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Medienausschuss: Vertrauen in etablierte Medien steigt

Wissenschaftler des Instituts für Publizistik der Uni Mainz präsentierten Studienergebnisse

11.04.2018 - Das Vertrauen in die öffentlich-rechtlichen Medien und die Tagespresse hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Zugleich schwindet das Vertrauen der Bevölkerung in Nachrichten aus dem World Wide Web rapide. Diese zentralen Ergebnisse einer Langzeitstudie zum Medienvertrauen präsentierten im jüngsten Medienausschuss des Landtags auf Antrag der CDU-Fraktion die Macher der Studie vom Institut für Publizistik der Uni Mainz.

Vertrauen in Internet-Angebote sinkt rapide

Professor Oliver Quiring betonte in seiner Präsentation, dass das Vertrauen in die Medien Voraussetzung für die politische Willensbildung und für das Funktionieren der Demokratie sei. Im Jahr 2008 habe das Institut die repräsentative Studie begonnen und seit 2015 finden hierzu jährliche repräsentative telefonische Befragungen statt. Die aktuellen Daten zeigten, dass nur noch 13 Prozent der Bürger in Deutschland der Aussage zustimmten, dass die Bevölkerung von den Medien systematisch belogen werde. Im Vorjahr waren es noch knapp 20 Prozent. In wichtigen Fragen vertrauen gegenwärtig 42 Prozent der Befragten den etablierten Medien. Rund zwei Drittel der Bevölkerung vertrauen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und der Tagespresse. Demgegenüber halten nur noch zehn Prozent der Bürger Internet-Angebote im Allgemeinen für vertrauenswürdig. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückgang um 14 Prozent. Die Forscher vermuten als Ursache hierfür die anhaltende Debatte über „Fake News“ und Hasskommentare. Eine große Mehrheit der Deutschen sieht hierin eine echte Gefahr für die Gesellschaft und fordert von der Politik gesetzgeberische Maßnahmen dagegen.

Entfremdung von Medien

Die Forscher betonten jedoch auch, dass sich eine gewisse Entfremdung von den Medien bemerkbar mache. So kritisieren 36 Prozent, dass sie die gesellschaftlichen Zustände in ihrem Umfeld ganz anders wahrnehmen, als sie von den Medien dargestellt werden. Besonders entfremdet fühlten sich dabei diejenigen, die mit der Politik und Demokratie sowie ihrer eigenen wirtschaftlichen Situation unzufrieden sind, die eine hohe Sympathie für die AfD aufwiesen sowie Menschen, die häufig Kommentare auf den Facebook-Seiten etablierter Medien lesen und schreiben.   

Große Potenziale für Medienbildung

Die Studie ergab schließlich ebenso, dass vor allem Menschen, die über wenig Medienwissen verfügten, den etablierten Medien besonders kritisch gegenüberstehen. So glaubten 38 Prozent der Deutschen irrtümlicherweise, dass Journalisten berichten dürften, was sie wollten. Die Mehrheit der Bevölkerung habe zwar ein in zentralen Punkten zutreffendes Verständnis vom Journalismus, dennoch existierten große Potenziale für Medienbildung und Aufklärungskampagnen, so die Forscher.

Abgeordnete von CDU und SPD sprachen sich dafür aus, in künftigen Untersuchungen zum Medienvertrauen insbesondere auch die regionalen Medien einzubeziehen, was die Forscher zusagten.

Weitere Informationen zur Studie: www.medienvertrauen.de

 
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