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Ausstellung: „Worte wie Gift und Drogen“

Landtagspräsident Hendrik Hering warnt vor dem Missbrauch der Sprache

Ausstellung "Worte wie Gift und Drogen. Was Sprache anrichten kann - von damals bis heute". Foto: Torsten Silz
Ausstellung "Worte wie Gift und Drogen. Was Sprache anrichten kann - von damals bis heute". Foto: Torsten Silz
Wie konnte es passieren, dass im Nationalsozialismus aus anscheinend ganz normalen Menschen Massenmörder wurden?

Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Ausstellung der Ökumenischen Arbeitsgruppe im Mainzer Dom anlässlich des Gedenktags an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar. Ihre Antwort: Es waren Worte wie Gift und Drogen. Worte wie „Eintopfsonntag“, „Freiwilliges Winterhilfswerk“ oder „Volksempfänger“, die harmlos daherkommen, aber im Kontext der NS-Ideologie zu unfassbarem Leid geführt haben. Andere Worte zeigten ihre todbringende Kraft offensichtlicher, Worte wie „Ausmerzung“, „Umvolkung“, „defekte Menschen“ oder „rassenmäßige Vergiftung unseres Volkskörpers“.

„Die Sprache im Nationalsozialismus war ein Gift, das Freiheit und Individualität geraubt hat, das die Menschen im Gleichschritt marschieren ließ und eine ganze Gesellschaft gleichgeschaltet hat“, erinnerte Landtagspräsident Hendrik Hering bei der Eröffnung der Ausstellung. „So standen verbale Gewalt und Hetze am Anfang von Völkermord und Vernichtungskrieg.“

Die Ausstellung zeigt im Detail auf, wie die Nationalsozialisten die deutsche Sprache in allen Lebensbereichen missbraucht und instrumentalisiert haben, um ihre menschenverachtende Ideologie in den Köpfen der Deutschen festzusetzen. Und sie lenkt den Blick darauf, wie sich der Missbrauch der Sprache heute zu wiederholen beginnt. „Wenn Menschen heute wieder öffentlich beleidigt und bedroht werden, wenn Journalisten als Lügenpresse beschimpft werden und wenn das Holocaust-Gedenken als lähmend und dämlich bezeichnet wird, dann müssen wir eingreifen. Es ist unsere Aufgabe zu verhindern, dass unsere heutige Demokratie, wie damals die Weimarer Republik, kaputt geschimpft oder gar noch einmal kaputt getrampelt wird“, sagte Hering.

Auch der Diözesanadministrator des Bistums Mainz Dietmar Giebelmann und der Präses der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Dr. Ulrich Oehlschläger riefen dazu auf, sich dem erneuten Missbrauch der Sprache entgegenzustellen. „Worte verhallen nicht, sie werden irgendwann Wirklichkeit“, warnte Prälat Giebelman. Präses Oehlschläger wünschte sich von den Bürgerinnen und Bürgern, dass sie der gegenwärtigen Verrohung der Sprache mit breiter Ablehnung und mutiger Einmischung begegneten.

Die Ausstellung „Worte wie Gift und Drogen. Was Sprache anrichten kann – von damals bis heute“ ist bis zum 30. Januar 2017 im Mainzer Dom zu sehen. Danach kann die Ausstellung vom 31. Januar bis zum 2. Februar in der Katholischen Hochschulgemeinde Mainz und vom 6. bis 28. Februar in der Christuskirche Mainz besucht werden. - 25.01.2017

 
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