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Ich bin klein, aber wichtig – Die Kinderrepublik des Janusz Korczak

Ausstellung im Foyer des Abgeordnetenhauses

Von links: Die Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD, Carsten Pörksen, und von Bündnis 90/Die Grünen, Nils Wiechmann, sowie die Pressereferentin der Internationalen Jugendbibliothek, Carola Gäde, Vizepräsident Dr. Bernhard Braun und Landtagspräsident Joachim Mertes. Foto: Klaus Benz
Von links: Die Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD, Carsten Pörksen, und von Bündnis 90/Die Grünen, Nils Wiechmann, sowie die Pressereferentin der Internationalen Jugendbibliothek, Carola Gäde, Vizepräsident Dr. Bernhard Braun und Landtagspräsident Joachim Mertes. Foto: Klaus Benz
„Korczaks Grundsätze gelten nicht nur für Kinder. Es sind Grund-Sätze im wahrsten Sinne des Wortes. Sie handeln von gegenseitiger Achtung, demokratischer Entscheidungsfindung und Menschenwürde“, betonte Landtagspräsident Joachim Mertes während der Eröffnung der Ausstellung „Ich bin klein, aber wichtig. Die Kinderrepublik des Janusz Korczak“. Die Einstellungen Janusz Korczaks zur Kindererziehung waren vor einhundert Jahren noch revolutionär. Sätze wie „Wer ein Kind schlägt, ist ein Henkersknecht“ waren in einer Erziehung, die stark auf Gehorsam und Drill ausgerichtet war, noch selten. Erst im Jahr 1974 hat der rheinland-pfälzische Landtag beispielsweise per Gesetz die sogenannte „körperliche Züchtigung“ abgeschafft. Rheinland-Pfalz war damit eines der wenigen Bundesländer, die dieses Verbot nicht nur auf dem Verordnungsweg, sondern sogar im Gesetz verankert haben.

Korczaks Reformpädagogik hatte dennoch schon in den 1920er und 1930er Jahren viele Anhänger. Seine Überzeugungen gründeten auf eigenen Beobachtungen als Kinderarzt und Jugendbetreuer in einem Sommerlager. Umsetzung fanden sie im 1911 gegründeten jüdischen Waisenhaus Dom Sierot, in dem er demokratische Selbstverwaltungsstrukturen, ein gewähltes Kinderparlament, einführte.

„Die Reformpädagogik von Janusz Korczak, die bis heute an Aktualität nichts verloren hat, beruht im Kern auf der uneingeschränkten Achtung vor dem Kind. Man soll es nicht nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen formen und im schlimmsten Fall drillen, sondern man soll ihm Raum für die eigene Entwicklung geben und diese Entwicklung mit Liebe und Verständnis begleiten“, erläuterte Carola Gäde, Pressereferentin der Internationalen Jugendbibliothek in München, wo diese Wanderausstellung zusammengestellt wurde.

Die Ausstellung zeige auch, so Landtagspräsident Joachim Mertes, dass die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten vor niemandem Halt machte. Im Sommer 1942 wurden die 200 Waisenhauskinder deportiert und ermordet. Janusz Korczak und seine Mitarbeiterin Stefania Wilczynska begleiteten die Kinder – in dem Wissen, dass dies den eigenen Tod bedeutete.

Die Wanderausstellung wurde im Rahmen der diesjährigen Gedenkveranstaltungen zum 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, gezeigt. Sie enthielt Fotos, die mit Unterstützung des polnisch-deutschen Verlegers und Autors Adam Jaromir in den Archiven des Historischen Museums in Warschau und dem Ghetto Fighter's House in Israel zusammengetragen wurden, sowie Illustrationen der polnischen Künstlerinnen Iwona Chmielewska und Gabriele Cichowska.

Die Ausstellung war bis zum 20. Februar 2015  im Foyer des Abgeordnetenhauses zu sehen. - 21.02.2015

 Flyer zur Ausstellung

 
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