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Unter dem Deckmantel der Justiz

„Justiz und Nationalsozialismus“ im Zentrum des diesjährigen Holocaust-Gedenkens

Am kommenden Mittwoch, 10. Januar 2018, wird um 13 Uhr im Foyer des Abgeordnetenhauses des Landtags in der Kaiser-Friedrich-Straße 3 in Mainz die Ausstellung „Justiz und Nationalsozialismus“ eröffnet. Landtagspräsident Hendrik Hering lädt hierzu alle Interessierten herzlich ein. „Die Ausstellung zeigt, wie Juristen während der nationalsozialistischen Herrschaft unter dem Deckmantel einer unabhängigen Justiz Urteile ‚im Namen des deutschen Volkes‘ fällten, dabei jedoch einem verbrecherischen System dienten“, sagte Hendrik Hering. Die erschreckende Bilanz: über 16.000 Todesurteile. In vielen Fällen handelte es sich dabei um nichts anderes als Justizmord auf Geheiß der Führung des NS-Regimes.

 Die Ausstellung ist die erste von 35 Veranstaltungen des Landtags Rheinland-Pfalz, der Landeshauptstadt Mainz und vieler ehrenamtlich getragener Initiativen, die im Jahr 2018 die Opfer der NS-Justiz in den Mittelpunkt ihres Gedenkens stellen. Im neu erschienenen gemeinsamen Programmheft des Landtags und der Landeshauptstadt werden die Ausstellungen, Gedenkfeiern, Konzerte, Vorträge, Führungen und Stadtrundgänge vorgestellt. Die zentrale Gedenksitzung des Landtages findet am 27. Januar als auswärtige Plenarsitzung im Neuen Justizzentrum in Koblenz statt.

Rolle der Justiz im Dritten Reich

Die Ausstellung „Justiz und Nationalsozialismus“ wird von der Dokumentations- und Forschungsstelle „Justiz und Nationalsozialismus NRW“ organisiert. Diese widmet sich in Zusammenarbeit mit historischen Forschungsinstituten, Gedenkstätten und anderen Einrichtungen der historischen Aufarbeitung der von der Justiz im Dritten Reich begangenen Verbrechen. Auch die Fehler und Versäumnisse der Justiz bei der Verfolgung und Ahndung des begangenen Unrechts in der noch jungen Bundesrepublik stehen dabei im Fokus der Forschungsarbeit. Nach einführenden Worten durch den Landtagspräsidenten Hendrik Hering, den rheinland-pfälzischen Justizminister Herbert Mertin und seinen nordrhein-westfälischen Amtskollegen Peter Biesenbach wird Professor Ingo Müller, früherer Professor für Straf- und Strafprozessrecht und Vorstandsmitglied im „Forum Justizgeschichte e.V.“, Details zur Ausstellung erläutern.

Hendrik Hering erinnert sich noch heute gut an das Buch „Furchtbare Juristen“ von Professor Müller. „Als das Werk im Jahr 1987 erschien, habe ich es als Mainzer Jurastudent geradezu verschlungen und war erschüttert. Im Buch wurde erstmals der juristische Alltag des Nazi-Terrors nachgezeichnet und anhand hunderter Beispiele akribisch zusammengetragen, welch tragende Säule die Justiz im nationalsozialistischen Herrschaftssystem gewesen ist“.

Wann und wo ist die Ausstellung zu sehen?

Die Ausstellung ist bis zum 7. Februar 2018 täglich – außer an Wochenenden – von 8 Uhr bis 17 Uhr im Foyer des Abgeordnetenhauses, Kaiser-Friedrich-Straße 3, 55116 Mainz, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Herausgegeben vom Landtag Rheinland-Pfalz kann das Programmheft in gedruckter Form und als Klassensatz kostenlos bestellt werden bei Ruth Cloos, Tel. 06131-208 2311 oder per E-Mail an ruth.cloos@landtag.rlp.de. Elektronisch abrufbar ist es auf der Homepage des Landtags unter www.landtag.rlp.de.  

 
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