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Wenig Vertrauen in Europa, aber kein Austritt aus EU

Europaweite Jugendstudie in Ausschuss präsentiert

Wenig Vertrauen in Europa, aber kein Austritt aus der EU. So lautet eines der zentralen Ergebnisse einer europaweiten Jugendstudie mit dem Titel „Generation What?“, welche in dieser Woche im „Ausschuss für Europafragen und Eine Welt“ des Landtags durch Heike Raab, Staatssekretärin und Bevollmächtigte beim Bund und in Europa, für Medien und Digitales, präsentiert wurde.
Die Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ hatte die Thematik beantragt. Für die Studie über die junge Generation in Deutschland und Europa wurden junge Menschen aus 35 europäischen Ländern im Alter zwischen 18 und 34 Jahren befragt, wie sie leben und welche Ziele, Wünsche, Hoffnungen und Ängste sie haben.


EU ist nützlich für das eigene Land

In Bezug auf das Thema „Europa“ sei das Verhältnis der jungen Generation von Pragmatismus geprägt. Sie hätten zwar wenig Vertrauen in Europa und identifizierten sich stärker mit dem eigenen Land oder der eigenen Region. Für einen EU-Austritt des eigenen Landes spreche sich jedoch nicht einmal jeder Sechste aus. Trotz ihrer Fehler werde die EU von der jungen Generation als nützlich für das eigene Land wahrgenommen. Man verbinde mit der EU aber nicht die Hoffnung, dass sie Lösungen zu den drängenden Problemen unserer Zeit finde.

Beim Thema „Vertrauen in Institutionen“ bleibe festzuhalten, dass eine große Mehrheit der jungen Menschen in Europa zwar kein Vertrauen mehr in die Politik hätte. Im Ländervergleich stehe Deutschland hier allerdings sehr gut dar, da hier nur 23 Prozent überhaupt kein Vertrauen in die Politik hätten, während es in Italien, Griechenland und Frankreich jeweils über 60 Prozent seien.


Zuwanderung ist Bereicherung

Positiv fallen hingegen die Statements zum Themenblock „Gesellschaft“ aus. Die junge Generation nehme die Zuwanderung mehrheitlich als kulturelle Bereicherung wahr und lehne nationalistische Tendenzen ab. Gerade die jungen Menschen in Deutschland distanzierten sich besonders stark von nationalistischen Tendenzen und lehnten so stark wie in keinem anderen Land die Bevorzugung eigener Landsleute auf dem Arbeitsmarkt ab.

Bei der Frage nach dem „Blick in die Zukunft“ ist die junge Generation gespaltener Meinung. Der überwiegende Anteil von 55 Prozent blickt eher optimistisch in die Zukunft, während ein Anteil von 43 Prozent eher pessimistisch in die Zukunft blickt. Die Autoren der Studie bezeichnen dies als „Bewältigungsoptimismus“. Die jungen Europäerinnen und Europäer seien mit zahlreichen Krisenerfahrungen wie beispielsweise dem 11. September 2001, dem Platzen der Internetblase, dem Crash der Finanzmärkte, der Klimaproblematik und der Flüchtlingssituation aufgewachsen. Dadurch hätten sie gelernt, pragmatisch mit Ungewissheiten umzugehen.

Die Abgeordneten des Ausschusses waren sich einig darin, dass die Studie das Bild der jungen Generation zutreffend wiedergebe. Aus den vielen Fragen der Jugendlichen im Rahmen des vom Landtag und der EU-Kommission kürzlich veranstalteten EU-Bürgerdialogs habe sich ein annähernd gleiches Bild der jungen Generation über Europa und die Europäische Union ergeben. - 09.06.2017

 
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