Direkt zum Inhalt

Erinnerungskultur wichtig für eine stabile Demokratie

Landtagspräsident spricht bei Ausstellungseröffnung „Im Schatten der Erinnerung“

Eröffnung der ökumenischen Ausstellung "Im Schatten der Erinnerung" zum Gedenktag am 27. Januar 2018 - Foto: Landtag Rheinland-Pfalz
Eröffnung der ökumenischen Ausstellung "Im Schatten der Erinnerung" zum Gedenktag am 27. Januar 2018 - Foto: Landtag Rheinland-Pfalz
25.01.2018 - Die ökumenische Ausstellung der Mainzer Arbeitsgruppe Gedenktag 27. Januar erinnert in diesem Jahr an die Verbrechen der Nationalsozialisten in den Benelux-Staaten (Belgien, Niederlande und Luxemburg). Unter dem Titel „Im Schatten der Erinnerung“ wird auf 16 Tafeln präsentiert, welcher Gewalt und Unterdrückung die Menschen in den westlichen Nachbarländern ausgesetzt waren. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, der Präses der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Dr. Ulrich Oelschläger, und der rheinland-pfälzische Landtagspräsident Hendrik Hering haben die Ausstellung an diesem Mittwoch in der Mainzer Christuskirche eröffnet. Die Ausstellung ist noch bis zum 25. März an verschiedenen Orten in Mainz zu sehen, unter anderem im Mainzer Dom (15.-19. Februar). Seit acht Jahren präsentiert die ökumenische Arbeitsgruppe 27. Januar anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus inhaltlich wechselnde Ausstellungen.

Kohlgraf: Aus der Vergangenheit erwächst die Verantwortung für die Gegenwart

Bischof Kohlgraf hob hervor, dass es bei der Ausstellung nicht allein um eine rückblickende Beschäftigung mit der Vergangenheit gehe: „Es geht vielmehr darum, sich der Geschehnisse und sich insbesondere der Opfer zu erinnern. Erinnern - das heißt für mich: Sich berühren zu lassen, sich zu fragen, was all dies mit mir und mit uns heute zu tun hat, und sich bewusst zu machen, dass aus den furchtbaren Geschehnisse der Vergangenheit eine Verantwortung für unserer Gegenwart erwächst.“

Im Mittelpunkt müssten dabei die Opfer stehen. „Ihrer zu gedenken und sich von der Erinnerung an sie berühren zu lassen, das ist auch der - vielleicht hilflose - Versuch, ihnen ein Stück ihrer Würde zurückzugeben, die ihnen genommen wurde. Mir ist es bei diesem Gedenken an die Opfer besonders wichtig, sie nicht nur in ihrer Opferrolle wahrzunehmen, sondern als Menschen, die - obgleich sie ihr Leben nicht leben konnten - doch ihre Spuren in unserer Welt hinterlassen haben; die manchmal in Situationen unsagbaren Leidens sich Menschlichkeit bewahren konnten und vielleicht sogar ihren Glauben an Gott“, sagte der Bischof. Er dankte der ökumenischen Arbeitsgruppe 27. Januar für ihr Engagement und würdigte die Ausstellung, die dazu auffordere, „sich exemplarisch mit einem konkreten Aspekt der nationalsozialistischen Verbrechen auseinanderzusetzen“. Kohlgraf wies auf die regionalen Bezüge der Ausstellung hin. Dies sei eine Mahnung daran, „dass Unrecht nicht in der Ferne geschah und geschieht, sondern in unserer Nachbarschaft. Es erwächst aus unserer Mitte, aus unseren Einstellungen und Haltungen.“


Hering: Erinnerung ist bleibende Verpflichtung für alle Deutschen

„Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus aufrecht zu erhalten, ist eine dauernde Verpflichtung für alle Deutschen“, sagte der Präsident des rheinland-pfälzischen Landtages, Hendrik Hering, in seiner Ansprache. Und weiter: „Wir sind es den Opfern schuldig. Ohne die Erinnerungskultur hätte unser Land aber auch nicht zu einer stabilen Demokratie reifen können und die europäische Aussöhnung und die deutsche Vereinigung wären nicht möglich gewesen.“

Die Förderung der Erinnerungskultur sei eine Aufgabe des Staates, insbesondere der Bildungspolitik. Dies könne der Staat jedoch alleine nicht leisten: „Eine lebendige Erinnerungskultur ist nur durch das Engagement vieler Menschen in Gedenkinitiativen und Geschichtswerkstätten möglich“, betonte der Landtagspräsident. Er dankte daher der Ökumenischen Arbeitsgruppe „Gedenktag 27. Januar“, „die und in diesem Jahr die besondere Lage der Benelux-Länder während des Zweiten Weltkriegs vor Augen führt.“ Hering wies darauf hin, dass die Geschichte der Besatzung der Benelux-Staaten in der Erinnerung häufig zu kurz komme. Und weiter: „Wir sind dankbar für die Aussöhnung mit Frankreich - zu Recht. Die Bereitschaft der sogenannten Benelux-Länder seit der Entstehung der europäischen Gemeinschaften mit Deutschland zusammenzuarbeiten, haben wir aber allzu lang als selbstverständlich betrachtet.“


Oelschläger: Sie halten die Erinnerung wach

Präses Oelschläger würdigte die Arbeit der Ausstellungsmacher: „Sie halten die Erinnerung wach. Sie zwingen uns mit freundlicher Beharrlichkeit, uns immer wieder mit diesen grauenvollen Untaten zu beschäftigen. Und Sie tun das in einer Weise, die uns nicht in der Rolle der Betrachter von außen lässt. Sie erlauben uns aber auch weder eine platte Identifizierung mit den Opfern noch die Rolle der selbstgerechten Ankläger. Aus der Fülle der Informationen wählen Sie aus, rücken Sie das ins Licht, was in unserer jetzigen gesellschaftlichen Situation am wichtigsten ist.“


Weitere Stationen der Ausstellung

Die Ausstellung ist vom 24. bis 31. Januar in der Mainzer Christuskirche zu sehen, vom 1. bis 10. Februar in der ESG-Kirche (Am Gonsenheimer Spieß 1) vom 15. bis 19. Februar im Mainzer Dom und vom 20. Februar bis 25. März im Jugendhaus Don Bosco (Am Fort Gonsenheim 54) in Mainz. Am Sonntag, 28. Januar, findet um 19.00 Uhr in der ESG-Kirche ein ökumenischer Gottesdienst zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus statt.

 
  zum Seitenanfang
Übersicht der TastaturkürzelAktuellesDokumente