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„Landauf – Landab II. Rheinland-Pfälzische Geschichte vor Ort“

Abschluss der Vortragsreihe zu „Kreuz – Rad – Löwe“. Rheinland-Pfalz und seine Geschichte“ in München

V.l.n.r.: Landtagsdirektorin Ursula Molka, Prof. Kißener, Ralf Marthaler, Prof. Ursula Männle, Landtagspräsident Joachim Mertes, Dr. Monika Storm, Wolfgang Ziegler. Foto: Sylvia Landau.
V.l.n.r.: Landtagsdirektorin Ursula Molka, Prof. Kißener, Ralf Marthaler, Prof. Ursula Männle, Landtagspräsident Joachim Mertes, Dr. Monika Storm, Wolfgang Ziegler. Foto: Sylvia Landau.
„In Zuckmayers Diktum vom Rhein als der Völkermühle Europas am Rhein treten Römer, Kelten, Holländer, Österreicher auf, aber die Bayern hat er in seiner Auflistung vergessen.“ – Mit diesem launigen Hinweis schloss Landtagspräsident Joachim Mertes seine Begrüßung bei der Abschlussveranstaltung der Vortragsreihe „Landauf – Landab“. Auf den ersten Blick mag es erstaunen, dass eine Veranstaltungsreihe, die der Vorstellung der ersten rheinland-pfälzischen Landesgeschichte „Kreuz – Rad – Löwe“ gewidmet und mit „rheinland-pfälzische Geschichte vor Ort“ überschrieben war, gerade in der bayerischen Landeshauptstadt München endete. Doch der Blick auf den Veranstaltungsort löst dieses Rätsel. Das Ganze fand statt in den Pfälzer Residenz Weinstube. Der Landtagspräsident und Vorsitzende der Landtagskommission für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz freute sich daher, sowohl Exil-Pfälzer als auch Bayern begrüßen zu können. Wie eng die historischen Verflechtungen nicht nur zwischen der Pfalz, sondern auch dem Norden des heutigen Rheinland-Pfalz und Bayern schon seit Jahrhunderten sind, verdeutlichte der Präsident u. a. am Beispiel des Kaisers Ludwig dem Bayern (1294/1314-1347), der seiner Herrscherkrone nicht zuletzt der Unterstützung durch den Trierer Kurfürsten Balduin von Luxemburg verdankte.

Die Pfälzer Weinstube wurde im Jahr 1950 vom Landesverband der Pfälzer in Bayern ins Leben gerufen. Daher ließ es sich auch die Hausherrin, die Vorsitzende des Landesverbands, Frau Prof. Ursula Männle, als gebürtige Ludwigshafnerin nicht nehmen, in der fast bis zu den letzten Platz gefüllten Komtureistube den Landtagspräsidenten persönlich zu begrüßen. Der Landesverband der Pfälzer in Bayern ist 1949 als Mitglieder-Vereinigung und als Dachorganisation der in Bayern bestehenden Pfälzer-Vereine in München gegründet worden. Oberstes Ziel war damals die Pfalz, die durch die Schaffung des Landes Rheinland-Pfalz von Bayern abgetrennt worden war, wieder zum Freistaat zurückzuholen. Nachdem das Volksbegehren von 1956 jedoch keine Mehrheit gefunden hatte, hat sich das Selbstverständnis des Landesverbandes verändert. Heute steht die Pflege der in vielen Jahrhunderten gewachsenen Beziehungen zwischen Bayern und der Pfalz an erster Stelle. Der Landesverband versteht sich deshalb als das kulturelle Bindeglied zwischen Pfälzern und Bayern. Unterstützt wird der Verband in seiner Arbeit vom Bund der Pfalzfreunde in Bayern, denen traditionell der jeweilige Landtagspräsident, d. h. aktuell die bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm vorsteht. Zu Beginn der fünfziger Jahre reiste der eigens vom bayerischen Landtag eingerichtete Pfalz-Ausschuss wiederholt in das Gebiet der ehemaligen Rheinpfalz, um sich ein Bild von der Situation vor Ort zumachen. Auf diesen Umstand gingen sowohl Frau Prof. Männle als auch der rheinland-pfälzische Landtagspräsident ein. Somit war dieser Abend auch gleichsam als eine Art „Gegenbesuch“ – so Landtagspräsident Mertes - zu verstehen, der aber sowohl bei Rheinland-Pfälzern wie auch bei Bayern nur positive Reaktionen auslöste und einmal mehr bewies, wie spannungsfrei heute die Beziehungen zwischen dem Rheinland, der Pfalz und Bayern sein können.

Auf das 19. Jahrhundert traf dieses Urteil nicht immer zu, wie Prof. Dr. Michel Kißener, Professor für Zeitgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Vorsitzender des wissenschaftlichen Ausschusses der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz, in seinem anregenden Vortrag ausführte. So wies er z. B. darauf hin, dass Beamten, die nach „Bayerisch-Sibirien“ versetzt werden sollten, folgende Worte mit auf den Weg gegeben wurden: "Wen der liebe Gott will strafen, den schickt er nach Ludwigshafen. Wen er gar vergessen hat, den schickt er in die Kreishauptstadt [also Speyer]. Doch schickt er ihn nach Germersheim, so geh' er lieber in den Rhein.“ Eine vergleichbare „Hassliebe“ lässt sich auch im nördlichen Bereich des heutigen Rheinland-Pfalz beobachten, der als Folge des Wiener Kongresses an das Köngreich Preußen gefallen war. Die Gegensätze zwischen Pfälzern und Bayern sowie Rheinländern und Preußen rührten aus wirtschaftlichen, rechtlichen, aber auch konfessionellen und sozialen Gegensätzen her und schwächten sich – so Michael Kißener – im Laufe des 19. Jahrhunderts allmählich ab. Selbst der Kulturkampf konnte diese Integrations- und Modernisierungsentwicklung nicht auf Dauer beeinträchtigen.  Als „Wacht am Rhein“ kam den Gebieten des heutigen Rheinland-Pfalz seit der Reichsgründung 1871 dann eine neue nationale Aufgabe zu.

Bei der Gründung des Landes Rheinland-Pfalz wurde allerdings ganz vermieden, diese Traditionslinie aufzugreifen. Vielmehr orientierten sich Politiker wie Peter Altmeier  an christlichen Abendlandsvorstellungen. Aus diesem Grund weist das rheinland-pfälzische Landeswappen auch die Symbole der drei Kurfürstentümer Trier, Mainz und Pfalz auf. Diese Symbole haben dann auch der ersten großen, dreibändigen Landesgeschichte „Kreuz, Rad, Löwe: Rheinland-Pfalz. Ein Land und seine Geschichte“ ihren Titel gegeben. - 07.02.2014


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