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Erinnerungskultur ist ein Zeichen von Stärke

Lea Rosh bei ihrer Gedenkrede zum 27. Januar - Foto: Torsten Silz
Lea Rosh bei ihrer Gedenkrede zum 27. Januar - Foto: Torsten Silz
Landtag Rheinland-Pfalz gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus
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Gedenksitzung mit Lea Rosh am
27. Januar 2017 im Landtag Rheinland-Pfalz

Der Landtag Rheinland-Pfalz hat in einer Sondersitzung der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.
Landtagspräsident Hendrik Hering, die Vorsitzende des Förderkreises Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V. Lea Rosh und der stellvertretende Ministerpräsident Dr. Volker Wissing erinnerten mit eindringlichen Worten an den Völkermord und den Vernichtungskrieg gegen die Juden und alle Andersdenkenden in ganz Europa. Sie riefen die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich Rassismus, Hass und Gewalt entschlossen entgegenzustellen.

Lea Rosh, deren Lebenswerk das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin ist, forderte: „Nie wieder. Nie wieder das Menschenrecht so verletzen lassen. Nie wieder den Nachbarn allein lassen. Nie wieder wegsehen. Nie wieder Hass gegen irgendwelche Minderheiten dulden.“ Das Holocaust-Denkmal zeige, wie sehr Deutschland sich seiner Verantwortung bewusst sei, indem es seines eigenen größten Menschheitsverbrechens gedenke und die Opfer ehre.

Landtagspräsident Hendrik Hering betonte, dass zweifelhafte oder relativierende Äußerungen zum Holocaust-Gedenken nicht hingenommen würden. „Die gewachsene Erinnerungskultur ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche!“ Zugleich appellierte er an alle Bürgerinnen und Bürger, hinzuschauen und einzugreifen, wenn Menschen heute wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer sexuellen Orientierung, wegen ihrer Andersartigkeit im Freundeskreis, am Arbeitsplatz oder in sozialen Netzwerken zum Feindbild gemacht würden.

In besonderer Weise gedachte Hering den von den Nazis verfolgten Künstlern und Kulturschaffenden, darunter auch viele Rheinland-Pfälzer wie die Schriftsteller Anna Seghers und Carl Zuckmayer, der Maler Hans Purmann oder der Musikschuldirektor Hans Gal: „Die Manipulation der Köpfe der Menschen, das Beschneiden der Kreativität, das Monopol über die öffentliche Meinung, sie wurden zu Pfeilern der nationalsozialistischen Macht ausgebaut.“ Auch heute werde die Freiheit des Wortes, der Kreativität oder die Freiheit der Medien angegriffen oder eingeschränkt, hier gelte es mit aller Kraft dagegenzuhalten. In Erinnerung an die verfolgten Künstler und Kulturschaffenden in der NS-Zeit begleiteten das Duo Dr. Clemens Kuhn (Flügel) und Horst Kuhn (Klarinette) die Gedenksitzung mit Werken der verfolgten Komponisten Paul Ben-Haim und Viktor Ullmann.

Der stellvertretende Ministerpräsident Dr. Volker Wissing sagte mit den Worten Carl Zuckmayers: „Das Böse in der Welt lebt nicht durch die, die Böses tun, sondern durch die, die Böses zulassen“. Böses nicht zuzulassen heiße auch heute, die menschlichen Werte hochzuhalten. Dabei gehe es nicht nur um das Nicht-Vergessen, sondern um die moralische Pflicht, für die Würde eines jeden einzelnen Menschen einzustehen und sie zu schützen.

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar wurde vom verstorbenen Bundespräsidenten Roman Herzog ins Leben gerufen. Er erinnert an die Befreiung von Ausschwitz am 27. Januar 1945 durch sowjetische Soldaten. Der Landtag Rheinland-Pfalz begeht den Gedenktag in diesem Jahr zum 19. Mal. An der zentralen Gedenksitzung des Landtags nahmen neben den Abgeordneten zahlreiche Ehrengäste aus allen gesellschaftlichen Bereichen teil, darunter die früheren Ministerpräsidenten Rudolf Scharping und Kurt Beck, der Vorsitzende des Landesverbands der jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz Avadislav Avadiev und Jacques Delfeld und Django Reinhard vom Landesverband der Sinti und Roma. - 27.01.2017

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