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Ehemalige Abgeordnete in Thüringen

Auf den Spuren Luthers und zu politischen Begegnungen

Die ehemaligen Abgeordneten des rheinland-pfälzischen Landtags zu Gast in Thüringen
Die ehemaligen Abgeordneten des rheinland-pfälzischen Landtags zu Gast in Thüringen
Auf den Spuren von Martin Luther und der Reformation findet derzeit die Informationsreise der Mitglieder der Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Landtags unter Leitung ihres Präsidenten Dr. Alfred Beth nach Thüringen statt.
Höhepunkte der Gespräche waren die Begegnungen mit Ministerpräsident Bodo Ramelow in der Staatskanzlei in Erfurt und mit der ehemaligen Minister- und Landtagspräsidentin Christine Lieberknecht im Landtag. Dort wurden die ehemaligen Parlamentarier auch von Landtagsdirektorin Dr. Eberbach-Born und dem Vizepräsidenten der Thüringer ehemaligen Abgeordneten Frank-Michael Pietzsch sowie Vorstandsmitglied Rosenmarie Bechtum begrüßt.

Im Erfurter Rathaus stand ein Austausch mit dem Oberbürgermeister Andreas Bausewein auf dem Programm. Auf der Wartburg stand der Besuch der Ausstellung "Luther und die Deutschen" auf dem Programm, in Eisenach die Besichtigung des Lutherhauses.

Alle Gesprächspartner wiesen auf die jahrhundertlangen Verbindungen Mainz-Erfurt und insbesondere dankbar auf die Aufbauhilfe nach der Wende 1989/1990 hin. Christine Lieberknecht sagte, aus der vielfach als "Laienspielerschar" belächelten Gruppe der Revolutionäre sei damals auch dank der Unterstützung ein professionelles politisches Team geworden. Als Theologin war sie für die Gruppe der Alt-Parlamentarier eine kompetente Gesprächspartnerin auch zum Thema Luther in seiner und in unserer Zeit. Seinen Überzeugungen treu zu sein, die Freiheit zu fordern und mit ihr verantwortlich umzugehen - dafür stehe Luther noch heute. Insofern sei er wirkungsmächtig, wie Lieberknecht formulierte. Sie verglich ebenso wie andere Gesprächspartner die Reformationsgeschichte mit der Geschichte der friedlichen Revolution. Insofern habe Thüringen "Freiheitsgeschichte im Doppelpack" erlebt. Hinsichtlich der Ökumene freute sich Lieberknecht darüber, dass im Reformationsgedenken 2017 die Gemeinsamkeiten in den Mittelpunkt rückten.

In der alten kurmainzerischen Statthalterei - der heutigen Staatskanzlei - trafen die Rheinland-Pfälzer Ministerpräsident Bodo Ramelow, der ebenso eloquent wie unterhaltsam sein Thüringen präsentierte und über die Regierungsarbeit berichtete. Neben dem Lutherjahr mit seinen vielfältigen Veranstaltungen, einem differenzierten Umgang mit der Geschichte in all ihren Facetten und dem Wirtschaftsstandort Thüringen wurden die Rheinland-Pfälzer auch überrascht. Als Kind hatte er in Nieder-Wiesen (Rheinhessen) gewohnt und dort und in Flonheim die Schule besucht. Unter den ehemaligen Abgeordneten begrüßte Ramelow besonders herzlich Gernot Heck, der in Nieder-Wiesen neben den Ramelows gewohnt hatte. Ramelow würdigte auch Bernhard Vogel als einen seiner Amtsvorgänger und lobte auch dessen Bereitschaft zu überparteilicher Zusammenarbeit in wichtigen Fragen. Lieberknecht wie Ramelow werteten die Reformation auch als die größte Bildungsoffensive, die es im Land bisher gab. Heute sei erneut eine solche große Anstrengung nötig auch mit Blick auf die Integration von Migranten, auch um die Menschen zum Erwerb von Freiheit in Verantwortung zu befähigen.

Zum weiteren Programm der ehemaligen MdL gehörte ein Besuch beim Rechnungshof Thüringen, dessen heutiger Präsident Dr. Sebastian Dette als rheinland-pfälzischer Landesbeamter zu den Aufbauhelfern der Landtagsverwaltung Thüringen gehörte und seit 2010 den Rechnungshof leitet. Eine überaus spannende Diskussionsrunde schloss sich dessen Vortrag am Sitz des Rechnungshofes in Rudolstadt an. Dabei standen neben den vielfältigen Aufgaben des Rechnungshofes auch Fragen der bevorstehenden Verwaltungsreform in Thüringen zur Debatte.

Mit dem Besuch in Bad Frankenhausen und des dortigen Monumentalpanoramas im Bauernkriegsmuseum sowie einer Begegnung mit dem Bürgermeister von Schmalkalden wird das Thema Reformation vertieft.

Der Besuch am Erfurter Erinnerungsort Topf und Söhne - die Ofenbauer von Auschwitz machte auf beklemmende Weise deutlich, wie die deutsche Wirtschaft in die Tötungsmaschinerie der Nazis verstrickt war. Das ehemalige Verwaltungsgebäude, in dem die Verbrennungsöfen für Auschwitz, Buchenwald und andere KZ konstruiert wurden, ist seit 2010 Erinnerungsort und Bildungsstätte, wie Rüdiger Bender, der Vorsitzende des Förderkreises erläuterte. - 26.06.2017

 
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