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Wie gelingt ein Gedenken ohne Zeitzeugen?

Rheinland-Pfalz setzt Gedenkarbeit von Parlamenten auf Tagesordnung von Präsidentenkonferenz

Die Frage „Wie gelingt ein Gedenken ohne Zeitzeugen“ hat Landtagspräsident Hendrik Hering (1. Reihe, 2. v. links) auf der Konferenz der Präsidentinnen und Präsidenten der deutschen Landesparlamente, des Bundestages und des Bundesrates aufgeworfen. ©Bildarchiv Bayer. Landtag / Fotograf Rolf Poss
Die Frage „Wie gelingt ein Gedenken ohne Zeitzeugen“ hat Landtagspräsident Hendrik Hering (1. Reihe, 2. v. links) auf der Konferenz der Präsidentinnen und Präsidenten der deutschen Landesparlamente, des Bundestages und des Bundesrates aufgeworfen. ©Bildarchiv Bayer. Landtag / Fotograf Rolf Poss
05.06.2019 - Wie kann ein Gedenken an historische Ereignisse gelingen, wenn es keine Zeitzeugen mehr dafür gibt? Diese Frage hat Landtagspräsident Hendrik Hering in dieser Woche auf der Konferenz der Präsidentinnen und Präsidenten der deutschen Landesparlamente, des Bundestages und des Bundesrates in Würzburg aufgeworfen. Er regte an, dass sich die Parlamente auf dem Feld der Gedenkarbeit stärker vernetzen und regelmäßig in einer Arbeitsgruppe „Zukunft der Gedenkarbeit“ austauschen.

„Das Begehen von Gedenktagen wie beispielsweise der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar hat in der Erinnerungskultur der Parlamente glücklicherweise bundesweit seinen festen Platz gefunden“, sagte Hendrik Hering. Dabei komme insbesondere bei Gedenktagen an die Opfer der NS-Zeit den Berichten von Zeitzeugen eine zentrale Rolle zu. Die Zahl derjenigen, die diese Zeit vor rund 80 Jahren noch persönlich erlitten und in Parlamenten oder auch in Schulen davon berichten könnten, nehme jedoch kontinuierlich ab.

Mehr Einbindung von jungen Menschen und Medien

Um zu erfahren, wie die Parlamente bundesweit mit dieser Thematik umgehen, hatte der rheinland-pfälzische Landtag im Vorfeld der Präsidentenkonferenz eine Umfrage bei Landesparlamenten, Bundestag und Bundesrat gestartet. Erste wesentliche Erkenntnisse hieraus sind, dass nahezu sämtliche Parlamente Zeitzeugenberichte in ihre Gedenkarbeit einbinden und diese eine zentrale Rolle spielen. Teilweise haben Parlamente bereits heute Schwierigkeiten, Zeitzeugen zu finden.

Wie gehen die Parlamente nun mit dieser Herausforderung um? Die Mehrheit der Parlamente sieht in der Einbeziehung von Zeitzeugen und Zeugen der zweiten und dritten Generation eine Möglichkeit, das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus lebendig zu halten. Auch sollen verstärkt junge Menschen in der Gedenkarbeit eingebunden werden. Auch der verstärkte Einsatz von digitalen Medien für Interviews uns Aufnahmen von Zeitzeugen der ersten Generation wird als eine Lösungsmöglichkeit gesehen. Und auch der Einsatz von biografischen Ausstellungen, Tagebüchern und Stolpersteinen soll die Erinnerung authentisch wachhalten.

Tagung zu Gedenken in Ruanda und Israel

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass Zeitzeugen nicht nur bei der Erinnerung an die NS-Zeit eine wichtige Rolle spielten, sondern auch bei anderen historischen Ereignissen wie dem Tag der Deutschen Einheit, die Erinnerung an die Opfer der SED-Diktatur, dem Volkstrauertag oder auch bei landestypischen Ereignissen.

„Unsere Umfrage bestätigt, dass die Erinnerungskultur eine wesentliche Aufgabe unserer Parlamente ist und Gedenkarbeit insbesondere die Geschichte für junge Menschen erlebbar machen kann“, sagte Hendrik Hering. Parlamente seien dafür wichtige außerschulische Lernorte. Zudem plane der rheinland-pfälzische Landtag im kommenden Jahr eine Tagung zum Umgang mit dem Gedenken im rheinland-pfälzischen Partnerland Ruanda infolge des dortigen Genozids 1994 und in Israel nach der Shoah am Beispiel der Gedenkstätte Yad Vashem.

 
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