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Sozialausschuss: Gesundheitsprävention im Wandel

Aktuelles – Aus den Ausschüssen - Donnerstag, 30. Januar 2014

Gute Arbeit – Gesunde Arbeit. Arbeitslosigkeit und berufliche Perspektivlosigkeit machen ebenso krank wie schlechte Arbeitsbedingungen. Gute Arbeit kann nur in einer humanen Arbeitskultur geleistet werden. Dies ist der zentrale Ausgangspunkt eines Antrages der Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen, zu dem der sozialpolitische Ausschuss, unter Vorsitz von Dr. Peter Enders (CDU), heute zu einer Expertenanhörung geladen hatte.

Die Arbeitsverdichtung sowie die Verwischung der Grenzen zwischen Arbeitsfeld und Regenarationszeiten sowie anderen Lebensaufgaben wirken sich nach Ansicht von SPD und Bündnis 90/Die Grünen dann besonders negativ auf die Gesundheit aus, wenn der Grad an Fremdbestimmung hoch ist, Arbeitsplatzunsicherheiten sowie Statusbedrohungen erlebt werden und die Personalführungskultur wenig wertschätzend ist.



Die Forderung: Unternehmen, Staat, Verbände und Organisationen – aber auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – müssen der gesundheitlichen Prävention, dem betrieblichen Gesundheitsmanagement, der Gesundheitsförderung und der weiteren Humanisierung des Arbeitsumfeldes eine größere Bedeutung zumessen.

Eine ausgesprochen mangelhafte Führungskultur und Personalentwicklung  bis in größere mittelständische Unternehmen, sah der Geschäftsführer der TBS gGmbH, Winfried Ott. Es fehle bereits in der universitären Ausbildung die Vorbereitung einer entsprechenden Führungskultur. Die TBS berät zu allen betrieblichen Themen Gewerkschaften und betriebliche Interessenvertretungen in Rheinland-Pfalz. Ziele dabei sind: Arbeitsbedingungen verbessern, Qualifikationen und Qualitäten der Beschäftigten fördern, betriebliche Risiken abwehren und Beschäftigung sichern.

Auch der Präsident der Landespsychotherapeutenkammer, Alfred Kappauf, sah dringenden Handlungsbedarf, dass sich der Landtag mit der eklatanten Zunahme an Fehltagen aufgrund von psychischen Erkrankungen auseinandersetzt. Viele Arbeitnehmer fühlten sich durch immer längere Arbeitswege, ständige Erreichbarkeit und Überstunden überlastet. Flexible Arbeitswelten böten hier Chancen, wenn die Akteure ein hohes Maß an autonomer Kontrolle behielten. Die Grenzen der psychischen Belastbarkeit dürften dabei aber nicht überschritten werden.

Eine schnelle Beratung und zügige Hilfe für seelisch belastete Menschen seien unbedingt erforderlich und verhinderten eine Verschlimmerung der Symptome. Notwendig seien eine Vernetzung von Mitarbeiterberatung, professioneller Diagnostik und psychotherapeutischer Behandlung. Es dürfe auch nicht sein, dass in Betrieben die Meinung herrsche: „Wer ein Problem hat, ist das Problem“. Über Belastungen offen sprechen können, fördere die psychische Gesundheit, unterstrich Kappauf.

Eine Modernisierung und Anpassung der Arbeitsschutzgesetze forderte die Mainzer Arbeitsmedizinerin Ute Wellstein. Führungsarbeit müsse gelernt und gemacht werden. Im Verlaufe ihrer beruflichen Tätigkeit habe sich für sie immer bewahrheitet, der Vorgesetzte nimmt seinen Krankenstand mit.

Prävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und müsse alle Lebensbereiche mit einbeziehen, betonte Dr. Christoph Oberlinner, Werksarzt der Ludwigshafener BASF. Ziel einer im Betrieb angesiedelten Prävention und Gesundheitsförderung seien „gesunde Mitarbeiter in gesunden Unternehmen“. Auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung mit einer im Durchschnitt älter werdenden Belegschaft würden diese Aspekte zunehmend wichtig. Durch ein strategisches Gesundheitsmanagement soll ein Zugewinn an gesunden Lebens- und auch Arbeitsjahren für die Beschäftigten im Unternehmen erreicht werden.

Auf positive Aspekte eines betrieblichen Gesundheitsmanagements aufgrund eigener praktischer Erfahrungen wies Hermann Krupp, Geschäftsführer eines mittelständischen Betriebes aus Sinzig hin. Bereits seit 2002 gibt es in dem Betrieb ein Gesundheitsmanagement. Der Betrieb sieht sich in der sozialen Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern, im Rahmen des demografischen Wandels die individuellen Voraussetzungen zu schaffen, dass die Belegschaft die anstehenden längeren Arbeitszeiten in Gesundheit leisten könne.

In ihrem Antrag fordern die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen die Landesregierung unter anderem auf, sich im Bundesrat für ein Präventionsgesetz einzusetzen, das verstärkt so genannte settingbezogene Gesundheitsförderung und Prävention vorsieht und alle Sozialversicherungsträger in die Finanzierung einbezieht.

Weitere Forderung ist der Einsatz für die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohnes, damit gute Arbeit auch gut bezahlt werde und die Menschen von dem, was sie verdienten, anständig leben könnten.  - 31.01.2014

 
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