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Mainzer Republik und Napoleon

Georg Forster: Wissenschaftler und Mainzer Jakobiner
Georg Forster: Wissenschaftler und Mainzer Jakobiner
Es war die Zeit der Französischen Revolution. Französische Revolutionstruppen erobern im Oktober 1792 die Stadt Mainz und lösen das erste Demokratie-Experiment auf deutschem Boden aus: Die "Mainzer Republik".

In den von den Franzosen besetzten Gebieten der Pfalz und Rheinhessens fanden erstmals "Volkswahlen" statt, bei denen neue Gemeindeverwaltungen und eine verfassunggebende Versammlung für das gesamte Besatzungsgebiet gewählt wurden. Das aktive Wahlrecht stand allen über 21-jährigen selbstständigen Männern zu, war aber mit der Eidleistung auf Volkssouveränität, auf Freiheit und Gleichheit verbunden.

Der auf diese Weise gewählte Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent gilt als das erste nach demokratischen Grundsätzen gewählte Parlament in Deutschland. Der Konvent schaffte unverzüglich "alle bisherigen angemaßten willkührlichen Gewalten" ab. Er erklärte per Dekret vom 18. März 1793 das Gebiet von Landau bis Bingen zu einem unabhängigen, auf Freiheit und Gleichheit gegründeten Staat und das Volk zum einzig rechtmäßigen Souverän. Noch am gleichen Tag rief der Präsident des Konvents, Andreas Joseph Hofmann, vom Balkon des Deutschhauses den Rheinisch-Deutschen Freistaat aus.

Mit der Rückeroberung der Stadt Mainz durch die verbündeten preußischen und österreichischen Truppen war auch das Ende des im Deutschhaus proklamierten Freistaates besiegelt. Der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent versammelte sich zu seiner letzten Sitzung am 31. März im Deutschhaus; die Franzosen kapitulierten nach einer viermonatigen Belagerung der Stadt am 23. Juli 1793.

Im April 1796 bezog der Oberbefehlshaber der Rheinarmee der verbündeten Preußen und Österreich, Erzherzog Karl von Österreich, Quartier im Deutschhaus. Durch den Frieden von Campo Formio vom Oktober 1796 kam das linksrheinische Gebiet schon kurz vor Jahresende wieder zu Frankreich. Mainz wurde Hauptstadt des Departements Donnersberg und das Deutschhaus Sitz der Departement-Verwaltung.

Napoleon BonaparteIn der zweiten Franzosenzeit war das Deutschhaus von 1804 bis 1813 Napoleonische Residenz. Napoleon I. besuchte mehrere Male Mainz als Hauptstadt des Departements Donnersberg und weilte hier auch vor und nach seinen Feldzügen gegen Österreich, Preußen und Russland. Kaiserin Marie-Luise, die ihn vor seinem Russlandfeldzug 1812 nach Mainz begleitete, war von der Rheinlandschaft und der Maison Teutonique so begeistert, dass Napoleon das Haus als kaiserlichen Palast ausstatten ließ. Sein Vorhaben, das Deutschhaus und das Kurfürstliche Schloss durch Anbauten zu verbinden und unter Einbeziehung des Schlossplatzes eine Residenz nach dem Vorbild der Tuilerien zu errichten, konnte Napoleon nicht mehr verwirklichen. Er logierte am 2. November 1813 zum letzten Mal im Deutschhaus, als Geschlagener der Völkerschlacht von Leipzig.


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