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Interview mit dem Vorsitzenden des Ausschusses Wirtschaft und Verkehr, Thomas Weiner

Der Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Verkehr, Thomas Weiner
Der Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Verkehr, Thomas Weiner
Frage: Herr Weiner, der Ausschuss Wirtschaft und Verkehr war diesen Monat in Israel und in den palästinensischen Autonomiegebieten unterwegs. Was war Hintergrund und Ziel der Reise?

Weiner:
Deutschland ist keine Insel. Wir leben in einer globalisierten Welt und unsere Wirtschaft muss weltweit konkurrenzfähig sein. Die Politik muss dazu die richtigen Rahmenbedingungen anbieten. Alle fünf Jahre fährt der Wirtschaftsausschuss ins Ausland, um jeweils zu einem bestimmten Thema von den Besten zu lernen. Israel ist weltweit führend bei den Start-ups, also bei der Förderung von jungen Leuten, mit neuen Ideen, die - wenn sie die Produktionsreife erlangen - zu Arbeitsplätzen führen. Wir wollten herausfinden, wieso dieses kleine Land so erfolgreich ist und was wir in Rheinland-Pfalz besser machen können.


Frage: Und was waren für Sie, ganz persönlich gefragt, die Höhepunkte der Reise?

Weiner:
Der "Hoffnung-machende" Höhepunkt war für mich, dass es - entgegen des bei uns vorherrschenden Israel-Bildes - in vielen Büros und Firmen ein gutes und friedliches Zusammenleben von Juden, Christen und Arabern gibt.
Der "erschreckende" Höhepunkt war für mich, wie die Siedlungsgebiete systematisch mit Mauern umgeben werden.


Frage: Was kann Rheinland-Pfalz von Israel lernen?

Weiner:
Unser System der beruflichen Bildung ist weltweit Spitze. Unsere Handwerker sind besser ausgebildet als die israelischen. Aber bei der Unterstützung von jungen Tüftlern, die eine spannende Idee, zum Beispiel in der Medizintechnik oder Automobiltechnik haben, können wir von Israel lernen. Dort gilt jemand, der beim ersten Versuch einer Produktentwicklung gescheitert ist, nicht als "Loser" sondern als jemand mit "Erfahrung" und bekommt eine zweite Chance. Man bietet sogar spezielle "Inkubator-Zentren" - Ideenschmieden, in denen junge Erfinder von Staat und Wirtschaft gesponsort werden, um ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Es gibt über 1.400 solcher Start-ups dort. Und jeder 7. Versuch ist ein Treffer. Konzerne aus aller Welt - wir besuchten ein Kontaktbüro von VW - beobachten diese Entwicklungszentren und sichern sich oft schon in einem frühen Stadium die Patentrechte.


Frage: Was nehmen Sie und der Ausschuss von der Reise insgesamt mit? Und wie geht der Ausschuss mit diesen Erkenntnissen nun weiter um?

Weiner:
Die Erkenntnis, dass Israel ein kleines, aber wirtschaftlich hochspannendes Land ist und Rheinland-Pfalz gerade bei der Förderung von Nachwuchstalenten besser werden muss. Wir werden jetzt unsere Erkenntnisse mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Bildungs- und Wissenschaftsausschuss diskutieren und dann auf eine verbesserte Start-up-Förderung in Rheinland-Pfalz drängen.


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