Direkt zum Inhalt

Angriff, Emotion und Negatives bringen Schlagzeilen

Veranstaltung des Landtags zur politischen Kommunikation von Parlamenten

Wie ihre Kommunikation über Medien wie „Snapchat“ oder „Instagram“ funktioniert, präsentierte die Sängerin Lisa Bund Landtagspräsident Hendrik Hering bei einer Veranstaltung im Landtag. - Foto: T. Silz
Wie ihre Kommunikation über Medien wie „Snapchat“ oder „Instagram“ funktioniert, präsentierte die Sängerin Lisa Bund Landtagspräsident Hendrik Hering bei einer Veranstaltung im Landtag. - Foto: T. Silz
Wie kommunizieren Parlamente und wie werden sie in der Bevölkerung wahrgenommen?

Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung des Landtags Rheinland-Pfalz und der Deutschen Vereinigung für Parlamentsfragen e.V., die im Plenarsaal des rheinland-pfälzischen Landtags in der Steinhalle des Landesmuseums in Mainz stattfand. Unter der Überschrift „Wir müssen reden!“ diskutierten und informierten Experten aus Politik, Wissenschaft und Medien über die politische Kommunikation von Landesparlamenten in Zeiten von Facebook, Twitter und Co. und von Schlagworten wie „Lügenpresse“, „Fake news“ und „Alternativen Fakten“.

Landtagspräsident Hendrik Hering bezeichnete in seiner Begrüßung das Parlament als einzigen Ort, an welchem ein Austausch der Argumente bei klaren und anerkannten Spielregeln transparent möglich sei und wo demokratisch legitimierte Entscheidungen getroffen werden. Hier sei der Ort, an dem Vertrauen durch Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit hergestellt werden müsse. Die Medien seien wiederum diejenigen, welche die Prozesse und Entscheidungen des Parlaments in die Öffentlichkeit transportierten. Wie wenig Information jedoch bei vielen Bürgern ankomme, zeigte ein kurzer Filmbeitrag, in welchem die Bevölkerung gefragt wurde, was der Landtag eigentlich macht. Die wenigsten konnten diese Frage beantworten. In den Anfangszeiten der Parlamentsgeschichte seien dagegen die Sitzungen an sich bereits eine Sensation gewesen und das politische Interesse der Bevölkerung war hoch. Heute müsse sich dagegen Sensationelles ereignen, um überhaupt wahrgenommen zu werden, bekannte der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Vereinigung für Parlamentsfragen e.V., Professor Dr. Dr. h.c. Heinrich Oberreuter, der als Moderator durch den Abend führte.   

Angriffe, Emotionen und negative Aussagen erhöhten dabei die Wahrscheinlichkeit, in den Medien präsent zu sein, brachte der Mainzer Kommunikationswissenschaftler Professor Dr. Marcus Maurer den Stand der Forschungen auf den Punkt. Dabei gelten für die sozialen Medien dieselben „Erfolgskriterien“ wie im Journalismus. Die meisten „Gefällt mir“-Klicks erhielten angreifende und emotionale Beiträge. Offen ließ er die Frage, ob sich Parlamente nun dieser Medienlogik unterwerfen sollten.


Verärgerung über Verhalten der Politiker im Parlament

Die SWR-Redaktionsleiterin des politischen Landesmagazins „Zur Sache Rheinland-Pfalz“, Dr. Ina-Gabriele Barich, verwies darauf, dass der SWR relativ viel und breit über das Geschehen im und um das Parlament berichte. Der Landeskorrespondent der Rhein-Zeitung, Dietmar Brück, stellte fest, dass die Leser schon sehr an Skandalen interessiert seien, aber auch an politisch fundierten Analysen. Als regelmäßiger Teilnehmer der Landtagssitzungen bekomme er auch viele Reaktionen der Gäste auf der Besuchertribüne des Landtags mit. Diese seien oftmals entsetzt und verärgert über das Verhalten der Politiker während der Sitzungen. „Da wird auf dem Handy gespielt, dazwischen gerufen, mit dem Nachbarn gesprochen“. Simone Gutberlet aus der Redaktion Landespolitik beim Hörfunksender RPR 1 betonte, dass beim Radio für die politische Berichterstattung andere Zwänge gelten. So seien hier die Beiträge eher kurz, eine Detailberichterstattung würde den Hörer eher ermüden.


Jüngere mit komplett anderem Kommunikations- und Informationsverhalten

Florens Mayer vom Umfrageinstitut infratest dimap berichtete, dass die Menschen sich mehrheitlich nicht für Politik interessierten, aber ein großes Vertrauen in die öffentlich-rechtlichen Medien sowie die großen Tageszeitungen vorliege. Die unter 30-Jährigen wiesen jedoch ein komplett anderes Kommunikations- und Informationsverhalten auf. Hier spiele sich das meiste über die sozialen Medien ab, jeder dritte Jugendlich tausche sich über Twitter aus. Dies konnte die Sängerin und Finalistin  der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“, Lisa Bund, bestätigen. Sie lobte, dass der Landtag jetzt auch bei Facebook und Twitter aktiv sei, jedoch seien bei Jüngeren inzwischen andere soziale Medien wie Snapchat oder Instagram angesagt. „Politik hat für mich immer das Bild: Alles muss perfekt sein. Ich finde, Politik kann auch mal locker sein“, befand die Sängerin.

„Neue Wege gehen, heißt auch mal mutig zu sein und unsere Demokratie ist es wert, mutig zu sein“, forderte Hendrik Hering die Bereitschaft ein, bei der politischen Kommunikation auch mal andere Wege zu gehen, um die Bürger besser zu erreichen und zu beteiligen. Der Journalist Dietmar Brück regte beispielsweise an, bei Parlamentsdebatte online eingereichte Fragen von Bürgerinnen und Bürgern zu diskutieren. - 12.06.2017


Filmbeitrag auf dem YouTube-Kanal des Landtags

 
  zum Seitenanfang
Übersicht der TastaturkürzelAktuellesDokumente