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Ab Herbst wird aufgebaut

Grundstein für neugestaltetes Landtagsgebäude gelegt

Startsignal für die Rohbauarbeiten der neuen Gebäudeteile - Foto: T. Silz
Startsignal für die Rohbauarbeiten der neuen Gebäudeteile - Foto: T. Silz
17.10.2017 - Die Sanierung des historischen Landtagsgebäudes in Mainz tritt in diesem Herbst in eine neue Bauphase ein. Nachdem die Abbruch- und Tiefbauarbeiten weit vorangekommen sind, stand an diesem Dienstag die symbolische Grundsteinlegung als offizielles Startsignal der Rohbauarbeiten für die neuen Gebäudeteile auf dem Programm. Damit beginnen die Arbeiten zur Errichtung eines funktionalen Anbaus mit Restaurant, Besprechungs- und Aufenthaltsräumen sowie der neuen barrierefreien Treppen- und Rampenanlage vor dem Deutschhaus.

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Auf der Baustelle am historischen Landtagsgebäude machten die Baumaschinen einige Stunden Pause. Landtagspräsident Hendrik Hering feierte die Grundsteinlegung gemeinsam mit Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen, dem Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling, den Vorsitzenden der fünf Fraktionen im Landtag, dem Geschäftsführer des bauausführenden Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB), Holger Basten sowie dem beauftragten Architekten Professor Linus Hofrichter. Zahlreiche Landtagsabgeordnete und interessierte Bürger verfolgten die Zeremonie.  


Demokratie erlebbar machen

Der Umbau, der unter dem Motto „Bauen für die Demokratie“ stehe, werde insbesondere auch den jährlich rund 30.000 Besuchern des Landtags dienen, welche sich zukünftig in zeitgemäßer Art und Weise über Geschichte, Aufgabe, Funktion und Arbeit des Parlaments informieren können, betonte Landtagspräsident Hendrik Hering. „Wir wollen in unserem sanierten Landtag Demokratie in moderner Form greifbar und erlebbar machen.“ Geplant sei, das Gebäude im Jahr 2020 wieder zu öffnen. Dann sollen die Abgeordneten in ein saniertes Parlamentsgebäude mit rund 4.000 Quadratmetern Fläche einziehen, das energieeffizient und barrierefrei gestaltet ist sowie doppelt so viele Sitzungs- und Besucherräume wie zuvor aufweist. Die Baukosten seien mit 49 Millionen Euro veranschlagt. Einschließlich aller weiteren Kosten und anzunehmender Baukostensteigerungen rechne der Landtagspräsident mit Gesamtkosten in Höhe von rund 60 Millionen Euro.

Das Parlament tagt für die Dauer der Arbeiten in der Steinhalle des Mainzer Landesmuseums.


Historische Wurzeln

Landtagspräsident Hendrik Hering verwies in seinem Grußwort auf die Geschichtsträchtigkeit des Parlamentsgebäudes, von dessen Balkon aus am 18. März 1793 die „Mainzer Republik“, der erste kurze Gehversuch der Demokratie in Deutschland, ausgerufen wurde. Nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg sei das Gebäude dann in nur 153 Tagen von der Kriegsruine zum Sitz des Landtags umgebaut worden. Die 65 Jahre, in denen hier 1.330 Plenarsitzungen stattfanden, seien an dem Gebäude nicht spurlos vorübergegangen, sodass umfangreiche Sanierungsarbeiten insbesondere im Bereich des Brandschutzes, der Barrierefreiheit und bei der Haustechnik notwendig wurden. Hendrik Hering dankte seinem Amtsvorgänger Joachim Mertes für seine Initiative, die Modernisierungsarbeiten anzupacken. Ebenso galt sein Dank den Archäologen der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Dr. Marion Witteyer, die auf archäologisch wertvolle sowie historisch erkenntnisreiche Funde gestoßen seien.    


Optimale Arbeitsbedingungen für politische Auseinandersetzung

Die rheinland-pfälzische Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen steuerte zur Grundsteinlegung symbolisch einige blitzblanke Euromünzen bei, darunter auch eine 2-Euro-Gedenkmünze „Rheinland-Pfalz“ mit Darstellung der Porta Nigra. „Mit der heutigen Grundsteinlegung ist für die Sanierung des Landtags ein wichtiges Etappenziel erreicht worden und die Fertigstellung des Neubaus rückt in greifbare Nähe“, sagte Doris Ahnen in ihrer Ansprache. „Mit der nachhaltigen Sanierung wird der Landtag den Funktionen und Anforderungen eines heutigen Parlaments gerecht. Es wird ein Ort geschaffen, der der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung optimale Arbeitsbedingungen bietet.“ Doris Ahnen erinnerte an den vorausgegangenen Planungs- und Gestaltungswettbewerb, um die zahlreichen unterschiedlichen Funktionen des Landtages in die vorgegebene historisch wertvolle und schön gestaltete Hülle der Bestandsgebäude, insbesondere des Deutschhauses, zu integrieren. „Ein weiterer Schwerpunkt wurde im Architektenwettbewerb auf die Nachhaltigkeit der Sanierung gelegt, insbesondere im Bereich der Barrierefreiheit und der Steigerung der Energieeffizienz. Es ist gelungen, die neue Architektur mit den denkmalgeschützten historischen Gebäuden in Einklang zu bringen“, so die Finanz- und Bauministerin.


