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Zuhören leichter machen

Besuchergruppe der Landesschule für Gehörlose und Schwerhörige zu Gast im Landtag

Debattieren in der der Praxis - Besuchergruppe der Landesschule für Gehörlose und Schwerhörige im Plenarsaal des Landtags Rheinland-Pfalz - Foto: Landtag Rheinland-Pfalz
Debattieren in der der Praxis - Besuchergruppe der Landesschule für Gehörlose und Schwerhörige im Plenarsaal des Landtags Rheinland-Pfalz - Foto: Landtag Rheinland-Pfalz
26.04.2018 - Der 20-jährige Mohamed ist sichtlich stolz. Stolz, einmal Landtagspräsident gewesen zu sein. Zumindest für eine Stunde. Mohamed gehört zu einer Gruppe junger Menschen im Alter zwischen 17 und 30 Jahren der Landesschule für Gehörlose und Schwerhörige aus Neuwied, die seit Februar 2015 als überregionales Förder- und Beratungszentrum Hören firmiert. Die Gruppe unter Leitung von Förderschullehrer Henrik Ramershoven war in dieser Woche zu Gast im rheinland-pfälzischen Landtag und hatte an einem speziell an deren Bedürfnissen orientierten Besuchsprogramm teilgenommen. Sie erhielten im Interimsplenarsaal des Landtags im Mainzer Landesmuseum einen Eindruck davon, was parlamentarische Demokratie überhaupt ist, wie sie gemacht wird und wie sie ganz praktisch funktioniert.

Nach einer untertitelten Filmvorführung über die Arbeitsweise des Landtags, lernten die Gäste den Plenarsaal kennen und erfuhren, wer von den Abgeordneten wo sitzt und welche Aufgaben sie haben. Höhepunkt des Besuchsprogramms war dann ein Rollenspiel, in welchem die Gäste selbst in die Rolle der Abgeordneten schlüpften. Zunächst musste jedoch über das zu beratende Thema abgestimmt und die verschiedenen zentralen Ämter wie Landtagspräsident und Fraktionsvorsitzende gewählt werden. Die Gruppe entschied sich schließlich für die Frage: Soll es höhere Strafen geben, wenn Plastikmüll in der Umwelt entsorgt wird? Eine sogenannte Induktionsschleife, die von der Schule in einem Koffer mitgebracht wurde, ermöglichte es den Schülerinnen und Schüler die Tonsignale über ihre Hörgeräte optimal und ohne Störgeräusche zu empfangen.


Höhere Strafen für Müllsünder gefordert

Zunächst noch etwas schüchtern, mit zunehmender Dauer der Debatte aber immer leidenschaftlicher diskutierte die Gruppe, die sich in eine Pro- und Contra-Fraktion geteilt hatte, die Fragestellung und beleuchtete die verschiedensten Aspekte. So standen beispielsweise auf der Pro-Seite die Gefahren durch die Verschmutzung der Umwelt und die Gefährdung der Gesundheit. Auf der anderen Seite stellte die Contra-Fraktion die Frage, wie man all die Müllsünder am besten und wirtschaftlichsten überwachen sollte. Vielmehr setzten sie auf eine bessere und frühestmögliche Erziehung zur korrekten Müllentsorgung. Am Ende stimmte eine große Mehrheit für strengere Strafen bei unerlaubter Müllentsorgung.

„Es war mir wichtig, dass wir während der Debatte respektvoll miteinander umgehen“, sagte der von seinen Mitschülern mit großer Mehrheit gewählte „Landtagspräsident“ Mohamed. Der „Fraktionsvorsitzende“ der „Pro-Fraktion“, der 21-jährige Murat, ergänzte, dass es eine sehr spannende Erfahrung gewesen sei, auf den Originalplätzen der Abgeordneten und Regierungsmitglieder Platz nehmen zu dürfen und nachzuempfinden wie es ist, wenn man in einem solchen Rund vor mehreren Menschen sprechen darf.


Neuer Landtag barrierefrei/Film in Gebärdensprache

Landtagspräsident Hendrik Hering freute sich sehr über den Besuch der Gruppe. „Der sanierte Landtag im historischen Deutschhaus wird dann auch weitgehend barrierefrei gestaltet und wird, wie auch der frühere Plenarsaal, eine eingebaute Induktionsschleife besitzen, so dass Menschen mit Beeinträchtigungen die Sitzungen und Gespräche im Landtag optimal verfolgen und damit am Demokratieprozess teilhaben können“, betonte der Landtagspräsident. Darüber hinaus sei der Landtags-Informationsfilm inzwischen auch in Gebärdensprache online über die Homepage abrufbar. Und schließlich soll künftig auch der Live-Stream der Plenarsitzungen untertitelt werden.

 
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