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Von mutigen Bauern versteckt

Die in Mainz geborene Holocaust-Überlebende Frieda Shulamit Schwarz lebt in Haifa/Besuch von Landtagspräsident Hendrik Hering

Landtagspräsident Hendrik Hering überbringt der in Mainz geborenen Holocaust-Überlebenden Frieda Shulamit Schwarz einen historischen Kupferstich der Stadt Mainz - Foto: Landtag Rheinland-Pfalz
Landtagspräsident Hendrik Hering überbringt der in Mainz geborenen Holocaust-Überlebenden Frieda Shulamit Schwarz einen historischen Kupferstich der Stadt Mainz - Foto: Landtag Rheinland-Pfalz
27.02.2019 - Wie ein riesiges Landschaftsgemälde wirkt der Blick über die südliche Bucht der israelischen Küstenstadt Haifa vom großen Wohnzimmerfenster von Frieda Shulamit Schwarz. Die grünen Hänge, die Häuser, die sich an den Hang schmiegen und in der Ferne das glänzende Mittelmeer. Es ist eine beruhigende Weite in diesem Ausblick. Eine Weite und auch Idylle, die kaum in schärferem Gegensatz zu dem stehen könnte, was die 1928 in Mainz geborene Frieda Shulamit Schwarz während ihrer Kindheit in der Zeit der Nazi-Diktatur erlebte.
Eigentlich sollte sie am 27. Januar 2019, dem nationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, im rheinland-pfälzischen Landtag als Zeitzeugin sprechen. Eine schwere Lungenentzündung setzte sie aber leider kurz vor ihrer Abreise außer Gefecht. Landtagspräsident Hendrik Hering, der sich in den vergangenen Tagen mit dem Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr auf einer Israelreise zum Thema „Start-Ups in Israel“ befand, ließ es sich nicht nehmen, Frieda Shulamit Schwarz in Haifa zu besuchen.

Seit über vierzig Jahren wohnt sie nun schon in der nördlichen Metropole Israels. Ihr Sohn, der zuvor in den USA arbeitete, lebt derzeit bei ihr und betreut sie nach ihrer Krankheit. Auch ihre Tochter und eine Enkeltochter sind gekommen. Familie bedeutet ihr viel und ihre Kinder und Enkel kommen regelmäßig zusammen. Sie selbst hat ihre Eltern das letzte Mal gesehen als sie zehn Jahre alt war. Es war der Tag nach den Pogromen vom 9. November 1938 als ihr Vater, der Mainzer Kaufmann Markus Laub, für vier Wochen im KZ Buchenwald inhaftiert wurde. Frieda und ihre fünf Geschwister flohen mit einem Kindertransport nach Holland. Dort wurden die Kinder getrennt. Frieda überlebte, zunächst in Kinderheimen und dann über Jahre versteckt von hilfsbereiten, mutigen Bauern. „Es war eine einfache katholische Familie, die selbst vier kleine Kinder hatte“, erinnert sie sich. Ihre Eltern und einer ihrer Brüder wurden im Holocaust ermordet. Nach dem Krieg emigrierte Frieda Shulamit Schwarz mit 18 Jahren nach Israel. Dort arbeitete sie zunächst als Krankenschwester im Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem.

Als Landtagspräsident Hendrik Hering ihr einen historischen Kupferstich der Stadt Mainz überreicht, wird ihr Blick melancholisch. Sie erinnert sich an ihre Kindheit in Mainz. An die Straße, in der sie gelebt hat. „Es war die Rechengasse“, sagt Frieda Shulamit Schwarz. Aber die gibt es heute nicht mehr. Sie komme immer mal wieder zurück nach Mainz. Das letzte Mal vor drei Jahren. Und dies soll auch nicht das letzte Mal gewesen sein. Ihr Interesse an der alten Heimat ist nach wie vor sehr groß. Sogar das ZDF empfange sie hier in Haifa. Auch die deutsche Sprache pflegt sie hier und liest viel auf Deutsch. Auch mit ihren Kindern hat sie Deutsch gesprochen. Und umgekehrt von den Kindern Hebräisch gelernt. Nach ihrer Kindheit aber wurde Israel ihr Zuhause. Hier ist ihre Heimat. Hier ist ihre Familie.

 
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