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„Freiheit!“

Junge Geflüchtete aus Diez zu Gast im Landtag

Eine Gruppe junger Geflüchteter aus der Jugendwohngruppe Lorenzstraße der Vitos Teilhabe in Diez war jüngst zu Gast im rheinland-pfälzischen Landtag in Mainz. 
Foto: Landtag Rheinland-Pfalz
Eine Gruppe junger Geflüchteter aus der Jugendwohngruppe Lorenzstraße der Vitos Teilhabe in Diez war jüngst zu Gast im rheinland-pfälzischen Landtag in Mainz. Foto: Landtag Rheinland-Pfalz
07.05.2018 - Es ist eine muntere und bunte Truppe, die da zum Gast im Landtag ist. Zumindest außerhalb der offiziellen Gesprächstermine und wenn sie unter sich sind geht es lustig und ausgelassen zu. Die muntere und bunte Truppe sind zwölf junge Geflüchtete, die als unbegleitete minderjährige Ausländer nach Deutschland kamen und gegenwärtig in der Jugendwohngruppe Lorenzstraße der Vitos Teilhabe in Diez untergebracht sind.

Diese nahmen zusammen mit ihren beiden Betreuerinnen an einem speziell ausgearbeiteten Besuchsprogramm des rheinland-pfälzischen Landtags teil. Das Programm informiert über die Aufgaben und Arbeitsweisen des Parlamentes, vermittelt aber insbesondere auch demokratische Werte.

Kaum im Besprechungsraum angekommen, wird es jedoch stiller in der Gruppe. Und auch im Gespräch mit den Abgeordneten sind sie zunächst eher zurückhaltend. Die jungen Männer aus Syrien, Afghanistan und verschiedenen afrikanischen Nationen sind zwar alle bereits zwischen ein und zwei Jahren in Deutschland, kommen aber aus Kulturen, in denen sie es nicht gewohnt waren, ihre Meinung frei äußern zu dürfen. „Bei uns sagt immer nur einer, wo es langgeht“, erzählt der 18-jährige Omar aus Syrien. Fragt man die Jugendlichen schließlich, was für sie „Demokratie“ bedeutet, kommt postwendend die Antwort: „Freiheit!“.

Viele Fragen an Abgeordnete

Nachdem die Gruppe eine Einführung in die Arbeit und Abläufe des Landtags erhalten hat, dürfen die Jugendlichen dann eine Plenarsitzung von der Besuchertribüne aus miterleben. Im Verlauf des rund dreistündigen Besuchsprogramms bricht das Eis dann immer mehr. Beim Gespräch mit drei Abgeordneten des Landtags stellen sie dann auch die Fragen, die ihnen unter den Nägeln brennen: Warum kann ich in Deutschland nicht ohne deutschen Pass Polizist werden? Warum muss ich einen Integrationskurs besuchen? Warum hat man sich für die jeweilige Partei entschieden und wie kam man zur Politik? Wie oft trifft sich der Landtag und um welche Themen geht es aktuell? Aber auch ganz persönliche Anliegen lagen den jungen Migranten am Herzen wie die Frage: warum wurde der Kindergeld-Antrag abgelehnt?

Auch wenn die Gruppe aus den verschiedensten Herkunftsländern und Kulturen stammt, so eint sie schließlich alle ein Ziel: sie wollen die deutsche Sprache gut lernen, einen Beruf finden und sich ein neues Leben in Deutschland aufbauen. Einige bringen dafür auch bereits beste Voraussetzungen mit und haben Praktika gemacht oder einen Ausbildungsplatz gefunden. Viele sind aber auch noch auf der Suche und müssen erst noch ihre Deutschkenntnisse verbessern.

Großes Thema: Familiennachzug

Dann wird die Stimmung sehr nachdenklich und ernst. Es geht um die Frage, was die jungen Menschen vermissen. Einer sagt: „Meine Eltern“. Und alle nicken schweigend. Die politisch so kontrovers und teilweise erbittert geführte Debatte um den nüchternen Begriff „Familiennachzug“ bekommt plötzlich ein Gesicht und verbindet sich mit einzelnen Schicksalen. Es sind lange Zeiten des Wartens und des Bangens für die jungen Leute. Mit oftmals ablehnendem Bescheid am Ende. Sie wissen, dass ihre Eltern in den Heimatländern „in Schwierigkeiten“ sind, wie es der 18-jährige Daniel aus Eritrea ausdrückt. Auch können sie aufgrund der Krisen und Kriege in ihren Heimatländern oft nur sporadisch mit ihren Eltern kommunizieren.

Auch Omar vermisst seine Eltern sehr. Dann hellt sich seine Miene aber etwas auf: „In meiner Heimat hatte ich kaum echte Freunde. Hier in der Wohngruppe habe ich aber zwei enge Freunde gefunden, die für mich wie Familie sind. Ich kann mit ihnen über alles sprechen“.

Und dann machen sie sich wieder auf den Weg nach Hause. In ihr neues Leben.

 
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