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Die Republik, die vergessen gemacht werden sollte: 225 Jahre Mainzer Republik

Festveranstaltung zum ersten Demokratieversuch auf deutschem Boden

Festveranstaltung zu 225 Jahre Mainzer Republik im Plenarsaal des Landtags. Foto: K. Schäfer
Festveranstaltung zu 225 Jahre Mainzer Republik im Plenarsaal des Landtags. Foto: K. Schäfer
24.10.2017 - Freiheit, Einheit, Brüderlichkeit: Im Oktober 1792 wurde Mainz von französischen Revolutionsarmeen besetzt. Mit den Revolutionären erhielt ein völlig neues Verständnis für die Menschen- und Bürgerrechte Einzug in die Stadt. Kurz darauf gründeten Mainzer Bürger am 23. Oktober 1792 – vor 225 Jahren – einen Jakobinerklub, den sie „Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit“ nannten. Es war der Beginn einer kurzen, aber bewegten neuen Zeit, die mit der Ausrufung der „Mainzer Republik“ am 18. März 1793 vom Balkon des Deutschhauses – dem heutigen Sitz des Landtags – gipfelte. Die Mainzer Republik gilt heute, wenn auch nicht unumstritten, als der erste Demokratieversuch auf deutschem Boden. Auf den Tag genau 225 Jahre nach Gründung des Klubs ging eine Fachtagung und eine Abendveranstaltung der Frage nach der Bedeutung der Mainzer Republik nach.

„Sicher ist: An die Mainzer Republik können wir nicht den Maßstab der Demokratie von heute anlegen. Aber sie war zweifellos ein erstes kurzes Aufflackern des Wunsches nach Freiheit und demokratischen Strukturen, angefacht durch die Französische Revolution in einer explosiven Zeit, in der neue Ideen in der Luft lagen und in der die alten Herrscher alles taten, um ihre Macht zu erhalten.“ Das hob die Vize-Präsidentin des Landtags Barbara Schleicher-Rothmund bei der Festveranstaltung zum 225-jährigen Jubiläum der Mainzer Republik im Plenarsaal des Landtags hervor.

Georg Forster – schillernder Protagonist der Mainzer Republik

Von einem der schillerndsten Protagonisten der Mainzer Republik erzählte Professor Jürgen Goldstein von der Universität Koblenz Landau in seinem Festvortrag: dem Weltreisenden, Naturforscher und Bibliothekar Georg Forster. Für Goldstein, der als Philosoph und nicht als Historiker in seinem mehrfach ausgezeichneten Buch „Georg Forster – Zwischen Freiheit und Naturgewalt“ den Weg des Freiheitskämpfers nachgezeichnet hat, betonte Forsters Überzeugung, dass sich die Freiheit mit Naturgewalt ihren Weg bahnen müsse. Sein Mitwirken in der Mainzer Republik als Revolutionär sei mit dem langen Schatten des Vaterlandsverräters verbunden. Die Mainzer Republik war eine Episode der Geschichte, die vergessen gemacht werden sollte.

Forsters ganz persönliche Eindrücke über die Ereignisse rund um die Mainzer Republik erfuhren die Gäste bei der anschließenden Lesung aus seinem Buch „Ansichten vom Niederrhein“.

Was bleibt von der Mainzer Republik?

In der Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Jürgen Goldstein, Sara Anil, Dr. Walter Rummel und Dr. Kai-Michael Sprenger, moderiert von der ZDF-Moderatorin Lena Ganschow, ging es dann noch einmal um die Frage: Was bleibt? Welche Bedeutung hat die Mainzer Republik für die Demokratiegeschichte in Deutschland und für die heutige Zeit? Und wie sind die Kehrseiten dieser ersten großen Freiheitsbewegung zu bewerten, deren Vorkämpfer auch mit Zwang ihre Ideen von Freiheit und Gleichheit gegen Widerstände in der Bevölkerung durchsetzen wollten? Es waren Freiheitskämpfer, die ihrerseits nach der Rückeroberung von Mainz gelyncht und verfolgt wurden.

Mit diesen Fragen hatte sich vor der Festveranstaltung auch eine wissenschaftliche Fachtagung des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V. in Zusammenarbeit mit dem Landtag und der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur beschäftigt. Dort ging es nicht nur darum, den aktuellen Forschungsstand um die historischen Ereignisse und Protagonisten der Mainzer Republik zu beleuchten, sondern auch nach ihren Wirkungen und ihrer gewandelten Bewertung quer durch die Jahrhunderte zu fragen.

Georg Forster in Produktionen des Mainzer Staatstheaters

Mit der Mainzer Republik beschäftigen sich auch zwei aktuelle Theaterproduktionen des Staatstheaters Mainz: In der deutsch-niederländischen Koproduktion „ForsterHuberHeyne“ geht es um das Dreiecksverhältnis von Forster, seiner Frau und deren Liebhaber. In einer Koproduktion mit dem Nationaltheater Weimar zeigt das Staatstheater Mainz 2018 zudem „Drei Mal die Welt“, das sich mit den unterschiedlichen Sichtweisen auf Georg Forster in Ost und West beschäftigt.

 
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