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Bildungsausschuss: Berufsschüler fit machen für digitales Lernen und Arbeiten

Anhörung zu digitalen Lernzentren

26.11.2018 - Werden Berufsschüler an ihren Schulen ausreichend auf das Arbeiten in einer digitalen Welt vorbereitet? Und können „digitale Lernzentren“ dabei helfen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Bildungsausschuss in seiner vergangenen Sitzung. Experten aus Schulen, Politik und Wirtschaft thematisierten im Rahmen einer Anhörung, wie sich die digitalen Kompetenzen von Schülern an der Berufsschule am besten fördern lassen. Martin Brandl von der antragstellenden CDU-Fraktion erklärte, digitale Lernzentren seien Lernorte für Schüler, an denen sie mithilfe von technischer Ausstattung praktisch lernen könnten, wie digitale Prozesse ihren Lern- und Arbeitsalltag beeinflussen.

Lernräume für neue Ideen schaffen

Christoph Krause, Leiter des „Kompetenzzentrums Digitales Handwerk“ in Koblenz, findet, Schulen müssten so zeitgemäß ausgestattet sein, dass man junge Leute damit begeistern kann. Dazu müsse man in Technologien investieren. „Lernräume für neue Ideen schaffen“, das sei sein Motto. Ebenso wichtig sei es, die Kommunikationswege in der Bildung zu verändern. Nur so könne man die jungen Leute auch erreichen. Auch Christoph Ringhoffer, Bereichsleiter der berufsbildenden Karl-Hofmann-Schule in Worms, betonte: „Meine Schüler sind vernetzt, digital und immer online“. Die berufsbildenden Schulen müssten daher nachziehen.

Dirk Oswald, Schulleiter der David-Roentgen-Schule Neuwied, berichtete von der „digitalen Lernfabrik“ an seiner Schule, wo beispielsweise die App-Programmierung gelehrt werde. Es sei ein erfolgreiches Projekt, aber eben auch nur ein Projekt. Rheinland-Pfalz sei weit entfernt von einer landesweiten Einführung. Besonders wichtig ist aus seiner Sicht, dass die Auszubildenden unterschiedlicher Berufe miteinander vernetzt arbeiten. Denn das sei die Realität im Beruf.

Raphael Hörner vom Regierungspräsidium Stuttgart, Bereich Berufliche Schulen, erläuterte das didaktische Konzept der digitalen Lernzentren in Baden-Württemberg. Dieses sei für ihn der entscheidende Erfolgsfaktor. Hörner empfiehlt, zumindest kleine technische Geräte an die Schulen zu bringen. Dann müsse es aber auch zwingend eine moderne IT-Infrastruktur mit Wartungsservice geben.

Investitionen in Technik und Lehrerfortbildung

Martin von Jena vom Qualitätsmanagement der Julius-Wegeler-Schule Koblenz, erklärte, es fehle vielen Schulen an der Basisausstattung. WLAN und ein Computer für jeden Schüler seien die Grundlage für digitale Bildung. Von Jena findet digitale Lernzentren zwar sinnvoll, fragt sich aber, ob das Geld nicht lieber in die Lehrerfortbildung investiert werden sollte. Denn „wir brauchen Pädagogen mit fachlicher und digitaler Expertise“.

Michael Böffel, Geschäftsführer des Bereichs Ausbildung in der Industrie- und Handelskammer für die Pfalz, betonte, „die Wirtschaft wartet nicht, bis wir digitale Kompetenzen vermittelt haben“. Böffel wies darauf hin, dass sich auch die Konzeption des Unterrichts ändern müsse. Lehrer würden vom Lehrer zum Coach, Schüler würden durch „try and error“ lernen. So könne in der Praxis aus dem „Fehlermachen“ gelernt werden. Das sei der Weg, um vernetztes Denken zu fördern.

Ralf Hellrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Koblenz, hob die Bedeutung des Handwerks in der Thematik hervor. Viel zu häufig würde der Schwerpunkt allein auf der Industrie liegen. Hellrich findet, digitale Zentren sollten in erster Linie in der beruflichen Welt eingerichtet werden, da die Auszubildenden dort den Großteil ihrer Zeit verbrächten.

 
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