Einmaliges Haus für Stadtgeschichte und Stadtbild

Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling freute sich, dass dieses für die Stadtgeschichte wie auch für das Stadtbild so einmalige Haus jetzt auf Vordermann gebracht werde und dankte den Landtagsabgeordneten für die einstimmige Entscheidung, in das Deutschhaus und damit zugleich in die Landeshauptstadt Mainz zu investieren. „Wir geben damit zugleich ein wichtiges Signal für heutige und kommende Generationen: Dieser Ort steht nicht nur für die Mainzer Geschichte und Gegenwart, sondern auch für die rheinland-pfälzische und sogar die deutsche“, sagte Michael Ebling. 

Der Geschäftsführer des Landesbetriebs LBB Holger Basten dankte allen Projektbeteiligten für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit. „Bei der Grundsteinlegung kann man deutlich erkennen, was bisher alles schon geleistet worden ist: Umfangreiche Aushub- und Verbauarbeiten, die archäologischen Grabungen mit überraschenden Funden und die Abbrucharbeiten, die mit Rücksicht auf die historische Bausubstanz große Umsicht erfordern“, so Basten. „Alles zusammen bildet eine gute Ausgangslage für die beginnenden Rohbauarbeiten.“  

Als Zeugnis der Zeitgeschichte wurde anschließend eine Kapsel mit symbolträchtigen Zeitzeugnissen wie einem Satz Euromünzen, einer aktuellen Tageszeitung, Bauplänen und Bildern der Landtagsfraktionen vermauert und damit für die Nachwelt konserviert.


Hintergrund und Details zur Baumaßnahme

Im Sommer 2016 begann die bauliche Umsetzung eines umfassenden Konzepts zur nachhaltigen Sanierung des Landtagsgebäudes mit den vorgelagerten Kavaliersbauten I und II. Anstelle des abgerissenen Landtagsrestaurants aus den 1950er-Jahren wird ein funktionaler Anbau geschaffen, in welchem sich neben einem neuen Restaurant auch Besprechungs- und Aufenthaltsräume befinden.

Realisiert wird der weiterentwickelte Entwurf des Wettbewerbssiegers Sander/Hofrichter aus Ludwigshafen. Unter dem Motto „Bauen für die Demokratie“ wird das historische Gebäude hinter der barocken Fassade energieeffizient, barrierefrei und nachhaltig für einen modernen Parlamentsbetrieb umgestaltet. Der Plenarsaal im 1. und 2. Obergeschoss wird moderner gestaltet und eine eigene Besucherlobby geschaffen. Brandschutz und Fluchtwege kommen auf den heutigen Stand, ein zweiter Aufzug verbessert die Barrierefreiheit. Gesteuert wird das Bauprojekt vom Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (Landesbetrieb LBB) im Auftrag des Finanzministeriums und für den rheinland-pfälzischen Landtag.

Der neue Anbau mit Restaurant und Besprechungs- und Veranstaltungsräumen wird als eingeschossiges Bauwerk mit einer Länge von 25,5 Metern und 20,42 Metern Tiefe in Stahlbeton-Massivbauweise an der Rückseite der historischen Fassade an der Rheinseite errichtet. Er erhält eine wärmegedämmte Natursteinfassade, die in Material und Farbe mit der Fassade des Deutschhauses abgestimmt wird. Vorgesehen sind ein größerer Gastraum mit 277 Quadratmetern sowie mehrere kleinere Gast- und Veranstaltungsräume. Die Anlieferung läuft künftig durch eine neu geschaffene Verbindung zur bestehenden Tiefgarage. Ein Zwischenbau im Erdgeschoss mit großen Fensterflächen in Pfosten-Riegel-Konstruktion bildet den Übergang zum historischen Gebäude. Im Inneren können Abgeordnete und Besucher durch eine lichtdurchflutete Magistrale direkt vom Landtag zum Restaurant gelangen.

Neu gebaut wird auch eine dem Deutschhaus vorgelagerte Treppen- und Rampenanlage, die barrierefrei zu beiden Seiten des Haupteingangs sanft ansteigt. Die symmetrische Anlage verbindet den historischen Bau mit dem neuen Restaurant-Anbau wie auch dem bestehenden Anbau des „Saal 7“ (Wappensaal) an der gegenüberliegenden Seite. Dieser erhält eine neue Fassade.   

Nach Abschluss der Arbeiten präsentiert sich das Ensemble auch von außen neu. Die Fassaden des Deutschhauses sowie der beiden Kavaliersbauten werden in Abstimmung mit dem Denkmalschutz teilweise saniert und neu gestrichen. Alle Altbauten bekommen wärmeisolierende Fenster.

Das bis 1740 erbaute Mainzer Deutschhaus gehört zu den historisch bedeutendsten Bauwerken in der Landeshauptstadt.

 
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