Landtag besuchen. Wir hatten Künstler und Musiker zu Gast. Natürlich auch Politiker. Also mit ganz verschiedenen Menschen. Daraus nimmt man einfach viel mit, weil man mit vielen unterschiedlichen Leuten in Kontakt tritt und Gespräche führt. Es war sehr interessant so viele Sichtweisen mitzubekommen. Am wenigsten gefallen hat es mir, wenn ich wenig zu tun hatte. Ich habe keine Ausbildung, im Grunde habe ich ja keine besonderen Qualifikationen. Und da kam es manchmal vor, dass ich nichts zu tun hatte.

Was nimmst du aus dem Praktikum mit?

Peters: Ich glaube, ich bin auf jeden Fall sicherer im Umgang mit fremden Menschen geworden. Eigentlich war ich eine ziemlich schüchterne Person. Dadurch dass ich mich ein ganzes Jahr mit fremden Menschen unterhalten musste, wird das auch irgendwann zur Gewohnheit. Aber auch so etwas Alltägliches wie E-Mails schreiben, kann ich mittlerweile super. Mir hat auch alles im Bereich Veranstaltungsplanung richtig viel Spaß gemacht. Daraus habe ich viel mitgenommen. Man nimmt für die berufliche Zukunft, aber vor allem für sich persönlich, einiges mit. Ich hatte ein Jahr lang Zeit mich selbst zu entwickeln und an mir selbst zu wachsen.

Wie geht es jetzt für Dich weiter?

Peters: Ich habe mich bei verschiedenen Unis auf den Studiengang „Grundschullehramt“ beworben und warte auf Rückmeldungen. Am liebsten möchte ich in den Fächern Mathe und Sozialkunde unterrichten.

Noch eine letzte Frage. Inwieweit hat das FSJ im Landtag deine Sicht auf Politik, Politikern und Demokratie verändert?

Peters: Das ist schwer. Ich denke, ich war schon zuvor sehr informiert über Politik. Immerhin war ich im Sozialkunde-Leistungskurs in der Oberstufe und habe daraus viel mitgenommen. Man hat hier einfach viel praktisch mitbekommen und hinter die Kulissen blicken können. Dadurch hat man sich auch ein anderes Bild von den Parteien gemacht. Man konnte einfach besser einschätzen, in welche Richtungen die Parteien gehen. Ich würde sagen, dass ich mir heute beim Wählen sicherer sein würde. Man bekommt auch mehr landespolitische Themen mit. In der Schule beschränkt sich der Unterricht oft auf die Bundesebene. Von daher war das eine willkommene Ergänzung. Es war einfach cool zu sehen, was direkt vor der Haustür passiert.

 
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