Original Nachricht:   Re: Wahlalter runter – Jugend an die Urnen!!
Hallo Florian,

ich stimme dir zu, dass es geradezu paradox ist, dass junge Menschen, die von Entscheidungen auf Kommunal- und Landesebene unmittelbar betroffen sind, hier nicht direkt mitreden können.

Allerdings möchte ich deiner pauschalen Kritik an uns Politikern widersprechen. Natürlich gibt es Politiker, die nur danach schauen, wie sie Interessen von bestimmten Wählergruppen durchsetzen können und bestimmt haben ein paar meiner KollegInnen manchmal eher die nächste Wahl als das langfristige Allgemeinwohl im Blick. Aber "schwarze Schafe" gibt es in allen Berufssparten. Ich erlebe in meiner täglichen Arbeit die meisten meiner Kollegen (übrigens über alle Parteigrenzen hinweg) als sehr verantwortungsbewusst. Es stellt allerdings ein Problem dar, dass es auf viele aktuelle Fragen nicht mehr die eine richtige Antwort, sondern dass es einfach viele (jede für sich berechtigte) gegensätzliche Auffassungen gibt. Da ist es nicht immer leicht und zum Teil sogar unmöglich, alle Interessen im Blick zu behalten und diesen wirklich gerecht zu werden.

Ich sehe in deinem "Umfrageergebnis" (viele deiner Freunde gehen nicht zur Wahl, weil sie sich zu wenig informiert fühlen) übrigens keinen Widerspruch zu meiner Überzeugung, dass junge Menschen sich gut informieren, bevor sie zur Wahl gehen. Dies finde ich dadurch nur noch einmal bestätigt. Junge Menschen stellen einen sehr hohen Anspruch an sich als Wähler. Wenn sie nicht genau informiert sind, dann gehen sie lieber gar nicht wählen, anstatt ihre Stimme einfach irgendeiner Partei zu geben.

Ich stimme mit dir darin überein, dass die Senkung des Wahlalters nicht der einzige Schritt sein darf, um Politik wieder jungen Menschen nahe zu bringen, aber ich denke schon, dass man Wahlrecht nicht erst als "Belohnung am Schluss" anbieten sollte. Vielleicht bringt es den ein oder anderen dazu, sich intensiver mit politischen Themen auseinanderzusetzen.

Zu deiner Begründung, dass man das Wahlalter allerdings nur auf 16 Jahre herabsetzen sollte, weil Jüngere durch die Pubertät viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt seien, möchte ich nur zu bedenken geben, dass eine Auseinandersetzung mit sich selbst immer auch zu einer Auseinandersetzung mit anderen Menschen und der Gesellschaft, in der man lebt, führt. Warum ist gerade die Phase der Pubertät eine Phase, in der junge Menschen oft sehr stark versuchen, ihr Umfeld nach ihren Idealen umzugestalten und sich dafür sehr stark engagieren? Auch dein Argument, dass Politik für Jüngere einfach viel zu komplex sei, teile ich nicht. Denn ich denke schon, dass man auch Themen, die z.B. Kinder direkt betreffen, so erklären kann, dass sie diese durchaus verstehen und sich dazu auch eine eigene Meinung bilden können.

Ich freue mich schon auf die weitere Diskussion mit dir! Viele Grüße, Nils.

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